Tom Morello war dieser Tage als The Nightwatchman auf Tour und beehrte auch unsere Breitengrade mit seiner Anwesenheit. Gespannt durfte man auf die Reaktionen des Publikums sein, wurde das Album doch nicht unbedingt von der Presse gefeiert und als Chartsstürmer hat es sich auch nicht gerade einen Namen gemacht. Damit tut man dem Werk sicher unrecht, denn auch wenn die Texte oftmals der Methode „Holzhammer“ entsprungen zu sein scheinen, gibt es hier doch auch einiges an Tiefgang zu entdecken und musikalisch zeigt „One Man Revolution“ sowieso eine ganz andere und aufregende Seite von Mr. Morello.
Interessant durfte auf jeden Fall sein, wie sich der Gitarrist so alleine auf der Bühne schlägt. Auf der kleinen Bühne wohlgemerkt! Etwas enttäuschend war zunächst allerdings der Zuschauerzuspruch, war der Prime Club doch alles andere als gut gefüllt. Dies sollte sich allerdings noch als sehr positiv herausstellen, da die Anwesenden offensichtlich alles Fans waren, zumindest waren sie sehr vertraut mit dem Schaffen von Morello.
So ganz alleine wirkt ja so manch anderer Künstler etwas verloren auf der Bühne. Nicht so Tom Morello. Der Mann schaffte es alleine durch seine Anwesenheit und sein Charisma eine unglaubliche Atmosphäre auf die Bretter zu zaubern. Immer wieder hat er das Publikum mit eingebunden und seine Songs alles andere als lieblos vorgetragen. Die Stimmung war dementsprechend nicht nur gut, sondern bombastisch. Während der einzelnen Songs herrschte manchmal andächtige Ruhe oder es wurde geklatscht und mitgesungen. Der Künstler selber hatte daran auch sichtlich seinen Spaß und wenn er einen kleinen Texthänger hatte, halfen zu seiner Freude die Anwesenden bereitwillig aus. Geboten wurde natürlich ein Großteil der Songs seines aktuellen und einzigen Soloalbums. Dazu spielte er das gnadenlos abgefeierte „Guerilla Radio“. Ebenso gab es mit seinem Beitrag zum „Sicko“ Soundtrack und einem bisher unveröffentlichten Song des nächsten Nightwatchman-Albums zwei Schmankerl zu hören. Am Ende von „Let Freedom Ring“ durfte man sich dann noch über ein kurzes Anspielen von „Bulls On Parade“ freuen. Das Gitarrenspiel von Morello war selbstredend ein völlig anderes als man es bisher von ihm live gewohnt war, aber nicht minder interessant und erfrischend. Ebenso trug er seine Songs mit einer Stimme vor, die sicher die ein oder andere Gänsehaut erzeugt haben dürfte. An dieser Stelle bleibt es mir immer noch ein völliges Rätsel, wie manche Kritiker Morello attestierten, dass er nicht singen könne. Aber die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. Seine politische Message kam natürlich auch nicht zu kurz, aber weniger platt, sondern mit feinsinnigen Gedanken. So kam man auch in den Genuss von „This Land Is Your Land“ von Woody Guthrie.
Fazit: Tom Morello machte als The Nightwatchman eine sehr gute Figur. Insgesamt wirkte der Mann sehr wach und aufgeräumt und bot auch solo ein klasse „Show“. Wenn es einen Kritikpunkt gab, dann höchstens die Kürze des Konzertes, aber mehr als 75 Minuten durfte man angesichts eines Albums sicher auch nicht erwarten. Nach eigener Aussage, wird es aber in absehbarer Zeit auch ein weiteres Album als The Nightwatchman geben. Verabschiedet hat er sich übrigens mit den Worten „See You Later This Year“. Etwa mit Rage Against The Machine? Wir werden sehen….
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