Wer eine Apple-Affinität hat, der wird Yael Naim schon heiß und innig lieben. Steve Jobs entdeckte ihren Song „New Soul“ und machte diesen postwendend zum Titeltrack der aktuellen MacBook Air-Kamapagne. Nein, dies soll hier nicht zu einer Werbeveranstaltung verkommen, aber ohne es zu wissen, dürften eben Millionen von Menschen „New Soul“ gehört haben. Die dazugehörige Single konnte in Frankreich auch Platz fünf der Charts erobern. Das Album erklomm dort ebenfalls höchste Chartsregionen und konnte sich bis auf den sechsten Rang vorschieben. Mittlerweile sind sie auch in den USA auf Yael Naim aufmerksam geworden. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis die ganze Welt im Sturm erobert wird.
Dabei handelt es sich alles andere als um eine Künstlerin und Musik, die am Reißbrett entworfen wurde. Bei Yael Naim scheint alles etwas anders zu sein und dies manifestiert sich auch in ihrer Musik. Die 29jährige wurde in Paris geboren und lebt heute in ihrer Heimatstadt Tel Aviv. Trotzdem pendelt die Gute immer noch zwischen diesen beiden Städten. Ihrem musikalischen Partner David Donatien ist es u.a. zu verdanken, dass das vorliegende Album überhaupt entstanden ist. Der Multi-Instrumentalist übernahm auch gleich die Produktion und die Arrangements. Die Anfangsidee - nur Gesang und Gitarre einzusetzen - wurde im Laufe des ganzen Entstehungsprozesses wieder verworfen und so darf sich der Zuhörer nun in eine Klangwelt aus Drums, Bass, Bläser-Sektionen, Cello und Mellotron verlieren. Die Instrumentierung ist trotzdem minimalistisch und sehr sparsam ausgefallen. Behutsam wurden die dreizehn Songs veredelt.
Wer auf der Scheibe eine Fortsetzung des eher fröhlichen „New Soul“ erwartet, wird eventuell große Augen und Ohren machen. Die eingesetzte Sprache dürfte zumindest in unseren Breitengraden nicht unbedingt alltäglich sein. Einen Großteil der Songs singt Yael Naim nämlich auf Hebräisch, die Sprache ihrer Heimat. Beim träumerischen und wunderschönen Albumopener „Paris“ kommt dann sogar noch französisch hinzu. „Too Long“ ist noch eine Spur melancholischer ausgefallen, ehe das schon bekannte „New Soul“ die Scheibe für einen Moment aufhellt. Danach betritt Yael Naim mit „Levater“ endgültig Singer/Songwriter Gefilde. Auch wenn man als Zuhörer kein einziges Wort versteht, meint man doch zu wissen, wovon Yael Naim hier singt. Die tieftraurige Musik und die Stimme von ihr scheinen den Inhalt förmlich in die Gefühlswelt des Zuhörers zu transportieren. Dies funktioniert auch ohne einen verständlichen Text ganz wunderbar. Im selben Fahrwasser ist auch das schöne „Shelcha“ angesiedelt. Yael Naim scheint die Worte fast nur noch zu hauchen, bevor ein dezentes Piano- und Cellospiel zum Einsatz kommen. Musik, die nicht einfach nur so gehört werden kann, nein, hier bedarf es schon der ganzen Aufmerksamkeit. Es empfiehlt sich ausdrücklich der Einsatz von Kopfhörern. Wer eintauchen möchte in diese wundervollen Klangwelten hat sowieso keine andere Wahl. Belohnt wird man dafür mit einer dicken Gänsehaut. „Lonely“ ist ebenfalls vertonte Melancholie, bevor sie sich bei „Far Far“ wieder eine Spur mehr öffnet und fröhlicher wirkt. „Yashanti“ und „Lachlom“ sind Tagträumereien von Yael Naim, wobei die Stimme bisweilen hier etwas nerven kann. Da weiß das leise und nachdenkliche „7 Baboker“ schon mehr zu gefallen. Die meisten werden „Toxic“ sicher nicht erkennen, obwohl sie den Song kennen. Dies ist tatsächlich genau die Nummer, die Britney Spears auch schon trällern durfte. Wie sich Yael Naim diesen Song zu eigen macht ist schon absolut grandios. Mit „Pachad“ betritt sie zunächst Jazz-Bar Gefilde um dann fast schon einen poppigen Ansatz zu verfolgen. „Endless Song Of Hapiness“ beendet dann ein sehr gutes Debütalbum in Würde und Anstand.
Fazit: Yael Naim & David Donatien ist ein Album geglückt, dass in vielen Punkten zu überraschen weiß, aber weit davon entfernt ist in die Weltmusikkitsch-Schublade sortiert zu werden! Die Melodien sind stimmig und individuell. Hinzu kommt diese wundervolle Stimme und fertig ist ein Kleinod, wie man es heutzutage nur noch selten vorfindet!
Einen schicken Albumplayer gibt es hier: http://www.prelistenings.de/yaelnaim