Die Ur-Väter des Thrash und Black Metal melden sich mit „Hell“ zurück. Nach diversen Wechseln im Bandgefüge ist Gründungsmitglied Cronos das Bindeglied zwischen der Kultkapelle und dem Hier und Jetzt. Der Bassist und Frontschreier ist mittlerweile als Aerobiclehrer tätig! Daran lässt sich schon ablesen, dass die Band zwar Kultstatuts genießt, aber kommerziell nicht ganz so erfolgreich ist, wie die Kollegen von Slayer oder Metallica, auch wenn sie diese nachweislich beeinflusst haben.
Der Druck dürfte sich somit in Grenzen halten, gemacht wird was gefällt. Dies hört man auch ganz klar „Hell“ an. An der einen oder anderen Stelle ist es manchmal zwar etwas zu dick aufgetragen und wenn sich Cronos so richtig auskotzt, ist es kurz davor ins Lächerliche abzudriften. Aber auch nur dann! Ansonsten haut der Dreier hier auf die sprichwörtliche Kacke und brennt ein wahres Feuerwerk ab.
Schon der Albumopener „Straigth To Hell“ macht keine Gefangenen und zeigt deutlich wo Thrash Metal seine Wurzeln hat. Mittels Doublebass wird auch bei „The Power & The Glory“ aus allen Rohren gefeuert. Wer jetzt vermutet, dass Venom monoton und eintönig weitermachen, der darf z.B. bei „Hand Of God“ staunend seine Lauscher aufstellen. Zum Teil ist die Instrumentierung hier sehr spärlich geraten. Für Abwechslung ist also auch gesorgt und Nackensportler dürfen bei „Fall From Grace“ auch ordentlich das Haupthaar schütteln. Der Titeltrack „Hell“ kommt zwar schnell auf den Punkt, ist allerdings nicht sonderlich spannend geraten. Macht aber nichts, denn im folgenden „Evil Perfection“ prügeln sich Venom wieder erstklassig durch den Song. Cronos darf auf der Scheibe nicht nur seine Shouterqualitäten unter Beweis stellen, sondern auch sein Können an den vier Saiten. „Stab U In The Back“ wird nämlich in erster Linie vom Tieftöner dominiert. „Armageddon“, „Kill The Music“ und „Evilution Devilution“ dürfte den Orthopäden wieder volle Wartezimmer bescheren. Erholung für die Nackenmuskeln gibt es eigentlich nicht, auch wenn „Blood Sky“ z.B. im Ansatz auch langsame Passagen zu bieten hat und zum Teil auch an Doom Metal erinnert. „USA For Satan“ schwingt sich anschließend aber noch mal zur Höchstgeschwindigkeit auf, bevor „Dirge/Awakening“ den epischen Schlusspunkt setzt.
Fazit: Da ist er wieder, der gute alte Speed-, Thrash-, Doom-, Death- und Black-Metal – oder einfach auch nur Venom. Die Produktion ist durchaus als fett zu bezeichnen und die drei Bandmitglieder zeigen ihr Können an den Instrumenten, auch wenn gerne behauptet wird, dass Venom technisch schlechte Musiker wären. „Hell“ überzeugt einen abermals vom Gegenteil. Dem Metalgenre wird die Scheibe sicher kein neues Kultalbum bescheren, macht unter dem Strich aber rein gar nix, da das Dingen einfach nur Spaß macht und sich wunderbar durch dreizehn Songs peitscht. Und bevor Venom zu einer Karikatur ihrer selbst werden, kriegen sie immer noch die Kurve. Jawoll, die Scheibe rockt!