The Nightwatchman ist für nicht wenige sicher einer der Helden der alternativen Musik. Seit Beginn der 90er steht er nun schon im Fokus der Öffentlichkeit. Er ist übrigens kein Geringerer wie Tom Morello und mit seinen beiden Bands Rage Against Machine und Audioslave verdiente sich der gute Mann die ein oder anderen Meriten, kam zu Weltruhm und konnte bisher zwei Grammys gewinnen. Mittlerweile hat sich der Gitarrist mit dem unverwechselbaren Stil zu so etwas wie dem guten Gewissen des Rock erhoben. Gott sei Dank möchte man da fast jubilieren, denn der arme Bono kann ja schließlich nicht alleine das ganze Elend der Welt bekämpfen. Schön, dass es auch noch andere aufrechte Kämpfer gegen all´ das Unrecht dieser Welt gibt, oder wie sich Tom Morello selber bezeichnet: „… als den schwarzen Robin Hood der Musik des 21sten Jahrhunderts“.
Als The Nightwatchman ist er nun schon seit Jahren unterwegs, schultert seine Akustikgitarre und spielt(e) bei verschiedenen politischen Veranstaltungen oder in kalifornischen Cafehäusern. Nun veröffentlicht er mit „One Man Revolution“ sein Solo-Debütalbum. Produziert wurde die Scheibe von Brendan O´Brien, der schon für Pearl Jam und Incubus an den Reglern saß. Insgesamt haben es dreizehn Songs auf den Silberling geschafft.
Wer komplett unbedarft an „One Man Revolution“ rangeht und bisher nicht einen einzigen Ton von The Nightwatchman gehört hat, der wird hier eine faustdicke Überraschung erleben. Morello ist ja eher bekannt für die etwas härtere Gangart, doch hier gibt es das genaue Gegenteil. Mit diesem Album bewegt er sich in astreinen Singer/Songwriter Gefilden. Schon der Opener „California´s Dark“ lässt die Kinnlade runterklappen. Ein neuer Song von Nick Cave? Eine neue Tom Waits Nummer? Mark Lanegan etwa? Oder hören wir da gar den Boss persönlich? Hut ab. Morello singt bedächtig, ja flüstert fast und überrascht mit einer Sing- und Erzählstimme, die man ihm so nicht unbedingt zutrauen konnte. Natürlich brodelt in ihm auch noch allerlei Wut, die im folgenden „One Man Revolution“ zum Ausdruck kommt. Mit eindringlichem Gesang zu Akustikfolk prangert er die Ungerechtigkeiten dieser Welt an. Aber schon beim folgenden „Let Freedom Ring“ wird es wieder ruhig und es stellen sich erste Assoziationen zu „The Ghost Of Tom Joad“ von Springsteen ein. Bei „The Road I Must Travel“ überrascht er dann ein weiteres Mal. Die Nummer würde auch The Pogues gut zu Gesicht stehen. Bei „The Garden Of Gethsemane“ trieft aus allen Poren Johnny Cash und beim wütenden „House Gone Up In Flames“ meint man New Model Army hätten einen neuen Track am Start. Auch auf der zweiten Albumhälfte bleibt Morello dem eingeschlagenen Folk/Singer/Songwriter-Stil treu. Dabei durchläuft er mit seiner Stimme viele Facetten von flüsternd bis anklagend, wie bei „Flesh Shapes The Day“. Immer wieder überraschend ist die tiefe und warme Stimme, wie beim Dylan inspirierten Stück „Battle Hymns“. Hier gibt es fast eine eingebaute Gänsehautgarantie. Etwas schneller geht es dann wieder mit „Maximum Firepower“ und „Union Song“ zur Sache. Dazu reichen allerdings Gesang und Akustikgitarre völlig aus. „No One Left“ fällt etwas ab und ist etwas langweilig. „The Dark Clouds Above“ überzeugt dann wieder etwas mehr Dank des Einsatzes eines Schlagzeuges. Mit „Until The End“ klingt dann „One Man Revolution“ aus.
Fazit: So ein Album hätten wohl nicht viele von Tom Morello erwartet. Auch wenn man hier allerlei Referenzen raushört, so hat er es trotzdem geschafft hier jedem einzelnen Track seinen Stempel aufzudrücken und zwar ganz anders, als man es von ihm gewohnt war. Mit seiner Stimme dürfte er ebenfalls für Erstaunen gesorgt haben. Einzig und alleine nerven bisweilen seine Holzhammertexte über Kriegsgebiete, den Irak, die USA, einen schwarzen Jesus und den Widerstand im Underground im allgemeinen etwas. Zudem hätte das Werk insgesamt vielleicht um zwei bis drei Songs kürzer ausfallen dürfen. Trotzdem braucht es sich nicht hinter so mancher Großtat dieses Genres zu verstecken und ist insgesamt eine mehr als runde Geschichte geworden. Bitte mehr davon! Daumen hoch!
Daumen hoch für das klasse Review - und genauso für Tom Morello.
Tolle texte - toller sound.
’nuff said.
Comment by Florian Krebs — April 22, 2007 @ 9:55 pm