Es war der Tag der gemischten Gerüche in Wuppertal. Zuerst Schweiß, dann Zwiebeln und anschließend eine Brise Patchouli, getragen von minderjährigen Damen, die ihren Müttern die kaputten Strapse geklaut hatten. Der Sommer hatte Wuppertal erreicht und gab eher Wetter für die Rundgrillpremiere, aber nicht unbedingt für ein neues Theaterstück des Vollplaybacktheaters. Das Quintett legte relativ flott nach Die drei ??? und das Gespensterschloss mit einem weiteren Fragezeichen-Stück nach. Diesmal verulkte man die Episode um den Teufelsberg. Und ging dabei genauso vor wie beim letzten Stück. Die Vorführung startete erneut mit einer eigens entworfenen und vertonten Vorgeschichte um El Diablo, einer Mischung aus Zorro und Robin Hood, der beim Kampf für Gerechtigkeit nicht nur seinen Schwiegervater in Spe, sondern auch seine zukünftige Braut verliert. Seine Flucht in den Teufelsberg täuscht er anschließend nur vor und geht ganz im Stil eines fröhlichen Witwers erst einmal auf Reise in die Weiten dieser Welt. Netter Prolog, der vom Witz aber leider nicht an die ‚geborgten’ Stücke heranreicht. Den Teufelsberg selber, eine Folge, die ich gerne immer mit der Geisterinsel verwechsle, mischte man wie schon beim Gespensterschloss erneut mit einer Parallelhandlung um den Chauffeur Morton, dessen zweite Identität Oberinspektor John Sinclair, Geisterjäger bei Scotland Yard ist. Zum Geburtstag von den drei Detektiven mit einer Kermit-Puppe beschenkt, macht er sich zusammen mit seiner gespaltenen Persönlichkeit und seiner frech babbelnden linken (oder war es die rechte?) Hand auf die Suche nach dem Bösen im Teufelsberg. In einer finalen Sequenz stellt er sich in einem dramatischen Lichtschwertduell schließlich dem dunklen Lord, Darth Vader, hübsch von den Akteuren mit Nebel und Taschenlampen in Szene gesetzt. Die drei Detektive machten sich in ihrer üblichen Art auf - inklusive derber Zoten und obligatorischen Wort- und Situationsinterpretation - den Fall zu klären. Da ließ man schon einmal Gollum über die Bühne tanzen oder die TKKG-Bande wie auf Speed übereinander herfallen. Die Spurensuche der Juniordetektive blieb dabei aber recht blass. Und so war es auch mit dem gesamten Stück. Ebenso gemischt wie das Geruchsinferno im Wuppertaler HBF waren diesmal die Eindrücke der aufgeführten Produktion. Gewinner des Abends waren sicherlich John Sinclair und die Vier von TKKG, etwas an Substanz hatten die drei Fragezeichen verloren. Es machten sich Müdigkeitserscheinungen bemerkbar, viele Witze waren vorhersehbar, glichen früheren Späßen oder waren schlicht schon einmal da gewesen. Das Thema drei Fragezeichen schien ausgereizt, vielleicht noch ein letztes Mal für ein paar Lacher gut, aber nur zu gerne würde man einmal wieder etwas Neues sehen. Das Zwischenspiel mit TKKG war die richtige Richtung. Die Kostüme sind genäht, die Posen schon viel versprechend, der Kalauerfaktor hoch und die Vorlagen zahlreich zum Ausschlachten vorhanden. Dazu noch ein, zwei frische Darsteller, die das Repertoire an Minen und Gesten erweitern, dann sollte man die drei Detektive erst einmal in einen wohlverdienten Urlaub schicken. Nach Europa oder so…
Events
Vollplaybacktheater - die drei ??? und der Teufelsberg, 3.5.2006, Wuppertal, Rex
Autor: DJ / Kommentare: Bisher keine
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