Bei einer Reunion hat man ja oft ein seltsames Gefühl und es stellt sich dann doch die Frage nach den wirklichen Motiven. Jedenfalls geht es mir so. Bei The Stooges ist das allerdings ganz anders. Hier kann eigentlich getrost davon ausgegangen werden, dass sich die Band nicht aufgrund irgendwelcher finanzieller Anreize wieder zusammengefunden hat oder gar noch mal einen Platz an den Chartsspitzen dieser Welt anstrebt. Nein, den drei Ur-Mitgliedern Ron Asheton, Scott Asheton und Iggy Pop kann durchaus abgenommen werden, dass es ihnen einfach noch mal Spaß macht als The Stooges auf die Kacke zu hauen. Unterstützt werden sie dabei von Mike Watt am Bass und einem alten Bekannten am Saxophon, Steve Mackay.
Kultkapelle, lebende Legenden, Ikonen, Erfinder von Punk and Roll und und und. Auch wenn die Band in der Zeit zwischen 69 und 73 nur drei Alben aufnahm und danach von der Bühne abtrat, ihre Popularität ist immer noch ungebrochen und um den jungen Fannachwuchs war es auch all´ die Jahre immer gut bestellt. Die Entscheidung, The Stooges wieder ins Leben zu rufen, traf Iggy Pop 2003. Er rief die beiden Ashetons an, die übrigens immer noch die gleiche Telefonnummer wie vor 25 Jahren hatten und los ging es. Bei insgesamt vier Songs waren die beiden Brüder schon auf „Skull Ring“ von Iggy zu hören. Danach gab es eine Reunion-Tour und den Wunsch noch mal ein komplettes Album als Band aufzunehmen. Das Ergebnis ist nun „The Weirdness“.
Wer den Stooges oder Iggy solo bisher nix abgewinnen konnte, der wird auch an diesem Teil hier keine Freude haben. Aber das sollte sich auch von selber erklären. Mit einem Kurswechsel hat ja nun nicht wirklich einer gerechnet, oder? Schon die Produktion ist wie gehabt. Ohne viel Schnickschnack, erdig und so ganz anders, als die Mehrheit von dem glatt gebügelten Zeugs, was das draußen so unter dem Banner einer amtlichen Rockproduktion läuft. Auf der anderen Seite könnte man auch fragen, ob hier überhaupt mal einer seine Finger an den Reglern hatte (Ja! Steve Albini!!!). Ist halt alles Retro, vom ersten bis zum letzten Ton. 2007 könnte auch wieder 1969 sein. Roh, rotzig und ungeschliffen feuern die Jungs die neuen Songs ab. Die Gitarre von Ron Asheton jault und heult sich durch die knapp 40 Minuten Spielzeit, Scott Asheton lässt dazu das Schlagzeug scheppern, Mike Watt den Bass pumpen und Iggy Pop bellt dem Zuhörer seine Texte entgegen. Gut, auf die sollte man jetzt nicht weiter achten, denn da ist doch einiges dabei, was so gar nicht geht und auf so manches Reimemonster hätte er besser verzichtet. Aber was soll es? Dabei geht es hier auch gar nicht. Die Attitüde stimmt jedenfalls. Immer schön das Gaspedal bis zum Anschlag durchtreten und rocken! Das hat die Band jedenfalls immer noch perfekt drauf und wenn man dazu noch das fast schon biblische Alter für einen Punk n´ Roller betrachtet ist dies umso erstaunlicher.
Fazit: Eine Platte, die mit Sicherheit die Musikwelt nicht mehr aus den Angeln heben wird. Wären dies nicht die legendären Stooges, dann würde sich auch unter Garantie kaum einer dafür interessieren. Polarisieren dürfte „The Weirdness“ sicher auch. Entweder man findet das Album gut oder grottig, dazwischen scheint nichts zu gehen. Ich für meinen Teil finde das Dingen richtig gut. Ist schon erfrischend mal wieder ein solch rotziges Album mit jeder Menge Ecken und Kanten im Player zu haben. Simpel, aber es rockt gewaltig! No Fun? Im Gegenteil, „The Weirdness“ bereitet mir jedenfalls eine Menge davon!