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Wolfgang Herrndorf: In Plüschgewittern TIPP

(tacheles/Roofmusic)

Autor: DJ / Wertung: 11.5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Wolfgang Herrndorf In Plüschgewittern gelesen von August DiehlInhalt: "In Plüschgewittern" von Wolfgang Herrndorf ist die Geschichte eines Mannes um die 30, der auf dem Weg aus der westdeutschen Provinz in die Szene-Quartiere der Hauptstadt wenig tut, aber viel mitmacht.

Er beobachtet seine Umwelt, kommentiert sie, leidet aber auch an ihr. So einer passt nach Berlin, denn Berlin heißt: Endloses Gerede, viel Durst, vager Durchblick, kein Plan.

Keine Arbeit sowieso, dafür ab und zu Altbau-Parties, bei denen auch schon mal jemand vom Dach fällt. Doch dann widerfährt unserem Helden ein Missgeschick: Er verliebt sich.

Kritik: In Plüschgewittern ist bis dato das beste Hörbuch des Jahres 2008. Definitiv, sonst hätte ich mir nicht anschließend das Buch gekauft und die Geschichte noch einmal gelesen. Und das, obwohl der Erzähler nicht nur ein Anti-Held ist, sondern man als Hörer zwischen Identifikation und Unverständnis schwankt.

Die Geschichte beginnt wie so viele Geschichten: Mit dem Ende einer Beziehung. Und der Reise in die Hauptstadt Berlin, wo der Erzähler abtaucht ins Nachtleben, einen über den Durst trinkt und sich unglücklich in die Frau verliebt, die er anfangs so gar nicht zum verlieben findet. Und dadurch in seine letzte große Krise rutscht.

Das Jetzt wird dabei immer wieder unterbrochen durch Rückblicke in die Vergangenheit: Da gab es Malte Lipschitz, einst in der Kindheit der beste Freund, der schließlich, nachdem sein Vater arbeitslos wird, in immer kleinere Wohnungen zieht und dann ganz aus dem Leben des Erzählers verschwindet.
Oder die erste Liebe Anja Gabler, die während der Schulzeit unerfüllt bleibt, später dann doch noch zur Liebe wird, bis zum WM-Finale Deutschland gegen Argentinien, als Deutschland verliert und auch die Beziehung mit Anja Gabler ihr Ende findet.
Oder Erinnerungen an die kindliche Paranoia, das die Eltern gar nicht die eigenen Eltern sind und auch sonst alles gelogen ist, ein Wahn, der den Erzähler nie mehr los lassen wird.

In Plüschgewittern ist nicht unbedingt ein sympathisches Buch, so wie auch seine Titelfigur nicht unbedingt eine sympathische Figur ist. Wie gesagt, man schwankt zwischen Identifikation und Unverständnis. Schwierig zu lesen und zu vermitteln. Aber dies gelingt August Diehl fantastisch. Er weiß den Weltekel, die Orientierungslosigkeit, die Ambivalenz des Erzählers zu lesen, er weiß dem Charakter Ausdruck zu verleihen. Und braucht dabei weder Musik noch andere Untermalung. Seine Interpretation genügt, um In Plüschgewittern Nachhaltigkeit zu geben. Äußerst empfehlenswert!

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