Die Vertigo-Tour von U2 wurde ja nun schon genug ausgeschlachtet und ob man von einer Tour direkt mehrere DVDs braucht sei mal dahingestellt. Nun aber kommen U2 mit einem völlig neuen und fast schon verwegenen Konzept daher. Bisher hinkten die vier Iren gegenüber Kollegen immer etwas hinterher, wenn es darum ging die neuen Medien für sich zu nutzen. Diese Lücke wird ja nun nach und nach geschlossen und der Fan darf sich dann auch über altes Material freuen, welches endlich den Weg auf die DVD gefunden hat.
Nun aber setzen U2 Maßstäbe. U2 3D ist der erste digitale 3D-Film mit Live-Konzertaufnahmen. Noch nie wurde für eine einzige Produktion eine solche Menge an 3D-Kameratechnick eingesetzt. Insgesamt wurden mehr als 100 Stunden Material für das Projekt aufgenommen. Das Gefühl eines Konzertes im Stadion wurde auf diese Art und Weise sicherlich noch nie versucht einzufangen. Bei der Produktion wurden ein in die Kamera integriertes Motion-Control-System und Echtzeit-Bildverarbeitung eingesetzt. Da die Band nun schon länger nicht mehr in Südamerika gastiert hatte, war Bono der Meinung, dass eine Aufzeichnung auch nur dort in Frage käme. Da auch noch Aufnahmen ohne Publikum benötigt wurden, stimmte die Band zu, zehn Songs nur für die Kamera zu spielen.
Man könnte sicher seitenlang Fakten über Fakten aufzählen und versuchen den Produktionsprozess wiederzugeben. Entscheidend einzig und alleine ist aber das Endprodukt – in diesem Fall U2 3D. Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen und ist von der technischen Umsetzung momentan das Nonplusultra. Die 3D-Technologie wurde alles in allem allerdings eher sparsam, wenn nicht sogar spartanisch eingesetzt. Wer jetzt Angst hatte, die Band käme einem zu nahe, der wird enttäuscht sein. Nur selten scheint die Band oder die einzelnen Bandmitglieder für den Zuschauer zum Greifen nahe zu sein. Der 3D-Effekt verpufft so etwas, zumal man oftmals immer eine etwas leicht seitliche Perspektive auf einen der vier Jungs hat. In den seltenen Momenten, wo man förmlich Augenkontakt hat und Bono direkt vor einem auftaucht und in die Augen sieht, stellt sich ein gewisser Aha-Effekt ein (so gesehen bei Sunday Bloody Sunday oder With or Without You). Besonders bei The Fly hat man die Technik richtig zum Einsatz gebracht, die hier eingesetzten Effekte überzeugen nicht nur, sondern zeigen, warum 3D für uns noch so einzigartig ist. Der Schnitt und die verwendeten Aufnahmen sind allerdings katastrophal. Ständig hat man das Gefühl, es wird das Falsche gezeigt, Paradebeispiel ist dafür Where The Streets Have No Name. Warum hier die tobende Menge nicht gezeigt wird oder eine Totale, die sich bei dem Song ja nun wirklich mehr als anbietet, erschließt sich dem Zuschauer nicht wirklich. Dass es nicht einen einzigen Blick ins Stadionrund zu sehen gibt ist ja fast schon sträflich. Gerade hier hätte man sich den 3D-Effekt zu nutze machen können. Was für eine Band wie U2 aber ein absolutes Unding ist, dass sie es mal wieder geschafft haben, den Fans den Saft abzudrehen. Dem Zuschauer wird eine ausflippende Menge präsentiert und was hört man? Genau! Nix! Gar Nix! Hallo? Es kann doch nicht sein, dass die tobende Meute nur in ausgewählten Momenten dazugemischt wird.
Natürlich ist der Film nicht schlecht, denn es gibt so auch jede Menge Momente, die auch für den „Ich habe wirklich schon alles gesehen U2-Fan“ neu sein dürften. Die Aufnahmen und Perspektiven von Larry Mullen jr. sind ein absoluter Augenschmaus, da man den Mann so unter Garantie noch nicht gesehen hat. Schon alleine für diese Einblicke lohnt sich ein Kinobesuch. Ebenso bekommt man hier abwechselnd das Gefühl, man steht ganz nahe bei der Band auf der Bühne oder eben mitten im Publikum – ein ganz neues Erlebnis für einen Kinobesuch.
Fazit: Zurück bleibt ein zwiespältiges Gefühl. Zum Teil wirkt U2 3D etwas verschenkt, was die reinen Möglichkeiten betrifft ein Konzert von U2 angemessen wiederzugeben. Auf der anderen Seite hat man die Band so sicherlich noch nicht gesehen und bei einer Kinovorstellung mit lauter enthusiastischen U2-Fans stellt sich vielleicht doch noch das Konzertgefühl ein. Bei der Pressevorführung tendierte dies allerdings gen Null und die ganze Geschichte wirkte etwas blutleer.