Tommy Finke ist schon ein Fall für sich. Musikalisch hat er anscheinend in einer Spaßpunkband angefangen. Nach und nach kristallisierte sich allerdings heraus, dass er sowieso den Laden alleine schmeißt und da lag es näher, den eigenen Namen auch etwas mehr ins rechte Licht zu rücken. Mit Punk hatte die ganze Kiste dann sowieso nicht mehr viel am Hut, zumindest was den musikalischen Bereich betrifft. Indiepop wurde als Losung ausgegeben. Die Fangemeinde wuchs sowieso stetig und dies weit über die deutschen Grenzen hinaus.
Dabei standen aber nicht nur die Musik im Fokus des Interesses, sondern auch die Texte und da gab es natürlich einige Sprachbarrieren zu überwinden. Tommy Finke präsentiert nun die perfekte Lösung und legt mit seiner neuen Langrille nun ein Novum am deutschen Musikhimmel vor. Er veröffentlicht die Scheibe gleich auf deutscher und englischer Sprache und dies auch noch zusammen in einem Digipack. Somit hat der geneigte Fan und Hörer nun die Qual der Wahl und kann die Scheibe entweder als „Poet Der Affen“ oder „Poet Of The Apes“ genießen. Der Preis ist übrigens jener einer Einzel-CD!
Irgendwie ist dieses Album seltsam. Zunächst hat mich die Kiste doch reichlich kalt gelassen und gepflegtes Desinteresse machte sich breit. Zunächst gefiel auch die englischsprachige Ausgabe wesentlich besser wie die deutsche. Erstaunlich, da die Musik ja nicht anders ist, aber der Gesang und die Sprache geben den einzelnen Tracks dann doch noch einige andere Nuancen mit auf den Weg.
Mittlerweile habe ich meinen Frieden mit „Poet Der Affen/Poet Of The Apes“ gemacht und das Ding gefällt sogar richtig gut. Die Indiepopmischung erinnert mal an Oasis oder hat auch mal Harmonien eines Bob Dylan zu bieten („Die B-Seite Der Single“/“Es Kommt Kein Schiff“). Die Mundharmonika ist natürlich in erster Linie für derartige Assoziationen verantwortlich und lenkt die Songs in eine leichte Folkrichtung – oder doch nicht? Dagegen spricht nämlich die Band im Rücken, die die Stücke dann doch unaufhörlich nach vorne treibt. Aber Rock? Ein Klavier spricht ja nicht dagegen, aber ein Cello ist sicher nicht das erste Instrument, welches man eben im Rockbereich findet. Bei Tommy Finke eben schon. Die Songs entwickeln sowieso ein Ohrwurmpotenzial. „Raus aus der Stadt/Leaving the City“ ist im Grunde recht unspektakulär, aber spätestens beim Refrain hat man das Ding im Ohr. Auf die vielen kleinen sprachlichen Details sollte man genauer achten. „Die Arroganz der Gosse“ ist in dieser Hinsicht ein Kleinod, hinhören lohnt sich. Die Melancholie und Traurigkeit wird musikalisch zudem wunderbar in Szene gesetzt. Der lakonische Gesang tut sein übriges dazu. Die englischsprachige Version scheint da sogar noch eine Spur intensiver nachzuhallen. „They Are A Punk Band After All“ klingt gar ein bisschen nach The Pogues. „A Poorly Written Rhyme“ ist dagegen in der deutschen Version besser und entwickelt auf englischer Sprache eine unfreiwillige Komik. Macht ja nichts, dafür liegen ja zwei Versionen vor und ein jeder hat also die Wahl!
Fazit: Tommy Finke hat mit „Poet Der Affen/Poet Of The Apes“ ein interessantes Konzept auf den Weg gebracht und sein Album gleich zweimal aufgenommen – auf deutscher und englischer Sprache. Teilweise wirken die Songs völlig verschieden, obwohl die musikalische Umsetzung ja nicht anders ist. Ansonsten hat Tommy Finke ein feines Indiepopalbum aufgenommen, welches zwischen Oasis, Selig, Nationalgalerie und einer Prise The Pogues und Bob Dylan anzusiedeln ist. Könnte in Zukunft noch was werden, mit dem Tommy Finke.