Im kommenden Jahr darf der Tiger Tom Jones sein fünfzigstes Bühnenjubiläum feiern, denn bereits im Jahre 1963 stand der inzwischen von der englischen Königin zum Sir geadelte Waliser (2006) mit einer Beat-Combo namens Tommy Scott and the Senators als Sänger auf der Bühne. Das sollte ein amtliches Jubiläum werden, zu dem sich der Meister auch gewiss noch etwas besonderes einfallen lassen wird.
Ein leicht geschummeltes Jubiläum versuchen Fans ihrem Idol bereits dieses Jahr anlässlich der Veröffentlichung seines neuen Albums „Spirit in the Room“ anzudichten, eben jenes soll nämlich bereits sein 40stes Studioalbum sein. So ganz stimmt das natürlich nicht, denn tatsächlich ist dies Studioalbum Nummer 27 und auf vorgenanntes Jubiläum kommt man nur, wenn man auch noch sämtliche (nämlich genau 13) Best-Of- und Live-Platten hinzuaddiert.
Aber auch wenn „Spirit in the Room“ kein richtiges Jubiläum ist, so ist die Leistung insgesamt immer noch sehr beachtlich, denn wer kann schon sonst noch von sich behaupten, dass er konstant über fast 50 Jahre im Schnitt mindestens jedes zweite Jahr eine Scheibe rausgehauen hat?!
Musikalisch knüpft Mister Jones im Großen und Ganzen an seinen 2010er Release „Praise & Blame“ an, das heißt er gibt sich fernab seines ehemaligen Womanizer-Images inzwischen eher Gottesfürchtig und präsentiert sich mit insgesamt zehn Songs (in der limitierten Edition mit dreizehn Titeln) stilistisch überwiegend auf einer Gospel-, Blues- und Soulschiene. Interessant ist dabei, dass bis auf „Travelling Shoes“ dieses Mal kein weiterer Song aus seiner Feder vertreten ist. Ansonsten gibt es hier Neuinterpretationen von Songs solch illustrer Größen wie Leonhard Cohen, Paul McCartney, Paul Simon, Tom Waits, Blind Willie Johnson und Co auf die geneigten Ohren. Dabei erweist sich Jones sowohl in der Auswahl der Songs als auch in der Umsetzung derselben in seine ihm eigene Charakteristik als absolut treffsicher und präsentiert so ein spannendes und hörenswertes Album, das nicht nur seinen treuesten Fans gefallen dürfte.
Fazit: „Spirit in the Room“ zeigt einen Tiger, der vielleicht alles in allem ruhiger und gesetzter geworden ist, der aber in seiner Musik gleichzeitig auch immer intensiver und tiefgründiger wird. Hier sollten alle Freunde des Gospel und Blues und nicht nur reine Tom Jones Fans mal ein Ohr riskieren. Ohne Wertung!
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