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U2: Boy Remastert (Deluxe Version) Tipp
(Universal)


Autor: schlimm / Wertung: 10 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Die grandiose 20TH Anniversary Edition von The Joshua Tree machte den Anfang und nun kommen gleich drei weitere U2 Alben digitally remastered in einem Rutsch auf den Markt. Anders als bei dem Meisterwerk aus dem Jahre 87 gibt es diesmal allerdings kein Box-Set, sondern jeweils als Standard-CD und auf 180 Gr. Vinyl. Natürlich dürfen auch die obligatorischen Deluxe-Versionen nicht fehlen. Jetzt werden vermutlich wieder all´ die guten Hüter des heiligen Musikgrals die große Ausverkaufskeule schwingen und diese Veröffentlichungspolitik verurteilen. Es kommt ja nicht von ungefähr, dass so viele Alben von Meilensteinen der Musikgeschichte oder Künstlern, die das Musikgeschehen nachhaltig mitgeprägt haben, nun in überarbeiteter Form in Klang und inhaltlicher Gestaltung erneut auf den Markt kommen. Natürlich darf damit auch gerne der ein oder andere Taler verdient werden, aber so wird dem Fan und den Neueinsteigern noch mal ein ganz neues Gesamterlebnis eines Albums geboten.

Viele ältere Werke sind gerade im CD-Format von unterirdischer Qualität. Der Klang ist meist alles andere als ein Genuss und auch die Gestaltung der Booklets ist alles andere als optimal. Gerade die frühen U2-Veröffentlichungen haben da einiges an Nachholbedarf. Diesem Umstand wird nun auf eindrucksvolle Art und Weise Rechnung getragen. Das erste Album der späteren Megastars lässt in der Deluxe-Version nun sicherlich kaum noch Wünsche offen!

Die Aufmachung und Gestaltung kann sich in jeglicher Hinsicht sehen lassen. Hier dürften nicht nur Fans vor Freude auf die Knie fallen. Ähnlich wie die Doppel-CD Ausgabe von The Joshua Tree kommt nun auch „Boy“ optisch zu ganz neuen Ehren. Ein dicker Pappschuber schützt und umhüllt die Doppel-CD. Hier ist es allerdings nicht mit einer simplen CD-Hülle getan, sondern im Inneren offenbart sich ein dickes Buch, welches jeweils am Anfang und Ende eine CD bereithält. Neben dem eigentlichen Album und einer Bonus-CD mit vielen Extras kann man sich zusätzlich noch sehr lange mit dem Werk beschäftigen und auf Entdeckungsreise gehen. So ergibt sich endlich wieder mal ein haptisches Gesamterlebnis, welches man aus Vinyl-Zeiten noch kennt. Viele Fotos der Band (zum Teil unveröffentlicht), sei es live oder als Porträt, gibt es hier aus den Anfangstagen zu bewundern. Das Booklet hat darüber hinaus noch jede Menge weiteren Inhalt zu bieten. Selbstverständlich sind die Lyrics enthalten, wie auch ein Vorwort von Paul Morley. Das Bonusmaterial wird von The Edge höchstpersönlich kommentiert und mit einigen Anmerkungen und Wortwitz versehen. Ebenso sind Informationen zu den einzelnen Singles, nebst Cover, abgedruckt und selbst Details, wie die Illustration von Bono, die seinerzeit der „Another Day“ Single beilag, sind hier enthalten. Die optische Aufmachung ist dementsprechend in jeglicher Hinsicht sehr liebevoll umgesetzt worden!

Auch klanglich kann sich „Boy“ nun hören lassen. Das Album wurde von den analogen Masterbändern remastert und kommt nun dementsprechend wesentlich ansprechender und druckvoller zur Geltung. Man darf wohl jetzt mit Fug und Recht behaupten, dass hier das Beste aus dem Material herausgeholt wurde, ohne das eigentliche Klangbild zu zerstören. Auch einzelne Nuancen sind wesentlich besser zu hören und auszumachen.

„Boy“ selber hört man natürlich deutlich an in welcher musikalischen Phase das Album entstanden ist. Der Charme der ausgehenden 70er und jungen 80er ist natürlich an jeder Ecke deutlich zu spüren und zu hören. Das Debütalbum, welches am 20. Oktober 80 erstmals erschien und in den Windmill Lane Studios Dublin aufgenommen und von Steve Lillywhite produziert wurde, ist ein Statement junger, heranwachsender Männer. Die Themen, die hier verarbeitet werden sind Verluste und Ängste. Der berühmt berüchtigte rote Pfaden zieht sich durch das gesamte Werk und zeigt deutlich die Zerrissenheit der jungen Männer, die auf der Schwelle zum Erwachsenwerden stehen. Auch in dieser frühen Bandphase hat sich schon deutlich ein ganz eigener Sound herauskristallisiert und einige Klassiker abgeworfen. „I Will Follow“ bildet da nur die Sperrspitze. Auch „Out Of Control“ oder „Stories For Boys“ darf man durchaus dazuzählen. Mit dem fast schon rohen „The Electric Co.“ haben U2 einen Höhepunkt für das frühe Live-Repertoire geschaffen. Natürlich ist auf der Scheibe noch lange nicht alles perfekt – ein Debütalbum eben! Songs, die zu dem Zeitpunkt schon eine Bank waren, verloren in der Studioversion bisweilen etwas an Biss und Kraft. Trotzdem haben die Tracks einen ganz eigenen Charme und eben schon den einzigartigen U2-Sound zu bieten, der später perfektioniert werden sollte.

Einige feine Schmankerl hält die Bonus-CD mit raren und unveröffentlichten Tracks bereit. Natürlich haben die Beinhart U2-Fans manchen der hier als unreleased Tracks bezeichneten Songs schon irgendwo auf einem Bootleg zu Hause im Regal stehen. Trotzdem werten die vierzehn Songs die Deluxe-Version ungemein auf und zeigen die ersten musikalischen Gehversuche von U2. Zudem bekommt man auch einen guten Einblick in den damaligen Status Quo der Liveband U2. Die Liveaufnahmen von The Marquet London und National Stadium Dublin gehen auch von der Qualität für die damalige Zeit durchaus in Ordnung. Die Single Versionen von „11 O´Clock Tick Tock“, „Out Of Control“ oder „Another Day“ sind klanglich natürlich alles andere als der Weisheit letzter Schluss, runden das Gesamtpaket aber sehr schön ab. Insgesamt eine sehr schöne Zusammenstellung!

Fazit: Wer „Boy“ von U2 bisher noch nicht in seiner Sammlung stehen hat, sollte diese Lücke aber nun schleunigst schließen. Für die Aufmachung dieser liebevoll gestalteten und üppigen Deluxe-Version kann es nur die Höchstwertung geben. Das Debütalbum selber durchweht den Charme der Anfangstage von U2 und macht locker die ein oder andere Kinderkrankheit wieder weg. Die Bonus-CD stellt eine mehr als nette Dreingabe dar, was in der Gesamtsumme unter dem Strich 10 Punkte ergibt!

www.u2.com 

www.pure.de 

www.u2tour.de 

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