Der Dalai Lama hatte geladen und alle sind sie gekommen, um einen Abend und ein Konzert der Kulturen zu zelebrieren. Im Rahmen der zwanzigtägigen USA-Reise des Dalai Lama kamen im September 2003 in der Avery Fisher Hall in New York Tom Waits, Anoushka Shankar, Greg Cohen und der Komponist Philip Glass zusammen und feierten ein musikalisches Treffen von Ost und West. Nun, endlich muss man an dieser Stelle mal schreiben, gibt es den Nachschlag in Form einer Benefiz-CD. Warum das feine Teil nun erst vier Jahre später in den Läden steht ist wohl nicht ganz klar, aber Hauptsache es wird überhaupt veröffentlicht. Selbstredend kommt der Erlös aus den Verkäufen natürlich auch der entsprechenden Organisation „Tibetan Health Initiative“ zugute. Die Organisation Healing Divide wurde übrigens 2001 von Richard Gere ins Leben gerufen.
Die erste Hälfte befasst sich mit eher traditionellen und spirituellen Klängen. Der Kosmos reicht da von Flötensounds der amerikanischen Ureinwohner, westafrikanischen Kora-Klänge bis hin zum feinen Sitarspiel von Anoushka Shankar. Die zweite Hälfte gehört Tom Waits und dem Kronos Quartett. Meister Waits zelebriert hier wieder seine ganz eigene, kleine Messe. Kratzige Stimme und sentimentale Melodien treffen auf schräge und abgefahrene Ideen. Auch hier wühlt er sich wieder durch eine Vielzahl von Möglichkeiten, mit der er seine Musik interpretiert. Grenzen und Berührungsängste scheint es für ihn nicht zu geben. Dargeboten wurden bei jener denkwürdigen Veranstaltung „Way Down In The Hole“, „God´s Away On Business“, „Lost In The Harbor“ und das zentrale Stück „Diamond In Your Mind“ seinerzeit auch für Beinhartfans neu. Eine dicke Gänsehaut macht sich hier breit, wenn Waits das komplette Auditorium den Refrain singen lässt. Ganz großes Kino, schade, dass der Dirigent der Massen sich nicht öfters auf den Konzertbühnen dieser Welt blicken lässt – er wird schmerzlich vermisst.
Fazit: Die CD ist für Tom Waits Fans ein absolutes Muss! Den Meister bekommt man ja nicht allzu oft live präsentiert, dazu noch in Topform. Dazu gesellen sich in der ersten Hälfte noch Klänge, die für die Ohren in der westlichen Welt sicher gewöhnungsbedürftig sind, aber den Hörer unweigerlich in ihren Bann ziehen. Also jedem, der ein offenes Ohr für Musik jenseits konventioneller Hörgewohnheiten hat, sei diese CD wärmstens empfohlen. Dass die ganze Geschichte noch eine löbliche Sache unterstützt ist natürlich umso besser. Übrigens ist die Aufmachung im feinen Schuber und einem Booklet mit vielen Hintergrundinformationen äusserst gelungen.