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Underworld: Oblivion With Bells

(Pias/Rough Trade)

Autor: schlimm / Wertung: 8,5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Underworld Oblivion With BellsDie 00er Jahre biegen nun schon mit großen Schritten auf die Zielgerade ein. Und? Was ist dieses Jahrzehnt groß musikalisch passiert? Wird es sich in die musikalischen Geschichtsbücher verewigen? Zumindest was Gitarrenorientierte Musik betrifft können da schon ernste Zweifel aufkommen. Sicher, die ein oder andere herausragende Platte hat es auch wieder gegeben, aber viel wird nicht hängen bleiben. Das elektronische Genre wusste dafür in der ein oder anderen Nische dann doch des Öfteren zu überzeugen. Willkommen im Hier und Jetzt! Underworld machen sich erneut auf dafür den Beweis anzutreten.

Mittlerweile sind die Klangmeister auch schon gut und gerne zwei Jahrzehnte aktiv. Zu Beginn konnten sie allerdings keinen hinter dem Ofen hervorlocken. Die ersten Gehversuche floppten gewaltig. Erst in den 90ern wurde ein größeres Publikum auf sie aufmerksam und selbst die Kritikerschar zeigte sich begeistert. Der kommerzielle Erfolg stellte sich dann auch recht schnell ein. Dies führte den Dreier auch fast an den Rande es kreativen Ruins, erst recht, als DJ Darren Emerson seinen Ausstieg erklärte, angeblich weil man sich nicht über die Verteilung der Einnahmen einigen konnte. Karl Hyde und Rick Smith entschließen sich letztendlich den Markennamen Underworld weiterzuführen. „Oblivion With Bells“ ist nun ein lang erwartetes Lebenszeichen.

Das Album wurde bereits zu Beginn des Jahres eingespielt und fertig gestellt. Laut den Aussagen von Hyde und Smith soll es Pop und Rave miteinander verbinden und die Tradition des Underworld-Sounds der Anfänge fortführen, erweitert um eine Soundpalette, die Underworld-Platten bisher nicht aufzuweisen hatten.

Hört man „Oblivion With Bells“ erstmalig, dann ist davon allerdings nicht viel zu merken. Wenn man nicht eh schon wüsste, dass da eine Underworld-Scheibe im CD-Spieler rotiert, würde man spätestens nach drei Minuten von selber draufkommen. Dies wird die einen freudig stimmen, andere werden vielleicht von Stagnation sprechen und wieder andere wird das Album wie die bisherigen auch, völlig kalt lassen. Taucht man allerdings weiter ein in den Kosmos dieser Platte, dann wird man doch auch in Nuancen wunderschöne Neuerungen hören, man muss sich halt nur Zeit dafür nehmen. Also nicht voreilig von Stillstand sprechen.

Im Grunde ist „Oblivion With Bells“ durchaus progressiv. Sphärische Sounds nehmen den Hörer mit auf eine 58minütige Reise. „Crocodile“ beginnt fanfarenartig wie eine große Ouvertüre, wird aber schnell zum minimalistischen Trance Stück und besticht durch einen kühlen Gesang, der im Refrain fast schon zum Pathos anhebt. Die Keyboardflächen nach knapp vier Minuten dürften selbst älteren Generationen gefallen. Gelungener Albumauftakt, der schon eine große Spannbreite zu bieten hat. Nahtlos geht es dann in „Beautiful Burnout“ über. Der Track knüpft da an und erzeugt mit einer schaurig schönen Atmosphäre eine wohlige Schauer auf der Haut. Elektronische Melancholie – ja so etwas gibt es. Bei „Holding The Moth“ ist der Sprechgesang erstmalig ziemlich nach vorne gemischt und klar und steht eindeutig im Vordergrund. Unterlegt wird die Geschichte mit treibenden Beats. Insgesamt steigert sich der Track von purem Minimalismus zu einem großen Klanggebilde, bei dem auch herkömmliche Instrumente zum Einsatz kommen. „To Heal“ kommt als groß angelegte Soundlandschaft daher, ist insgesamt aber sicher verzichtbar. „Ring Road“ hat man so auch schon des Öfteren gehört und der Gesang ist fast schon ein bisschen nervig. Tanzfreudige und –wütige Zeitgenossen werden hier aber ihren Spaß haben. „Glam Bucket“ ist da schon wesentlich spannender und hat mit seinen überraschenden und forschen Wendungen einiges an Potenzial zu bieten. Underworld wie man sie lieb gewonnen hat. „Boy, Boy, Boy“ beginnt wie „Word Up“ hat danach aber durch den Einsatz von live eingespielten Instrumenten eine sehr große Klangvielfalt zu bieten. Hinzu kommt, dass sich der Track zu immer höheren Sphären steigert. Großartige Nummer, bei der, der Vollständigkeit halber sei drauf hingewiesen, Larry Mullen jr. von U2 beteiligt ist. „Cuddle Bunny Vs Celtic Villages“ ist dagegen die totale Ambivalenz und hat schon Züge von einem Experiment. Hat sicher seine Berechtigung auf einem Underworld Album, überzeugende Akzente setzen allerdings andere Songs. Und da kommen wir schon zum spannenden „Faxed Invitation“, bevor es mit „Good Morning Cockerel“ und einem  Piano/Keyboard-Thema wunderschön weitergeht. „Best Mamgu Ever“ zeigt zum Albumabschluss noch ein weiteres Mal, welche enorme Klangpalette Underworld zu bieten haben. Das Album hört somit ebenso gelungen auf, wie es angefangen hat und entlässt den Hörer mit einem guten Gefühl.

Fazit: Mit „Oblivion With Bells“ haben Underworld das Genre sicher nicht neu erfunden. Sich selber haben sie auch nicht neu erfunden. Wer das erwartet hat, der wird sicher enttäuscht werden und ist irgendwie auch mit falschen Voraussetzungen an das Werk heran gegangen. Underworld machen auf hohem Niveau einfach das, was sie am besten können und verfeinern ihren Gesamtsound hier und da um die ein oder andere Nuance. Damit haben sie sowieso schon mehr als eine Daseinsberechtigung abgeliefert und wenn man sich als Hörer auf die Platte einlassen kann, wird man auch belohnt.

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