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The Magnetic Fields: Distortion
(Warner)


Autor: schlimm / Wertung: 8,5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Bei The Magnetic Fields muss man immer mit allem rechnen, nur nicht damit, dass sich deren Kunst sofort erschließt. Eine Kritikerlieblingsband freilich, die auch bei Philosophiestudenten offene Türen einlaufen wird. Der Indiepophörer ist dem Sound sowieso seit Jahren verfallen und sei es auch nur, weil hier kein Massenphänomen bedient wird. Band ist auch eigentlich zu viel des Guten, denn alle Fäden laufen bei Stephin Merritt zusammen. Jener Merritt hat verlauten lassen, dass er mehr wie Jesus and Mary Chain klingen möchte als Jesus and Mary Chain selber. Da hat sich der Kopf und Vordenker von The Magnetic Fields ja eine Menge vorgenommen. Das Ergebnis kann man jetzt in Form des neues Album „Distortion“ bewundern.

Das Artwork ist in gewohnter Manier entworfen worden und dementsprechend hässlich. Das Booklet hat  sämtliche Texte auf einem farblich indiskutablen Hintergrund zu bieten. Ebenso erhält man die nötigen Informationen und erfährt so, wer zum Gelingen der Scheibe beigetragen. Mehr braucht es im Grunde allerdings auch nicht und mit dieser ganzen Aufmachung wird natürlich auch wieder eine Art  Ausrufezeichen gesetzt, welches letztlich zur Kunstform von The Magnetic Fields gehört.

Wie bei keinem anderen Künstler sonst, weiß man schon nach den ersten Klängen des Albums, wie die restliche Scheibe klingen wird. Schon „Three-Way“ gibt die Richtung vor – zumindest was den Sound betrifft. Man kann die vielen jubelnden Menschen aufgrund des Klangerlebnisses schon vor dem geistigen Auge vorbeiziehen sehen. Aber mal ehrlich, der Sound ist doch, Verzeihung, Scheiße, oder? Indie hin, Kunst her, aber das hier hört sich doch an wie in einer Blechdose eingespielt, durch den Fleischwolf gedreht und dann durch einen Telefonhörer aufgenommen. Unter dem Strich hat man erstmal einen einzigen, wabernden Soundbrei und die einzelnen Instrumente sind alles andere als klar auszumachen. Selbstverständlich was dies so gewollt, man will es dem Hörer ja auch nicht zu einfach machen.

Dabei machen es einem die großartigen Songs im Grunde sehr einfach und wenn man sich „Distortion“ per Kopfhörer zu Gemüte führt, dann wird plötzlich auch eine Struktur erkennbar und es eröffnen sich viele, viele aufregende Klangerlebnisse. Man muss nur unter die Oberfläche blicken, respektive hören und den ganzen Schmutz freischaufeln, dann offenbaren sich wunderbare und schöne, ähm, Popsongs. Stephin Merritt ist sicher eine Nummer für sich, aber was er hier mit seinen Magnetic Fields aus dem Ärmel schüttelt, ist schon beachtlich. Was sich zu Beginn alles gleichförmig anhört, entpuppt sich nach und nach zu vielen, zum Teil großartigen, Einzelpassagen. „California Girls“ ist z.B. ein ganz formidabler Popsong, der von Shirley Simms zuckersüß vorgetragen wird. Im krassen Gegensatz dazu steht die Stimme von Merritt, die einen dunklen Charme wie bei „Old Fools“ verbreitet. Bei „Mr. Mistletoe“ klingt dies dann sogar wie The Divine Comedy. An vielen anderen Stellen kommt einem oftmals auch Joy Divison in den Sinn. Auch zum Ende der Platte fällt das Songmaterial nicht ab, „Till The Bitter End“ ist einfach großartig oder das wiederum von Shirley Simms vorgetragene „The Nun´s Litany“ – beides sind schlicht und ergreifend Perlen.

Fazit: Wer aufgrund der Klangs nach 2 Durchläufen aufgibt, könnte eventuell eine der ganz großen Indiepopscheiben der letzten Jahre verpassen. Das Songmaterial ist überwältigend gut. Vermutlich hat Stephin Merritt ganz bewusst diese wabernden Sounds gewählt, weil er sich einfach im Klaren darüber war, wie großartig diese Songs sind und er nicht wollte, dass allesamt im Radio gespielt werden. Keine alltägliche Scheibe, daran müssen sich die Ohren, die mit immer wieder dem gleichen Kram zugemüllt werden, auch erst wieder gewöhnen. Großartige Songs!

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