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The Mars Volta: The Bedlam In Goliath Tipp

(Universal)

Autor: schlimm / Wertung: 10 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Meine Damen und Herren, es ist wieder soweit! Schnallen Sie sich an, lehnen Sie sich zurück und schließen Sie die Augen. Tauchen Sie ein in eine Welt voller Wahnsinn. Nehmen Sie sich knapp 76 Minuten nichts vor und widmen Sie ihre volle Aufmerksamkeit „The Bedlam in Goliath“. Herzlich Willkommen, wir begrüßen Sie auf einem weiteren Höllenritt von The Mars Volta.

Ein neues Album von The Mars Volta bietet im Vorfeld immer Anlass für Spekulationen. Freude paart sich mit der nackten Angst, ob man die neuesten musikalischen Ergüsse überhaupt verstehen wird. Zwischen Disneyland und Mordor ist bei dieser Band immer alles möglich. Man sollte sich immer auf eine Irrfahrt gefasst machen, die im besten Fall Leben retten kann und in den schlechtesten Momenten körperliche Schmerzen verursacht, Kopfweh ist da dann fast eher die harmloseste Variante. An dieser Band scheiden sich die Geister, von Kritikern, wie auch Hörern entweder abgöttisch geliebt oder gehasst, nur kalt lässt einen die Musik dieser Formation nicht.

The Mars Volta sind Omar Rodriguez Lopez und Cedric Bixler Zavala. Zur Umsetzung ihrer musikalischen Vision bauen sie immer auf einen festen Stamm von helfenden Kräften, diesmal allerdings mit neuem Drummer, dafür wieder und immer noch auf John Frusciante und seine Gitarrenkunst.

„The Bedlam In Goliath“ hat wieder die gesamte Klangpalette zu bieten. Meist wird die Progschublade geöffnet, wenn es um die musikalische Einordnung dieser Band geht. Progressiv ist dies sicherlich, aber der Gemischtwarenladen ist auch auf „The Bedlam In Goliath“ wieder so riesig, dass im Grunde ALLES und NICHTS an Stilen aufgefahren wird: Prog, Calypso, Space, Klassik, Weltmusik, Salsa, Latin, Blues, Heavy, Elektro, Jazz und und und. Was jedoch besonders auffällt, dass man im Grunde an jeden Stil das Wörtchen Rock ranhängen könnte. The Mars Volta haben ganz viele Elemente vom klassischem Rock eingebaut. Dazu gibt es jede Menge Hooks und dann scheint die Band den Groove für sich entdeckt zu haben. Nicht, dass die bisherigen Alben diesen vermissen ließen, in dieser Deutlichkeit ist dies allerdings gänzlich neu. Hier und da kann man jetzt sogar fast von einem Song sprechen, keine Angst, nur fast!

Zeit sich einzuhören gibt es auch nicht, bei „Aberinkula“ ist man direkt mitten im Geschehen und man bekommt schon direkt eine Art Refrain um die Ohren gehauen. Ehe man sich versieht, geht der Song auch direkt in "Metatron" über. Hier gibt es auch den allseits bekannten Rhythmuswechsel, von schnell wird das Tempo auf langsam gedrosselt, bevor es zum Ende hin wieder einen Ausbruch gibt. „Ilyeana“ ist eines dieser Beispiele für den Wahnsinn, der diese Band ausmacht. Verzerrte Stimmen eröffnen diese Nummer, bevor der Song sich in ein wahres Groovemonster verwandelt und regelrecht sexy aus den Boxen quillt. Logisch, dass hier noch ein weiterer Bruch folgt und allerlei Soundeffekte aufgefahren werden. „Wax Simularca“ ist mit einer Spielzeit von unter drei Minuten perfekt für das Radio geeignet und stellt tatsächlich die erste Single aus dem Album. Eine nette, jedoch wenig spektakuläre und konventionelle Rocknummer. Wer sich aufgrund dieses Songs auf diese Band einlässt, wird noch Bauklötze staunen. „Goliath“ ist eine Hammernunmmer, die den guten 70er Rock wieder aufstehen lässt. Die Nummer erinnert mit seinen pumpenden Bassläufen zum Teil an Rage Against The Machine zu besten Zeiten. Der Gesang von Cedric ist absolut überwältigend und die Gitarren mit viel Hall unterlegt. Da auch dieses Stück über sieben Minuten dauert, ist es fast unnötig zu erwähnen, dass hier so viel passiert und auch der ein oder andere Bruch zu verzeichnen ist. Hier sollte eigentlich jeder Rockfan Herzklopfen kriegen. „Tourniquet Man“ ist ein weiteres recht kurzes Stück, welches mit viel Hall und Effekten ausgestattet ist und die Langsamkeit für sich entdeckt hat. Eine fast unheimliche Atmosphäre verbreitet die verzerrte Stimme von Cedric.

Die zweite Seite fetzt mit „Cavalettas“ direkt gut los. Der Gesang erinnert hier und da an Mickey Maus auf Helium. Die Gitarren sind aggressiv, der Bass pumpt und die Drums scheppern, bevor es wieder ein paar Effekte und Spielereien für zwischendurch gibt. Der Song ist im Grunde dreigeteilt und selbst eine Querflöte kommt zum Zuge. „Agadez“ beginnt als fein arrangierte Rocknummer, zieht im weiteren Verlauf das Tempo immer mehr an und mündet in einem Ekstase-Finale. „Askepios“ beginnt ohne rechte Struktur und schleicht sich sphärisch aus den Boxen. Soundlandschaften und Bläser bestimmen das Klangbild, bevor der Bass die Szenerie dominiert. Mit „Ourborous“ folgt anschließend ein weiterer Höhepunkt der Scheibe! Viel Rhythmus und Grooveattacken tragen den Song durch eine großartige Melodie. Mit „Soothsayer“ gibt es anschließend so etwas wie den zentralen Track der Platte zu hören. Das orientalische Stück erzählt von einem „Hexenbrett“ und wenn man der Band und dem beigefügten Waschzettel Glauben schenken darf, hat genau dieses Stück erheblichen Anteil an dem Entstehungsprozess. „Conjugal Burns“ beendet den ganzen Wahnsinn und fährt die gesamte Bandbreite der musikalischen Palette erneut auf. Würdiger und großartiger Abschluss.

Fazit: Wer The Mars Volta bisher nicht mochte, der sollte um „The Bedlam In Goliath“ besser einen ganz großen Bogen machen. Alle anderen werden vielleicht viele neue Facetten im Sound entdecken. Insgesamt klang die Band bisher noch nie so reif und homogen und hat damit ihr ganz persönliches Meisterstück abgeliefert!

www.themarsvolta.de

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