‚Kinderhörspielhörer’ – ein Prädikat, das es an diesem Abend auch als T-Shirt gab. Als T-Shirt für eine Generation, die längst ihre eigenen Kinder an das Medium Hörspiel heranführt, eine Generation, deren Haaransatz zumindest beim männlichen Publikum von Aufführung zu Aufführung zurückweicht; ein Fliehen der Haare vor dem einsetzenden Alter in Richtung ‚Hitchcock’-Style. Zumindest hat man nach über sieben Jahren Vollplaybacktheater das Gefühl, dass das Publikum mit der Gruppe älter wird, die jungen Tupfer diesmal gar nicht vorhanden waren, sondern das Durchschnittsalter deutlich nach hinten weicht. Das Vollplaybacktheater selber hat sich auch ausgedünnt. Keine Verjüngungskur, sondern einfach die kleinste Darstellergruppe, die es bisher bei den Wuppertalern Akteuren gab. Das gerne beschriebene Gesundschrumpfen. Zahlreiche Kollegen hat man damals auf der Insel Makatao gelassen, andere fielen der Lady L. im Leichenhaus zum Opfer, wieder andere strandeten auf dem Planeten Mongo, verliefen sich im Londoner Nebel oder befinden sich als frühere Sektenmitglieder in Therapie. Geblieben sind die Urgesteine Thomas Hartung, David J. Becher, Käpt’n Supaknut und Britta Lemon. Ergänzt wird der Kern durch den erst beim letzten Stück eingestiegenen Sven Blievernicht, der aber schon bei der ‚singenden Schlange’ deutlich machen konnte, dass er eine echte Bereicherung ist. ‚Nicht ganz so toll’, wurde mir nach der Premiere zum Stück Die drei ??? und das Gespensterschloss mitgeteilt. Die Euphorie hielt sich diesmal in Grenzen. Sicherlich wenig überraschend, wenn man noch einmal an den Vorgänger Die drei ??? und die singende Schlange zurückdenkt, ein Stück, das sicherlich das bis dahin Reifste darstellte - und außerdem eine der beliebtesten Folgen aus der Feder von Robert Arthur ist. Die aktuelle Aufführung begann erst einmal mit einer 20minütigen Vorgeschichte zum ‚Gespensterschloss’, ein Hörspiel, was vom Vollplaybacktheater und dem ehemaligen Mitglied Sascha Gutzeit produziert wurde. Innerhalb von 20 Minuten erdichtete man die Vorgeschichte um Stephan Terrill, dem einst gefeierten Darsteller vieler Stummfilme, der nach Einführung des Tonfilms aufgrund eines Sprachfehlers seinen Job verliert. Und sich daraufhin angeblich das Leben nimmt. Die tatsächliche Story um das ‚Gespensterschloss’ dürfte gebildeten Bürgern inzwischen bekannt sein wie das Amen in der Kirche: Die drei Fragezeichen erhalten von Alfred Hitchcock den Auftrag, ein Spukschloss für einen Film zu finden. Dabei entdecken sie Terrill Castle, ein altes, unheimliches Gemäuer, das einst dem Stummfilmdarsteller Stephan Terrill gehörte. Doch irgendwer oder irgendetwas scheint dagegen zu sein, dass die drei Detektive das Gelände erkunden. Die schlichte und auch nicht unbedingt aufregende Geschichte um das Spukschloss wurde von VPT erneut um eine zweite Handlung erweitert, in deren Verlauf sich Chauffeur Morton als Geisterjäger im Dienst von Scotland Yard entpuppt. Dessen Erzfeind, der aus Atlantis stammende Dämon Der schwarze Tod, steckt hinter dem Spuk in Terrill Castle. Während die drei Juniorermittler noch gegen ihre eigene Angst ankämpfen, ermittelt Morton auf eigene Faust und nimmt bewaffnet mit Eisenpflock, Beretta, Silberkreuz und Gummihaaren den Kampf gegen das Böse auf. Mit dabei sind alte Bekannte aus Bild und Ton: u.a. Hui Buh und Freddy Krüger gesellen sich zu Zitaten aus Filmen wie Poltergeist und The Sixth Sense. Nebenbei greift man noch auf Vertrautes zurück: Justus Tanz vor dem Spiegel wurde übernommen aus dem vorletzten Stück Banditen, Bars und Butterbrote, die Führung durch die Höhle (hier das Schloss) wurde adaptiert aus der früheren Vorführung Die drei ??? und das Geheimnis der Särge und dass Justus das Vakuum in Peters Kopf entdeckt, stammt noch aus Die drei ??? und die rätselhaften Bilder. Und dass man John Sinclair gerne in die Stücke aufnimmt,… ein alter Hut. Aber alles Gags, über die man gerne ein zweites und drittes Mal lacht. Dass ‚das Gespensterschloss’ es schwer haben würde nach ‚die singende Schlange’, wurde bereits erwähnt. Erwartungsgemäß fiel das neue Stück etwas schwächer aus, lieferte aber dennoch locker zwei Stunden gute Unterhaltung, die allerdings einige kleine Längen aufwies. Das fällt beim abschließenden Urteil nicht ins Gewicht: Auch beim im Mai startenden Die drei ??? und der Teufelsberg heißt es erneut ‚Auf nach Wuppertal! Rock ‚n’ Roll!’
Events
Vollplaybacktheater - Die drei ??? und das Gespensterschloss, 5.2.2006, Wuppertal, Rex
Autor: DJ / Kommentare: Bisher keine
No Comments »
No comments yet.
RSS feed for comments on this post. TrackBack URI