Eine lesbische Frau und/oder Feministin in der Band und schon wird man mit einem Eimer voll Klischees und Erwartungen überkippt, dessen Ausmaß seinesgleichen sucht. Und the Gossip haben gleich zwei. Vorneweg: Auf dieses Niveau begeben wir uns hier erst gar nicht. Das ist Mist.
Aber fangen wir an mit The Jai-Alai Savant. Erm, ja. Noch nie was von gehört. Und dafür sind sie wirklich gut. Eine Mischung aus Rock und ein bisschen Reggae präsentiert von einer dreiköpfigen Band, in erster Linie ein eloquenter, dem Anschein nach einer Traumschiff-Lounge-Band entflohener Frontmann namens Ralph Darden, der nicht müde wird, seine Deutschkenntnisse zum Besten zu geben.
Der Sympathiebonus nimmt hier fröhlich summend die Gitarre an die Hand und macht nicht wirklich etwas falsch. Wie massentauglich das aber ist wird sich noch zeigen. Schließlich ist der nette Live-Eindruck beim kommenden Album nicht dabei.
Dann kommen eher unauffällig Hannah Blilie, Beth Ditto und Brace Paine auf die Bühne. Besonders Hannah Blilie sieht man das lange touren schon etwas an, das tut der überwältigenden Musik aber keinen Abbruch. Wo das Album schon eine beeindruckende Kraft entwickelte, da fegt mindestens Beth Dittos Stimme den letzten Zweifler weg.
Bei den alten Songs merkt man auch, was man an der Tanzbarkeit von „Standing In the Way of Control“ eigentlich hat. Man möchte das Wort „Show“ gar nicht in den Mund nehmen, denn the Gossip wippen, rocken, tanzen und schreien so sicher und unaufgeregt jedes Geschlechterdiktat ins Hafenbecken, dass es als das Natürlichste erscheint, dass die drei auf der Bühne stehen. Als würden sie das immer machen. Zum niederknien. Es war selten so schade, dass ein Konzert vorbei war.
Events
the Gossip/ Ajuwa Sawwan, 11.07.2006, Offenbach, Hafen2
Autor: Ex-Redakteur / Kommentare: Bisher keine
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