„This Is England“ konnte bisher jede Menge Preise einheimsen u.a. den Award als „Best British Independent Film“ und den Spezialpreis der Jury vom „Festa Internationale Di Roma“. Bei uns ist der Film weitestgehend von der Öffentlichkeit unbemerkt geblieben und nur Insidern ein Begriff. Dies könnte sich nun ändern, denn die DVD-Veröffentlichung dürfte einiges mehr an Aufmerksamkeit erregen.
Für diejenigen, die das Jahr 1983 schon bewusst miterlebt haben wird der Film auch eine kleine Zeitreise sein. Nicht nur in England, auch bei uns konnte man in den Großstädten seinerzeit Mods, New Romantics, Waver, Punks und Skinheads sehen, sie prägten auch hier das Stadtbild. Der Krieg um die kleine Falkland Inselgruppe vor Argentinien und Margaret Thatcher waren ebenso Thema. All dies lässt „This Is England“ nun wieder aufleben und zeichnet ein genaues und authentisches Bild dieser Zeit aus Sicht der Arbeiterklasse nach.
„This Is England“ schildert, wie sich der 12-jährige Shaun einer Gruppe Skinhead anschließt. Von seiner Umwelt wird er nicht richtig ernst genommen und von seinen Mitschülern ständig drangsaliert. Mit seiner Kleidung ist er alles andere als cool und schon alleine dadurch ein Außenseiter. Hinzu kommt die Trauer um seinen Vater, der im Falkland-Krieg gefallen ist. In Shaun brodelt es, da kommt die Clique um den Anführer Woody genau richtig.
Shaun findet hier eine neue Familie und findet Gefallen an der auf jamaikanischen Ska- und Reggae-Kultur beruhenden Skindhead-Szene. Selbstverständlich muss neue Kleidung her, die Haare werden kahl geschoren und die obligatorischen Doc Martens schmücken die Füße. Die Welt von Shaun könnte nicht schöner sein. Das Blatt wendet sich, als ein alter Freund von Woody aus dem Knast kommt. Combo und sein Knastkumpel spalten die Gruppe und bringen einen ganz neuen Zungenschlag rein. Einen rassistischen und nationalistischen, der in einer Art White Power Bewegung mündet. Die Freunde und die Clique werden gesprengt. Woody, der dunkelhäutige Milky und einige andere wenden sich ab, da für sie die Skinhead-Bewegung einen völlig anderen Hintergrund hat, der nichts mit den rassistischen Ansichten von Combo gemein hat. Shaun bleibt und schließt sich Combo an. Der fast tragische, wie auch beklemmende Verlauf ist von nun an vorprogrammiert…
Fazit: „This Is England“ zeichnet eindrucksvoll das Bild einer Szene nach, die sich in mehrere Lager spaltet. Durch die Rolle des dunkelhäutigen Milky wird nebenbei erklärt wo diese Bewegung ihre Wurzeln hatte – ohne dabei mit dem erhobenem Finger zu wedeln. Die schauspielerischen Leistungen sind allesamt auch recht überzeugend, einzig und alleine nervt die Synchronisation etwas, aber dafür gibt es ja auch den Originalton. Insgesamt ist „This Is England“ ein guter, kleiner Independent-Film, der zum Nachdenken anregt!