Und auch heute heißt es wieder: Liebes Tagebuch, die private Mission der U2-Bekloppten geht weiter.
Nach dem grandiosen Trip zum U2 Konzert in Paris, steht heute nun die nächste Etappe der persönlichen U2-Tour auf dem Plan. Es geht nach Amsterdam. Wie die Vergangenheit schon bewiesen hat, sind gerade die Shows dort immer mit Besonderheiten gespickt. Zum jetzigen Zeitpunkt konnten wir natürlich noch nicht wissen, dass die Reise mal wieder in jeglicher Hinsicht legendär werden würde…
Heute ist auch der Tag aller Tage für meine Frau – ihr erstes Konzert der 360° Tour. Entsprechend aufgeregt ist sie. Der Schlaf in der Nacht war dann wohl eher durchwachsen und momentan ist ihr ganz schlecht vor lauter Aufregung. Bei mir ist von Aufregung jedenfalls nichts zu spüren, eher Vorfreude auf die ganze Horde an Bekloppten, die uns die nächsten beiden Tage über den Weg laufen werden. Unsere kleine Maus ist auch schon ganz aufgeregt, sie freut sich nämlich auf zwei Nächte bei der Oma und das Beste für sie: ihre geliebte Cousin wird auch da sein. Die Mädels sind also nicht mehr für einen klaren Gedanken zu gebrauchen.
Heute holen uns Sandra und der Präsi ab. Ausgemacht war irgendwann zwischen 10.15 und 10.30. Meine Frau hält aber nix mehr in der Wohnung, also raus und vor der Tür warten. Unserer beiden Mitbekloppten sind dann auch pünktlich wie die Uhrmacher – Amsterdam wir kommen! Im Auto ist dann wieder alles gut und wir freuen uns auf die bevorstehenden Ereignisse. Zwischendurch kriegen wir per SMS von Annette schon mitgeteilt, dass sich mal wieder wer berufen gefühlt hat den Wartenden Nummern auf die Hand zu kritzeln, natürlich in der Reihenfolge der Ankunft. Diesen Schwachsinn habe ich noch nie verstanden und werde es dieses Leben auch nicht mehr verstehen. Wie sich noch herausstellen sollte, war das in Amsterdam auch mal wieder völlig unnötig. Na ja, wir sind ja für jeden Spaß zu haben und geben dann einfach mal unsere (nicht vorhandenen) Nummern durch.
In Amsterdam angekommen, machen wir uns erstmal auf die Suche nach unserem Hotel. Nach kurzer Verwirrung haben wir es auch recht schnell gefunden. Das Teil liegt mitten in der Stadt und Parkplätze sind Mangelware oder man investiert für einen Tag mal eben 45 €. Unser Plan sieht eh anders aus, dass der wieder über den Haufen geworfen werden muss, konnten wir ja jetzt noch nicht wissen. Sandra bleibt dann auch erstmal zur Sicherheit im Auto, was ja auch aus heutiger Sicht durchaus Sinn macht, in dieser, sagen wir mal, mit zwielichtigen Gestalten gespickten Umgebung, eine Frau das Auto bewachen zu lassen. Zu dieser sensationellen Idee können wir beiden Herren uns heute noch auf die Schulter klopfen. Zum Glück ist ja alles gut gegangen, obwohl sich unsere tapfere Heldin dann doch lieber im Auto eingeschlossen hat.
Das Einchecken im Hotel verläuft dann auch ohne größere Komplikationen. Wir beziehen noch kurz unsere Zimmer und dann geht es auch schon los in Richtung P&R Parkplatz. Tja, dort angekommen, stellen wir dann leider fest, dass das Ding schon voll ist und die Warteschlange sich anscheinend einmal darum gewickelt hat. Herrje, was nun? Wir suchen gar nicht erst nach Alternativen und fahren direkt zur Arena. Dort am Parkplatz angekommen, können wir mit dem lieben Menschen vor Ort vereinbaren, dass wir unser Auto dort gleich glatt für beide Tage abstellen können und dies noch für recht günstige 12 €. Perfekt!
So, jetzt dann aber wirklich auf in Richtung Arena. Dort angekommen ist schon die Hölle los. Eine stattliche Anzahl von Fans macht es sich bei sonnigem Wetter schon vor den Eingängen gemütlich. Um die Wartezeit zu überstehen, wurde anscheinend alles an Sitzmöglichkeiten mitgenommen, was der Haushalt so hergegeben hat. Vom einfachen Camping- und Anglerstuhl, über aufblasbare Betten bis hin zum Sofa scheint alles dabei zu sein. Hier treffen wir dann auch den Rest unserer Bagage. Anne, Annette, Almut und Dirk halten schon die Stellung. Biggi und Stephan kommen erst später und ein gemeinsames Anstehen ist mit den beiden heute leider nicht möglich. Der Präsi und meine Wenigkeit haben erstmal die geniale Idee ein 24 Std. Ticket am Bahnschalter für die spätere Rückfahrt und morgige Hinfahrt zu organisieren. Es wäre ja auch zu einfach gewesen dafür einfach das Konzertticket zu benutzen, welches durchaus auch seine Gültigkeit gehabt hätte. An genialen Ideen sind wir einfach unschlagbar. Auf der anderen Seite hätten wir sonst allerdings nicht das Erlebnis gehabt, den Ticketverkäufer kennenzulernen. Wie sie den in den Stuhl geschossen haben, ist mir bis heute ein Rätsel. Wahrscheinlich gehört jener einfach als Kleidungsstück dazu. Der Typ war jedenfalls ein Gesamtkunstwerk und das alleine war schon wieder das Eintrittsgeld bzw. den Kauf der Bahntickets wert. Wir schlendern nun zurück zu unseren Mädels und Jungs.



Um kurz vor 17 Uhr kommt die Schlange dann in Bewegung und die Wahnsinnigen stehen auf und rennen los. Der Spruch „Los jetzt, laufen“ bleibt mir dabei in bester Erinnerung. Na ja, egal, ich such mir jetzt erstmal ein Örtchen für die wirklich wichtigen Dinge des Lebens. Einige haben vor lauter Panik zwar schon wieder das Weiße in den Augen stehen, aber wenn der Einlass mit 18 Uhr angegeben ist, wird es auch nicht eine Sekunde vorher starten. Nun denn, sollen alle ruhig schon mal ein bisschen wie die Ölsardinen in der Gegend stehen. Das Sportartikelgeschäft an der Arena hat heute wohl auch den Zulauf seines Lebens – blöd nur, dass wohl die überwiegende Anzahl der Leute die sanitären Einrichtungen aufsucht. Wieder zurück setzt sich die ganze Meute dann doch noch so richtig in Bewegung. Laufend und fallend über sämtliche Einrichtungsgegenstände für den täglichen Bedarf setzt sich die Horde in Gang. Wie war das doch gleich noch mit den vergebenen Nummern auf den Handrücken? Und der Präsi will doch glatt in diesem Tumult noch seine gute Kinderstube wahren und fragen, ob es in Ordnung ist, wenn wir da stehen bleiben. Dabei tobt längst die Schlacht um Mittelerde! So, unsere Gruppe hat es jetzt auch komplett zerschlagen, ich konnte meine Frau und mich zumindest an die linke Seite an das Gitter bugsieren. Hier steht man wenigsten nicht mitten drin, sondern hat Frischluft und kann im Notfall schwupps rausklettern. Tja, nun stehen wir hier so blöd in der Gegend rum. Es wird 18 Uhr und was passiert? Nix! Jetzt haben die hier auch noch Verspätung. Na ja, gibt auch schlimmeres. Irgendwann gehen die Dinger dann auf, Frau ist schon durch, jetzt muss noch mein Rucksack untersucht werden und dann auch noch das Ticket gescannt. Größerer Stress ist aber eh nicht angesagt, stehen ja ziemlich weit vorne und da sollte es kein Problem sein in den FOS-Bereich zu kommen. Wie eigentlich vorher ausgemacht, begeben wir uns dann auch auf die Seite von The Edge. Wo ist denn nun der Rest? Weit und breit keiner zu sehen? Na, immerhin ruft der Präsi an, verlässlich wie immer! Er und Sandra stehen nun auf der Adam Seite. Meine Frau und ich haben ein nettes Plätzchen zwischen Deutschen und Holländern direkt neben der Red Zone gefunden. Gute Sicht auf die Bühne, besser könnte es erstmal nicht sein.
So, jetzt ist Zeit für die wirklich wichtigen Dinge. Stempel geholt und erstmal raus aus der Bude. Dazu darf man dann durch den Graben einmal halb durch die Arena tapern. Hier trifft man natürlich auch wieder jede Menge altbekannter Gesichter. Zeit zum Klönen ist ja immer. Immerhin kommt man danach aufs Feld und somit begebe ich mich jetzt erstmal in den anderen FOS-Bereich und gucke was die Präsidentenfamilie so macht. Der Rest hat es sich innerhalb des Catwalks gemütlich gemacht. Für mich geht es wieder zurück.
Wir bleiben jetzt auf der Edge-Seite. Snow Patrol legen nun los und ich bin erstmal geschockt. Was für ein miserabler Sound! Jungejunge. Der Bass geht gar nicht und ist völlig übersteuert. Dies liegt allerdings eindeutig nicht an der Band, sondern an dieser Dreckshalle und unserem Platz. War anscheinend doch keine so gute Wahl. Ich würde ja gerne mehr über Snow Patrol schreiben, aber den weiteren Verlauf kriegen wir ab jetzt nur aus dem Augenwinkel mit. Da kommen doch glatt so Leutchen aus der Red Zone auf die unglaublich nette Idee sich bei der Security zu beschweren. Grund: Sie haben schließlich die teuren Tickets bezahlt und da kann es ja wohl nicht angehen, dass direkt neben der Red Zone die Leute mit den billigen Innenraumkarten stehen und im Grunde eine identische Sicht haben. Ja Leute, ihr seid wirklich die Größten! Die Security kommt dann auch auf die selten intelligente Idee erstmal alle verscheuchen zu wollen – in den vorderen FOS-Bereich. Stehen ja auch kaum Leute da. Sensationell! Ich gucke mich mal kurz um. Hmm, wir versperren hier keinen Fluchtweg, auch keinen Zugang und ansonsten sieht mir das dann auch wie ein ganz regulärer Ort aus, um sich hier zu postieren. Gut, dann müssen die uns hier schon raustragen. Meine Frau diskutiert dann auch heftig mit den überforderten Jungs. Wir bleiben jedenfalls und es kommen doch glatt immer mehr Leute zurück und bleiben nun ebenfalls hier stehen. Tja, Ende vom Lied und Gesang: Die Security sieht wohl ein, dass es wohl besser wäre einen Tumult zu vermeiden und lässt nun alle wieder wie vorher da stehen. Was für ein Spektakel für NICHTS! Im weiteren Verlauf des Abends haben sich dafür andere zur Aufgabe gemacht, jeden, aber auch wirklich jeden mit angezündeter Zigarette bei der Security zu melden. Ihr seid echt Helden. Was manche Leute auf Konzerten doch für Sorgen haben. Wäre ja auch zu einfach das Konzert einfach zu genießen.



Nun denn, warten auf U2! Ah, da ist ja wieder dieses verdammt geile Intro. Larry Mullen jr. entert wieder als Erster die Bühne und zack kommt auch der Rest der Bagage. „Breathe“ als Opener ist vielleicht nicht die beste Lösung, aber an dieser frühen Stelle tut er auch nicht wirklich weh. Danach geht es mit mit „No Line On The Horizon“ und dem Liveknaller „Get On Your Boots“ weiter. Allerdings fällt schon jetzt auf, dass die Stimmung nicht ansatzweise mit Paris mithalten kann und nach dem genialen Sound dort, bin ich heute doch etwas enttäuscht. Zudem haben wir ständig die blöde Brücke vor der Nase. Es ist zwar toll, wenn The Edge, Adam Clayton oder sogar Larry drei Meter vor einem stehen, aber für die gesamte Show erweisen sich unsere Plätze heute dann doch nicht als die ganz gute Wahl. Trotzdem ist das Set wieder mit kleinen Überraschungen gespickt. Man darf einer sehr interessanten und leicht umarrangierten Version von „Mysterious Ways“ lauschen. Ich freue mich auch sehr über die schöne Version von „Angel Of Harlem“. Heute singt Bono „In A Little While“ wieder mal hervorragend. „Unknown Caller“ ist für mich erneut einer der Höhepunkte des Konzertes und das folgende „Unforgettable Fire“ erneut einfach nur traumhaft schön.
Auffällt, dass heute auf der Bühne auch nicht alles so glatt läuft. Wäre interessant zu wissen, ob The Edge seinen Gitarrentechniker Dallas Schoo nach der Show rund wie einen Buslenker gemacht hat. Der gute Mann an der Axt hat dem armen Dallas doch den einen oder anderen bösen Blick zugeworfen. Der arme Kerl war nachher so verwirrt, dass er sogar einmal die falsche Klampfe gereicht hat. Jeder kann sich ausmalen, was das bedeutet. Dann kam er mit dem Kabel nicht hinterher und man hatte fast schon Angst, dass jetzt gleich die Gitarre quer über die Bühne fliegen könnte – kennt man ja.


Diese rockige Version von „Vertigo“ kommt auch heute wieder richtig gut und darf gerne im Set bleiben. Gänsehaut gibt es erneut bei „MLK“. Danach kommt mit „Walk On“ eigentlich ein Track, der mir ungemein gut gefällt. Heute kann ich mich aber kaum auf die Nummer konzentrieren. Ich bin mehr mit den Maskenträgern auf der Bühne beschäftigt. Zwei haben anscheinend mittendrin keinen Bock mehr und gehen einfach. DIE GEHEN EINFACH. Unglaublich. Slapstick auf einem U2 Konzert. Gut, gibt es mit der Tutu-Rede ja eigentlich schon auch in Perfektion. „One“ ist wieder großartig, der Rest ziemlich solide. Zu „Moment Of Surrender“ begeben wir uns nun noch an die Absperrung und gucken uns den Auslauf der Band an. Licht und Musik an – das war es. Eine solide Show neigt sich dem Ende, mehr aber auch nicht. Die Tutu-Rede war dann heute mehr oder weniger der Höhepunkt, den Blick meiner Frau werde ich so schnell nicht mehr vergessen. Diese Rede bitte unbedingt ANGUCKEN – das Internet bietet da ja vielfältige Möglichkeiten.



So nach und nach finden wir uns alle wieder ein und beschließen erstmal in der Stadt ein Bierchen zu heben. Gut, am Soccers geht natürlich auch noch was. Mist, der arme Präsi hat sich den Rücken verknackst, sieht gar nicht gut aus. Biggi und Stephan sind mittlerweile auch zu uns gestoßen, also kann die Nachshow-Party endgültig steigen. In der Innenstadt angekommen begeben wir uns dann erstmal in den noch einzig geöffneten Pub. Blöd nur, dass die gerade den Außenbereich schließen. Ach egal, Bier schmeckt drinnen auch. Sandra und Präsi sind leider direkt zum Hotel, der arme Kerl braucht dringend sein Bett, morgen steht ja wieder ein anstrengender Tag an. Jetzt ist endlich Zeit, das Erlebte Revue passieren zu lasse. Die arme Anne ist auch nicht ganz so glücklich mit der Show und ihrem Platz im FOS gewesen. Morgen ist ja auch noch ein Tag. Nach ein paar Halben dann die nächste böse Überraschung, die Bude macht gleich ganz dicht. Almut, Annette, Anne und Dirk haben dann auch genug und gehen ins Hotel. Biggi, Anja, Stephan und meine Wenigkeit begeben sich nun noch ins Smokey´s, das hat nämlich noch auf. Einige Bier später, gegen 4 Uhr gibt es nun für mich noch zwei Möglichkeiten: Direkt durchmachen und zum Stadion wanken oder doch noch das Hotelbett testen. Wir entscheiden uns dann für die zweite Möglichkeit, auch wenn das für Stephan ein herber Rückschlag in der Planung ist. Am Hotel angekommen verabschieden wir uns bis zum nächsten Tag – ausgemacht war mit der ganzen Horde ein Frühstück um elf Uhr. Wir gehen auf unser Zimmer, Stephan will jetzt noch irgendwo in der Stadt was Essbares auftreiben. So zieht er mit Biggi also von dannen, da konnte noch keiner von uns ahnen, dass der morgige Tag mal wieder legendär werden würde…Dazu demnächst mehr!
Foto-Credits: Annette Zang, Stephan Daubenbüchel, Torsten Schlimbach
