The Roots haben im HipHop Genre eine absolute Ausnahmenstellung inne. Wie kaum eine andere Band der selben musikalischen Ausrichtung haben sie sich den Ruf einer erstklassigen Liveband erworben. In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben sie pro Jahr ca. 300 Shows pro Jahr gespielt! Das ist eine Hausmarke, an die so manche Rockband nicht mal ansatzweise herankommt. Auch der Sound von The Roots war immer etwas anders als der vergleichbarer Kollegen. Mit Ahmir Thompson ist ja auch ein absolutes Schlagzeuggenie an der klanglichen Umsetzung der musikalischen Visionen beteiligt. Die Musik klang dementsprechend immer erdig und authentisch.
2006 veröffentlichten The Roots mit „Game Theory“ ihre erste Scheibe für Def Jam. „Rising Down“ ist nun der mit viel Spannung erwartete Nachfolger und gleichzeitig auch ein kleines Jubiläum. Das vorliegende Werk ist doch tatsächlich schon das zehnte Album der beiden Masterminds. Und auch auf diesem Silberling sind keine Ermüdungserscheinungen zu erkennen, The Roots sind immer noch eine Klasse für sich.
„Rising Down“ ist wieder ein Album, was auf aktuelle Strömungen im HipHop gänzlich verzichtet. Die Scheibe ist wieder roh und sehr rau geraten und lässt unter Garantie an manchen Stelle den ein oder anderen Zuhörer mit offenem Mund zurück. Nach dem eher verzichtbaren Intro "The Pow Wow " legen The Roots mit „Rising Down“ ganz langsam los. Die schleppenden Synthies kommen in sehr schönem Oldschoolstyle sehr dicht rüber, bevor „Get Busy“ mit einer aggressiven Basslinie und treibenden Raps das Tempo unaufhörlich anzieht. The Roots zeigen hier eindrucksvoll, wie East-Coast HipHop im Jahre 2008 zu klingen hat. Danach gibt es mit „@15“ eine kleine Freestyle-Einlage, bevor mit „75 Bars (Black´s Reconstruction)“ einer der besten Tracks der vergangenen Jahre des HipHop Genres folgt. Eigentlich ist es kaum zu glauben, dass dies der erste Take sein soll – unglaublich! Die Raps lassen einem keine Zeit zum Luft holen und der musikalische Teppich aus einem treibenden Bass- und Schlagzeugspiel setzt Standards. Die Nummer verbreitet eine beeindruckende rohe Live-Atmosphäre.
Entspannt schält sich anschließenden „Criminal“ aus den Boxen, hat aber bei genauerem Hinhören eine Menge interessante Spielereien zu bieten. Textlich wird hier das Leben auf der Straße abgehandelt. Auch The Roots haben Helden und so verbeugen sie sich mit „I Will Not Apologize“ vor der afrikanischen Legende Fela Kuti. „I Can´t Help It“ ist auch wieder so eine Nummer, wo die Liebe im Detail steckt. Die Nummer lebt ein großes Stück vom Backgroundgesang. „Singing Man“ ist danach der erste Track, der etwas abfällt und im Grunde nicht mehr als Standard-Repertoire zu bieten hat. Das kurze Zwischenspiel „Unwritten“ ist im Popgewand sicher gut gemeint, aber nicht sonderlich spannend. Die düstere Atmosphäre und die abermals erdigen und beatlastigen Sounds von „Lost Desire“ überzeugen dafür umso mehr. Mit „The Show“ geben The Roots eine Wasserstandsmeldung ab und erklären im Grunde, warum sie tun, was sie eben tun. „Rising Up“ ist ein fröhlicher und großartiger HipHop-Track mit Anleihen beim Jazz. „Brithday Girl“ fällt anschließend etwas aus dem Rahmen. Der Popsong von The Roots. Unterstützung kriegen sie hier von Fall Out Boys Patrick Stump. Überhaupt gibt es auf dem Album eine ganze Armada an Gaststars. Wie sie die alle unter einen Hut bekommen haben und letztlich ein derart homogenes Album auf die Beine gestellt haben ist schon aller Ehren wert.
Fazit: Mit „Rising Down“ manifestieren The Roots ein weiteres Mal ihre Ausnahmestellung im Hip-Hop Genre und zeigen ein weiteres Mal, dass sie textlich und musikalisch anspruchsvolle und intensive Musik machen, die durch eine ganze besondere Atmosphäre besticht. Ein Album, welches unter Garantie nicht nur für Fans dieser musikalischen Ausrichtung interessant ist, hier wird Musik nämlich auf einem ganz speziellen Level zelebriert und das beherrschen nicht viele – egal aus welcher musikalischen Richtung!
Und hier ein paar Links zum bestaunen: