Inhalt: Als die junge Eva Ringmar ertränkt in ihrer Badewanne gefunden wird, gerät der Ehemann der Toten Jan Miller schnell ins Visier von Kommissar Van Veeteren. Obwohl sich Miller nicht mehr an die Tat erinnern kann, wird er verhaftet und schuldig gesprochen. Doch als er selbst ermordet wird, kommt Van Veeteren einem alten Geheimnis auf die Spur, das den Fall in einem neuen Licht erscheinen lässt.
Ehrlich gesagt konnte ich mich bislang nur mäßig für Schwedenkrimis der Marke Henning Mankell, Hakan Nesser und Co begeistern und den enorm vorherrschenden Hype um deren Bücher kaum nachvollziehen. Zu schwermütig, träge und oftmals zu überkonstruiert erscheinen mir diese Werke und kaum einer der Romane schaffte es mich derart zu fesseln, dass ich beim Lesen über die ersten 50-100 Seiten hinauskam. Was für die Bücher gilt muss ja nicht zwangsläufig auch für eine filmische Umsetzung der Geschichten gelten und so machte ich mich durchaus gespannt und offen an Teil 4 der ARD-Verfilmung von Nesser’s Van Veeteren Fällen „Das grobmaschige Netz“. Und diese Offenheit hat sich durchaus gelohnt, denn das was die Bücher bei mir selten bis gar nicht bewirken, nämlich dass mich der Stoff fesselt und ich auf die Auflösung neugierig bin, das hat zumindest dieser Zweiteiler schon einmal geschafft. Zwar wird auch hier eine gewisse Trägheit und Melancholie filmisch sehr stark betont, aber dafür konnte man für diese Serie einige echte Charaktertypen als Schauspieler gewinnen, die der Reihe eine durchaus interessante und des öfteren auch schwer amüsante Note verleihen. Mehr als einmal kann man sich nämlich ein Schmunzeln kaum verkneifen, wenn Sven Wollter alias Kommissar van Veeteren abwechselnd mit den Verdächtigen oder auch seinen lieben Kollegen verbal Schlitten fährt.
Großes Manko allerdings, zumindest für mein persönliches Kriminalempfinden, bleibt nach wie vor die Tatsache, dass Nesser in seinen Romanen die Lösungen der Fälle so durch und überkonstruiert hat, um im letzten Moment noch einen Überraschungstäter aus dem Hut zaubern kann, für den es vorher wenig bis gar keine Anhaltspunkte gegeben hat. Da bevorzuge ich persönlich schon eher die Variante, in der man ab einem gewissen Part im Film schon eine deutliche Ahnung hat, wer der Täter ist und sich dann noch daran erfreuen kann, sich auszumalen, wie er letzten Endes zur Strecke gebracht wird. Aber das ist wie gesagt persönliche Meinung, andere Krimifans mögen das anders sehen. Was mich allerdings wirklich stark annervt, ist die Amateurhaftigkeit, mit der van Veeteren und sein Team bisweilen zu ermitteln scheinen. Da soll uns beispielsweise glaubhaft vermittelt werden, dass die schwedische Kripo einen Tatort bis ins letzte untersucht hat und dann findet Oberspürnase van Veeteren erst nach zwei weiteren Besuchen alleine in einer leeren Wohnung ein enorm wichtiges Indiz / Beweismittel in einer gewöhnlichen und haushaltsüblichen Schublade. Sorry, das ist arg lachhaft.
Aber egal, als Fazit bleibt zumindest für „Das grobmaschige Netz“, dem vierten Teil der TV-Serie Van Veeteren, für mich folgendes zu sagen. Die filmische Umsetzung kommt für mich wesentlich spannender und fesselnder rüber als die Romane Nesser’s, so dass auch jeder, der ähnlich wie ich mit den Büchern bisher nicht gut klar kam, einen netten, verzwickten Kriminalfall aber durchaus zu schätzen weiß, diese Reihe ruhig einmal in Filmform antesten sollte. Fans des schwedischen Kriminalgenres dagegen dürften mit einem Griff zur DVD eines van Veeteren Falles eh nichts verkehrt machen. 8½ Punkte!
Homepage www.vanveeteren.com