header photo

Sound Base

Online Magazin

Venom: Black Metal (Deluxe Edition) Tipp
(Universal)


Autor: schlimm / Wertung: 10 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

VenomUnd schon wieder wird ein weiterer Metal-Klassiker neu aufgelegt und kommt in einer schicken Verpackung erneut in die Läden. Die Rede ist vom Genre-Meilenstein „Black Metal“ von Venom. Im dicken Digipack erfreut das Album sicher wieder alle Fans und solche die es werden wollen. Wer sich auch nur ansatzweise für Metal-Geschichte interessiert, der kommt um dieses Werk nicht herum! Dies ist die Blaupause für so viele Geschichten, die dieses Genre noch hervorbringen sollte! Sei es Bands wie Slayer, Metallica oder gar Panterra. Sie sind alle hier in die Lehre gegangen. Von unzähligen Sparten, die sich danach bildeten, mal ganz abgesehen. Egal ob Death Metal, Deathcore oder eben Black Metal, die Keimzelle ist hier zu finden!

Mal ehrlich, wenn man diese Venom Scheibe schon länger nicht mehr gehört hat, dann mutet dies heute bisweilen regelrecht belustigend an. Virtuosen waren die Drei nun ganz und gar nicht. Produktion? Fehlanzeige! Dazu diese unglaubliche primitive Art und der bewusst böse Gesang entbehren nicht einer gewissen Komik. Venom haben sich selber aber nie allzu wichtig genommen und gerade die ganze Okkultismuskiste auf den Arm genommen. Übrigens hat die Deluxe Edition auch einige Bilder zu bieten, wo einem das Lachen im Halse steckenbleibt – meine lieben Herren, was habt ich euch nur dabei gedacht?! Kult!

Es gibt sicher wesentlich größere Griffbrettwichser als die Gesellen von Venom und trotzdem haben die Herren hier einen Charme an den Tag gelegt, der kaum zu überbieten ist. Zudem setzten sie im Jahre 82 ganz neue Maßstäbe in Sachen Geschwindigkeit. Die Meßlatte lag ab „Black Metal“ für nachfolgende Generationen enorm hoch – für viele auch zu hoch!

Das Album wurde natürlich remastert, was der ganzen Geschichte aber nicht den Charme nimmt, denn allzu viel gab es hier nicht rauszuholen. Die Klassiker bestechen auch heute noch durch unglaublich viel Intensität. „Black Metal“, „Sacrifice“ und „Countess Bathory“ gehören auch heute noch in jede Ruhmeshalle des Metal! Auf der Deluxe Edition sind neben dem eigentlichen Album noch elf Bonustracks enthalten. „Bursting Out“ eröffnet die Riege der Schmankerl und sorgt schon für ordentliche Nackenschmerzen. Anschließend preschen sich Venom bei der Radio One Session durch eine „Black Metal“ Version, die es in sich hat und keine Gefangenen macht. „Nightmare“ ist auch dieser Session entsprungen und fördert einem gewissen Hang für Melodien zu Tage. Trotz aller Verdienste um den Metal waren Venom aber auch immer nahe am Punk dran. „Too Loud For The Crowd“ prescht da in schönster Manier nach vorne und ist mit einer Spielzeit von knapp 2 Minuten auch voll im Soll.

Daneben sind auch noch einige 12“ Versionen enthalten. Ja, so etwas gab es damals noch! „Die Hard“ entpuppt sich einfach mal als perfekter Mitgrölhit, da braucht man gar nicht lange um den heißen Brei reden. „Acid Queen“ eignet sich ebenfalls bestens um die Nackenmuskulatur wieder zu sortieren. Erstaunlich ist immer wieder die unterirdische Produktion. Die 12“ Version von „Bursting Out“ würde eigentlich ordentlich was hergeben, wenn die Nummer nicht von solch unterirdischer Klangqualität wäre. Ein Outtake findet sich mit dem bitterbösen „Hounds Of Hell“ ebenfalls in der Bonussektion wieder. Alles wichtig für das Genre und besonders kultverdächtigt.

Als wäre dies noch nicht genug, liegt auch noch eine DVD dieser schmucken Widerveröffentlichung bei. Enthalten ist das Konzert vom 1. Juni 1984 aus dem Hammersmith Odeon in London. Selbst hier gibt es noch drei Boni in Form der wahnwitzigen Promo-Videos von „Bloodlust“, „Nightmare“ und „Witching Hour“ obendrauf. Das Konzert ist schon eine Schau für sich. Die Zuschauermenge ist aufgepuscht und intoniert schon gleich zu Beginn aus vielen Kehlen den Bandnamen. Sirenen heulen, eine Grabesstimme kündigt die Band an und dann stehen die Helden plötzlich aus dem Nebel entsprungen auf den Brettern und zelebrieren ihre Show. Die Haare fliegen, nackte Haut, Spandexhosen und eine amtliche Rotzbremse spotten jeder Beschreibung und untermauern so ziemlich jedes Klischee. Fäuste werden vor und auf der Bühne gereckt und natürlich wird jede nur erdenkliche Pose eingenommen, die bis zur Perfektion vor dem Spiegel geübt wurde. „Leave Me In Hell“, „Countess Bathory“ (mit meterhohen Flammen) und „Die Hard“ fegen über die Menge hinweg. Hier wurde der Einsatz von Pyrotechnik noch gerne als Show-Gimmick verwendet. Die Schießbude thront natürlich über dem ganzen Geschehen. Man muss es einfach gesehen haben. „7 Gates Of Hell“ fängt fast schon beschaulich an, fackelt dann aber in jeglicher Hinsicht ein wahres Feuerwerk ab. Metal der damaligen Zeit in Reinkultur. Anschließend darf Cronos das obligatorische Basssolo zum Besten geben und zeigen, was er alles kann. Oder sollte man sagen: nicht kann? Wenn eben gar nichts mehr geht, wird sich das Ding eben vor den Kopf gehauen. „Buried Alive“, „Don´t Burn The Witch“ oder „Welcome To Hell“ zeigen eigentlich immer wieder, dass die Herren alles andere als begnadete Virtuosen waren. Mit viel Charme, Humor, standesgemäßem Posing und jeder Menge Rauch und Knalleffekte wissen sie dies aber geschickt zu kaschieren. Zu „Bloodlust“ kommt dann noch der Feuerregen von oben und lässt die Metal-Show mit allem Zipp und Zapp ausklingen.

Das Promo-Video zu „Bloodlust“ entspricht dann fast 1:1 der Livedarbietung. Kultverdächtig! Auch „Nightmare“ ist in Großem und Ganzen ein Performance-Video, wird aber von einer Geschichte eingerahmt. Und wer sagt eigentlich, dass Slash den Zylinder kultiviert hat? Das war Cronos. Den Vogel schießt dann endgültig „Witching Hour“ ab – bitte angucken!

Fazit: Die Deluxe Edition von „Black Metal“ lässt sicherlich keine Wünsche mehr offen und ist von der Aufmachung bis hin zum Inhalt mit allerlei Bonusmaterial ein Fest für alle Venom – und Metalfans. Wer sich nur ansatzweise mit dem Genre auseinandersetzt, der muss sich diese wunderbare Widerveröffentlichung zulegen!

http://www.venomslegions.com

Leave a Reply

Aktuelle Artikel