Wie bringt man seinen Chef zur Raserei und nahe an den Rand des Wahnsinns? Man bespricht einfach „Plan A!“ von Thomas Godoj mehrmals. Nachdem der Kollege Kazich der Erstauflage einiges abgewinnen konnte, kommt nun die Platin Edition von „Plan A!“ erneut auf den Prüfstand und kann ebenso überzeugen. Mittlerweile hat sich das Album seit Erscheinen über 200.000 Mal verkauft. Jetzt, wo das Weihnachtsgeschäft in die Gänge kommt, wird das Debütalbum von Thomas Godoj erneut als Platin Edition im Digipak veröffentlicht. Mittlerweile ist es leider im Musikgeschäft fast an der Tagesordnung, kurze Zeit nach Veröffentlichung eines Album eine überarbeitete Version nachzuschieben. Die Fans werden aufgrund zusätzlicher Kaufanreize sicher erneut zugreifen und so lässt sich doch noch mal schnell ein paar Taler für alle Seiten abgreifen – nur der Kunde ist mal wieder der Blöde.
Auf der anderen Seite wird natürlich keiner zum Kauf per Waffengewalt gezwungen und „Plan A!“ hat in der Platin Edition wirklich sehr viel Mehrwert zu bieten. Die Aufmachung im aufklappbaren und dicken Digipack kann sich schon sehen lassen. Das eigentliche Album wurde natürlich um die obligatorischen Bonustracks angereichert. Dies ist allerdings noch nicht alles und so wurden die beiden Videos zu den Singles „Love Is You“ und „Helden gesucht“ obendrauf gepackt. Dies ist aber immer noch nicht genug, da eine zweite CD beiliegt, die sich letztlich als Unplugged EP entpuppt! Immerhin hat man sich also nicht lumpen lassen und eine ganze Schüppe an Material draufgepackt.
Thomas Godoj ist ja mit einer markanten Stimme gesegnet und letztlich hat ihn diese zum ungefährdeten Sieg der Castingshow DSDS getragen. Da der Gute ja eher aus der Rockecke kommt, durfte man auf ein Album hoffen, welches nicht nur weichgespült klingt. Leider zeigte die furchtbare erste Single „Love Is You“, dass auch ein Thomas Godoj das ganze Spiel mitmachen muss und die Marktmechanismen einfach bedient werden wollen. Übrigens klingt der Track in der Unplugged Version sogar annehmbar. Selbst die Fans von Godoj können mit der Nummer offensichtlich nur wenig anfangen, wie die entsprechende Umfrage auf seiner Homepage zeigt.
Wohin die Richtung in Zukunft gehen könnte, gibt Godoj quasi selber vor – ohne es vielleicht zu wissen. Die stärksten Songs auf der gesamten Scheibe sind nämlich ausgerechnet die deutschsprachigen. Thomas Godoj beweist hier zudem, dass er keinesfalls auf irgendwelche Ghostwriter angewiesen ist, denn die Tracks hat er musikalisch und textlich mitgeschrieben. „Autopilot“ ist sowohl in der rockigen Albumversion, wie auch in der Single-Unplugged Variante sehr stark. Auch der Titletrack „Plan A!“ kann sich hören lassen. Und dass die zweite Single „Helden gesucht“ wesentlich besser ist, wie die erste muss man eigentlich nicht mehr erwähnen. Zum Teil erinnert das Material bisweilen an die guten, alten Helden von Selig. An „Brandnew Start“ hat dann sogar Christian Neander mitgewirkt
Potenzial als eigenständiger Songwriter ist also durchaus vorhanden. Zudem stellt Godoj unter Beweis, dass er genug künstlerische Integrität hat um auch in der Zukunft seinen Platz in der deutschen (wenn nicht gar in der deutschsprachigen) Musiklandschaft zu finden. Und der Rest der Scheibe? Wird immer dominiert von der markanten Stimme. Manches ist zum Teil wirklich etwas schmalzig, eben so wie man es erwartet hat. Aber – und das ist nun wirklich überraschend – der überwiegende Teil klingt erstaunlich reif und abgeklärt und erinnert überhaupt nicht an eine Castingshow. Man sollte auch nicht vergessen, dass es sich hier um ein Debütalbum handelt – nur es klingt nicht so! Die rockige Version von „Let It Be“ war ja schon auf der Erstausgabe des Albums vertreten, mit „Suspicious Minds“ ist nun sogar noch eine weitere Coverversion enthalten. Beide sind sicher anders und Godoj schafft es sogar den Songs seinen Stempel aufzudrücken, allerdings reichen seine Versionen nicht an die Originale heran. Insgesamt gehen aber auch die Bonustracks „I´m Not OK“ und „I Surrender“ völlig in Ordnung.
Dass Godoj mit einer amtlichen Band im Rücken live auch was taugt, zeigen die fünf Unplugged Nummern auf dem zweiten Silberling. Schön, dass mit „Autopilot“ und „Helden gesucht“ sogar zwei Tracks aus seiner Feder dabei sind!
Fazit: „Plan A!“ in der Platin Edition ist von der Aufmachung über das eigentliche Album, die Bonustracks, die Videos und die Unplugged CD eine schöne Geschichte geworden. Soweit sich Thomas Godoj seine Bodenständigkeit beibehält und nicht auf die falschen Pferde - sprich Berater – setzt und es schafft seine Castingvergangenheit abzulegen und die kritischen Stimmen zu überzeugen, hat er ganz sicher gute Chancen auch in Zukunft seinen Platz in der deutschen Musiklandschaft einzunehmen!
Herzlichen Dank für diese Rezension. Ich werde das neue Album am Freitag in den Händen halten dürfen und freue mich schon seit Tagen wie ein Schneekönig darauf
Schon einmal durfte ich Thomas Godoj & Band live erleben. Und es WAR ein Erlebnis. Musik PUR! Ich freue mich auf die Tour und bin ganz sicher, dass sich Thomas Godoj & Band einen sehr guten und langfristigen Platz in der deutschsprachigen Musiklandschaft sichern können. Dafür wünsche ich “den Jungens” alles erdenklich Gute!
Comment by xila — November 19, 2008 @ 4:38 pm
Hier halten sich sachliche Kritik und Lob die Balance. Das ist Journalismus, den man sich wünscht. Herzlichen Dank für diese lesenswerte Rezension.
Comment by Feli2008 — November 19, 2008 @ 8:04 pm
Heute hielt ich die CD in Händen und musste sie gleich mehrmals in Schleife abspielen. Wirklich hörenswert, und ich kann der Rezension hier nur beipflichten. Die unplugged Stücke bringen die außergewöhnliche Stimme von Thomas Godoj sehr gut zur Geltung, genau so wie die gekonnten Interpretationen der Band. Da hört man, dass die Musiker a l l e was drauf haben - das lässt zu Recht eine viel versprechende Zukunft der Band im harten Musikgeschäft vermuten!
Comment by Chris — November 21, 2008 @ 7:09 pm
Wegen meiner kannste das Album noch 50x besprechen, wenn’s dich glücklich macht und du zuviel Zeit hast…das regt Cheffe wirklich nimmer auf
Bussi Katze
Comment by Katze — November 21, 2008 @ 7:53 pm
In diesem Fall war aber nicht der Chefredakteur gemeint, sondern der Chef von ganz, ganz oben ;-). Der hatte sich seinerzeit doch sehr über die Rezension von Katze gewundert ;-).
Comment by schlimm — November 21, 2008 @ 8:21 pm
Freue mich schon über die Besprechung der kommenden Queenberrys Scheibe von Euch. Oder wie heißt noch einmal diese komische neue kommende Popstars Band, wo die furchtbare Leo schon vom Starschnitt grinst?
Comment by DJ — November 25, 2008 @ 9:55 pm
Korrektur: Queensberry!
Comment by DJ — November 25, 2008 @ 9:57 pm