Die Formation aus Texas dürfte wohl einer der längsten Bandnamen der Rockgeschichte haben. Genauso interessant und eigentümlich wie deren Mitglieder und Musik ist die Geschichte, wie es zur Namensfindung gekommen ist. Im Rahmen ihrer Maya-Forschung und der damit verbundenen Untersuchung alter Schriften sind sie auf den immer wiederkehrenden Satz „… And You Will Know Us By The Trail Of Dead“ gestoßen. Davon schienen die Jungs so fasziniert zu sein, dass sie auf musikalischem Wege darstellen wollten, was die Einheitlichkeit der Kulturen aussagt. Puh, dies dürfte sicher nicht unbedingt die gängige Praxis für eine Bandgründung sein. Aber Trail Of Dead, wie die Band heute zumeist genannt wird, ist ja auch alles andere als der Prototyp von pflegeleichten „Rockstars“. Über ihre Vorliebe, bei Konzerten ihr komplettes Equipment zu zerlegen bis hin zur musikalischen manchmal schwer zu verdauenden Kost reicht die Palette. Krach und zuckersüße Melodien, nichts scheint im Bandkosmos unmöglich. Interviews tragen auch nicht unbedingt zum besseren Verständnis bei. Nein, hier steht die Musik für sich alleine und soll durch den Zuhörer selber erarbeitet werden, Interpretationshilfen sind da nicht von Nöten. Nach dem Meisterwerk „Worlds Apart“ gibt es mit „So Divided“ nun das Nachfolgewerk für die hungrige, stetig wachsende Fangemeinde. Die Erwartungshaltungen sind mit ziemlicher Sicherheit exorbitant hoch, gepaart mit der Angst, dass diese positiv Verrückten vielleicht ein Album vorlegen, zu dem man keinen Zugang findet. Das ist nämlich eine weitere (schöne) Seite der Band, man weiß nie, was einen erwartet. Nun, „So Divided“ dürfte keinen enttäuschen. Eher im Gegenteil, das Album wird wieder den ein oder anderen staunend vor den Boxen niederknien lassen. Was der kleine Silberling auf knapp 52 Minuten an wahnwitzigen Ideen und Klängen vereinigt ist schon aller Ehren wert. Nach dem kurzen Intro „A Song Of Fire And Wine“ geht es mit „Stand In Silence“ sofort in die Vollen. Die Drums treiben und peitschen den Song an, der Bass pumpt, die Gitarren bratzen, nur um im Mittelteil komplett zusammenzufallen und eine wunderschöne und zuckersüße Melodie zu offenbaren. Das geht ja gleich gut los. „Wasted State Of Mind“ präsentiert die komplette Bandbreite der Band und ihr Gespür für dieses einzigartige Zusammenspiel von Instrumenten wie Bongos, Klavier oder Akkordeon. Dazu gibt es einen dieser Refrains, die einen den ganzen Tag nicht mehr loslassen. „Naked Sun“ schält sich danach pumpend und sexy (eine andere Beschreibung gibt es dafür nicht) aus den Boxen. Breitarschrock mit Trompeten versehen, der sich zum Schluss zu einem orchestralen Finale steigert. Woah! „Gold Heart Mountain Top Queen Directory“ offenbart auf knapp 2 Minuten eine ganz andere Stärke. Der Gesang! „So Divided“ knüpft genau dort an und kommt als wunderschöner Popsong um die Ecke, bevor es dann richtig abgeht. Es passiert hier wieder so viel, dass man gar nicht weiß, wo man zuerst hinhören soll, dazu diesen bedrohlichen, morbiden, aber doch schönen Gesang. Ganz großes Kino. „Life“ lässt danach etwas Zeit zum Durchatmen, trotzdem lohnt auch hier näheres Hinhören. Gemeinhin ist es ja oft so, dass Alben die schwächeren Songs am Ende verstecken, nicht so hier. „Eight Days Of Hell“ klingt nun endgültig wie die Beatles wohl heute klingen würden. Tieftraurig geht es dann mit „Witch´s Web“ weiter. Unterstützt wird hier Conrad Keely von Amanda Palmer von den Dresden Dolls. Dazu gibt es einen honigsüßen Backingchor und Streicher. „Segue: Sunken Dreams“ läutet dann zum großen Finale von „Sunken Dreams“ ein, wohlgemerkt ein amtliches und würdiges Finale. Fazit: Ein weiters Mal haben Trail Of Dead ein Meisterwerk geschaffen. „So Divided“ dürfte ein ganz heißer Kandidat für die Platte des Jahres 2006 sein. Liebevolle Detailarbeit, klasse Arrangements, überraschende Wendungen, amtliche Produktion, vielseitige Instrumentierung, glasklarer Gesang, schönster Pop und druckvoller Rock zeichnen dieses Kleinod aus. Besser geht es kaum und dafür hat sich die Band satte 11,5 Sternentaler redlich verdient!
Rezensionen > Musik
Trail Of Dead: So Divided TIPP
(Interscope / Universal)
Autor: schlimm / Wertung: 11.5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine
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