An Selbstbewusstsein mangelt es den Jungs vom Wu-Tang Clan sicher nicht. Der HipHop lässt heutzutage nach Meinung von Genius/GZA ein wichtiges Hauptelement vermissen und wer könnte dies besser dem Genre zurückgeben als der verrückte Clan? GZA hat jedenfalls keine Zweifel daran. Bei allem Größenwahn haben die Jungs bisher aber auch durch sehr viel Qualität überzeugt, aber braucht die Welt wirklich ein neues Album? Sie braucht - zumindest die HipHop-Welt!
Schon als im Jahre 1992 die Geschichte und der Aufstieg der Gruppe begann, war einiges anders als bei den Kollegen. Der Kopf RZA hatte immer den Anspruch den Clan als die Sperrspitze des HipHop zu etablieren und entwickelte dafür sogar einen 5 Jahresplan. Im Wesentlichen sollte es sich hier um ein Familienunternehmen handeln und so rekrutierte er, GZA und Ol´ Dirty Bastard nur Verwandte und engste Freunde. Aus der heutigen Sicht kam eine Supergruppe dabei raus. Letztlich tummelten sich 9 Mitglieder in der Formation. Neben RZA, GZA, Ol´ Dirty Bastard noch Ghostface Killah, Raekwon, Method Man, Inspectah Deck, U-God und Masta Killa. Der ganze Wahnsinn gipfelt schließlich in einer eigenen Modelinie – Wu Wear. Mit jeder Menge Soloscheiben kosteten die einzelnen Mitglieder den Erfolg und natürlich den Namen weiter aus, allerdings überzeugten die einzelnen Alben nicht immer durch Qualität. Die Schattenseiten des Erfolgs mündeten letztlich im Tod von Ol´ Dirty Bastard, der an einer Überdosis starb. Warum das für das neue Album alles wichtig ist? Mal Hand aufs Herz, wer hat nun wirklich noch mit einem neuen Werk des Wu-Tang Clans gerechnet?
Und plötzlich ist es dann doch da. Die verbliebenen 8 Mitglieder haben sich zusammengerauft und zeigen der Welt, dass sie es immer noch drauf haben. Gearbeitet wurde an der Scheibe in Teilen von Europa, in L.A., New York und Toronto. Das Ergebnis waren 26 Songs, neben RZA noch viele weitere Produzenten und jede Menge Gastmusiker. Entschieden hat man sich dann dafür 16 Tracks auf die Scheibe zu nehmen.
Hört man sich „8 Diagrams“ an, dann wird einem auch noch mal klar, warum die Solosachen qualitätsmäßig gegenüber dem Gesamtclan immer etwas schlechter waren. Das Zusammenspiel von völlig verschiedenen Stilen und Stimmen hält die Geschichte nicht nur am leben, sondern macht sie auch spannend. Was fällt noch auf? „8 Diagrams“ ist eindeutig Wu-Tang Clan, ohne allerdings großartig Zugeständnisse an den Mainstream zu machen. Nein, nicht, dass es die jemals im großen Stil gab, aber Streicher und verschiedentlich Popelemente hielten doch auch schon Einzug in die Arbeit des Clans. Viel davon ist nicht übrig. Die Tracks sind zum Teil sperrig oder auf das Wesentliche reduziert. Ein Höhepunkt ist nach dem Albumopener „Campfire“ mit „Take It Back“ direkt ziemlich zu Beginn zu finden. Ein simpler, aber sehr effektiver Beat, eine nette Melodie und Wörter, die wie aus einem Maschinengewehr abgefeuert klingen zeigen direkt wo der Hammer hängt. Ja, das ist der Wu-Tang Clan, der Maßstäbe setzt. Mit „Get Them Out Ya Way PA“ folgt dann die lässige Seite des Haufens. Das Wort „cool“ scheint wohl extra für die Jungs erfunden worden zu sein. Mit „Rushing Elephants“ hauen sie dann noch direkt einen Track raus, der die Vorliebe für Filmmusik zum tragen bringt.
Das poppigste und zugänglichste Stück der gesamten Scheibe dürfte wohl „The Heart Gently Weeps“ sein. Wer jetzt schon Ähnlichkeiten mit der berühmten George Harrison Nummer vermutet, der liegt goldrichtig. Eine Freigabe zur Sampleverwendung gab es zwar nicht, aber Nachspielen geht ja auch. Der Sohn des Beatle Dhani hat sich auch gleich die Gitarre umgeschnallt und zusammen mit John Frusciante von den Red Hot Chili Peppers seine Finger übers Griffbrett fliegen lassen. Gesangliche Unterstützung gab es beim Refrain von Erykah Badu – eine echte Allstararbeit also. Bei der saugeilen Mariachi-Nummer „Wolves“ greift keine Geringerer wie George Clinton dem Wu-Tang Clan unter die Arme. Allerdings ist auf „8 Diagrams“ auch nicht alles Gold was glänzt, so einen langweiligen und uninspirierenden Kram wie „Sunlight“ oder „Tar Pit“ hätte man sich auch schenken können. Ja und ODB ist auch dabei mit „16th Chamber/O.D.B. Special hat man noch was Altes ausgegraben und erweist dem alten Weggefährten noch mal die Ehre, die er verdient hat. Wer den Clan schon immer mal beim Schachspielen oder Freestylen sehen wollte, der legt bitte die Bonus-DVD ein.
Fazit: Mit „8 Diagrams“ meldet sich der Wu-Tang Clan (ein letztes Mal?) eindrucksvoll zurück. Ob damit die HipHop-Welt erneut aus den Angeln gehoben werden kann, wird sich noch zeigen, aber auch heute noch haben die verbliebenen 8 Mitglieder ihre Berechtigung an der Spitze dieses Genres, daran können auch die Längen der Scheibe nichts ändern!
Pre-Listening
die einzelnen clanmitglieder wirken auf der neuen scheibe nicht so engagiert wie gewohnt. scheint wohl doch eher die vielleicht letzte zwangsvereinigung des wu-tang clans gewesen sein.
nicht desto trots hebt sich “8 diagrams” deutlich vom rest der aktuellen hip-hop veröffentlichungen ab, und zwar positiv.
hätte sicherlich mehr werden können, ich bin trotzdem froh was neues vom clan hören zu können!
Comment by H — December 19, 2007 @ 9:32 am