Das Leben schreibt manchmal Geschichten, wie sie seltsamer nicht sein könnten. Da macht sich eine Band auf in eine fremde, große Stadt um diese im Sturm zu erobern. Da diese Stadt zudem auch noch auf einer fremden Insel liegt, wurde diese gleich mit vereinnahmt. Seltsamerweise bekommt das Heimatland dieser Helden so gut wir nichts von der ganzen Geschichte mit. Da ist er wieder, der Prophet, der im eigenen Land nichts taugt. Die Rede ist übrigens von der Kölner Formation The Rain. Diese Band machte Nägel mit Köpfen. So zog sie anlässlich des englischen Releases von „Involver“ kurzerhand ein Jahr lang nach London. The Rain spielten allein dort mehr als vierzig Gigs, u.a. traten sie im Barfly, Cuckoo Club und der Proud Gallery auf. Dazu tourten sie ausgiebig durch England, Schottland und Wales. Gut, die EP verkaufte sich auch bei uns manierlich und ein fester Fanstamm war auch schnell aufgebaut, aber so richtig auf dem Zettel hat die Band bei uns noch keiner. Dies soll sich nun mit der Veröffentlichung von „Involver“ auch bei uns nachhaltig ändern. Das Zeug dazu hat die Platte allemal.
Das Medien-Echo auf ihre erste Single-Auskopplung („Big Lie") war beachtlich und auch in Deutschland zollte man den Kölnern großen Respekt. Auch die restlichen zehn Songs des Albums können bisweilen richtig überzeugen. Musikalisch bewegt sich die ganze Geschichte im Rahmen eines sehr breiten Spektrums. Grunge, Brit-Rock der 90er, angesagte UK Sounds, amerikanischer Alternative-Rock bis hin zu New Wave Klängen ist alles dabei. Trotzdem klingt das Album wie aus einem Guss und sehr homogen. The Rain schaffen es, die vielen Stile alle unter einen Hut zu bringen und mit einer ganz eigenen Note zu versehen.
Schon der druckvolle Albumeinstieg mit „Everyday“ und „Waste Love“ überzeugt auf ganzer Linie. Die klassische Banddreierbesetzung genügt um einen amtlichen Klangteppich auszubreiten. Lorenz Theuer singt sich, wie bei „It Feels Like“, sprichwörtlich die Seele aus dem Leib. Die Musik von The Rain ist immer dann am stärksten, wenn sie eher die ruhigen und melancholischen Töne, wie bei „Involver“, anschlagen. Eine dicke Gänsepelle kriegt man kostenlos dazu. Musik die Gefühle transportiert und auslöst – mehr geht nicht! Bei den Texten sollte man auch mehr als ein Ohr riskieren. „Weniger Konsum führt zum mehr Genuss“ ist die Devise von „Beer Over Wine“. Eingebettet wird dies in ein musikalisches Korsett, welches auch die ganzen angesagten Bands aus UK nicht besser auf die Reihe kriegen würden. Man muss sich an dieser Stelle noch mal vor Augen halten, dass man es hier mit einer deutschen Formation zu tun hat. So britisch klingen selbst die Wenigsten Bands von der Insel. Mit „No Part Of Me“ findet sich sogar noch der mitreißende Geheimtipp der Scheibe im hinteren Albumteil wieder. Augenzwinkernd biegt „Don´t Hurry“ auf die Zielgerade ein, bevor „What The Hell Are You Doing Here“ im akustischen Gewand den Songreigen beendet.
Fazit: „Involver“ wird die musikalische Welt weder aus den Angeln heben, noch verändern. „Involver“ ist aber eine kleine, feine Fußnote im Musikdschungel und hat eine Menge mitreißender Melodien zu bieten. The Rain lassen den Zuhörer tanzen und träumen gleichermaßen. Mitreißend und authentisch - schönes Album!