Und auch das Jahr 2008 hat endlich seinen großen Hype aus UK gefunden. Die nächste Sau wird also durch das Dorf getrieben und der Rettung des Rock steht nichts mehr im Wege. Herzlich Willkommen in der Welt von The Ting Tings. Mit „We Started Nothing“ legen Jules de Martino und Katie White nun ihr Debütalbum vor und dürften auf dem Indiesektor für einige Verzückung sorgen. Der große Ballon, der jetzt wieder aufgeblasen wird, ist absolut berechtigt. „We Started Nothing“ hat die Lobeshymnen nämlich absolut verdient.
Natürlich ist die Scheibe nicht von A bis Z eine Offenbarung. Eine Nummer wie „Impacilla Carpisung“ ist schon ein bisschen langweilig und kommt im Grunde nicht über Schulbandniveau hinaus. Gut, böse Zungen werden dies jetzt von der ganzen Platte behaupten. Aber mal ehrlich, schon die ersten beiden Tracks „Great DJ“ und „That’s Not My Name“ lassen einem schon die Kinnlade auf den Tisch klappen. Art Brut treffen auf die Yeah Yeah Yeahs. The Gossip verschmelzen mit Velvet Underground und den Talking Heads. Alles wird veredelt mit einer Prise Franz Ferdinand. Einmal durch den Fleischwolf gedreht ergibt das eben den absolut eigenständigen Sound von The Ting Tings.
Die Entstehungsgeschichte des Albums trägt in großem Maße zu der Unbekümmertheit und der Indieattitüde bei. The Ting Tings existieren gerade mal ein Jahr und die Songs entstanden in kürzester Zeit. Katie konnte mehr schlecht als recht Gitarre spielen und ausnahmslos alle Aufnahmen, die nach einer Stunde nicht klangen wie für das perfekte Pop-Album gemacht, wurden wieder gelöscht. Holla die Waldfee, das ist auch mal eine Herangehensweise. Knackige Refrains treffen hier auf kantige Gitarren. Das minimalistische Schlagzeug trifft auf eine Aneinanderreihung von Loops und fertig ist das Menü für Indiefeinschmecker.
Und mitten in das Chaos gesellt sich dann eine so liebliche Nummer wie „Traffic Light“. Zuckersüß pellt sich der Song aus den Boxen, nur um dann mit „Shut Up And Let Me Go“ den nächsten großen Knaller auf die Menschheit loszulassen. Auf dass sich die Tanzflächen in der Indiedisco füllen mögen. The Ting Tings haben zudem immer eine nette Melodie zu bieten und kaum glaubt man, dass man nun für die nächsten Stunden einen Ohrwurm hat, kommt schon der nächste um die Ecke. „Keep Your Head“ oder „Be The One“ sind da nur weitere Beispiele.
Fazit: „We Started Nothing” wird weder die Rockmusik retten, noch die Welt aus den Angeln heben. Trotzdem wird die Scheibe die eigene kleine Welt bereichern und verschönern. Diese DIY Vorgehensweise hat in dieser Konsequenz schon lange keine Band mehr an den Tag gelegt. The Ting Tings sind für das Jahr 2008 zumindest das nächste große Ding. Ob sie sich auch zukünftig diese Unbekümmertheit beibehalten können, wird die Zeit zeigen. Bis dahin wird uns „We Started Nothing“ ein treuer Begleiter sein.