Knapp fünf Jahre nach der Bandgründung kommen The Killers nun schon mit einer Werkschau daher. Es handelt sich hierbei allerdings nicht um die übliche „Best Of“ Zusammenstellung, was nach zwei Alben auch ein wenig vermessen wäre, was es allerdings bei anderen Künstlern auch schon gegeben haben soll, sondern um eine Raritätensammlung oder sollte man dies besser Ansammlung nennen? Logisch, dass die Band diese Scheibe vornehmlich für die Beinhartfans konzipiert hat, wie auch noch mal die letzte Seite des Booklets verdeutlich – This Album Is Dedicated To Our Fans.
Was darf man nun von „Sawdust“ wirklich erwarten? Wer hier den roten Faden sucht, der wird vielleicht nicht fündig werden, denn die B-Seiten und Raritäten der Jahre 2003-2007 können diesen Anspruch logischerweise gar nicht haben. Dafür kann man die Entwicklung der Band sehr schön nachvollziehen und tatsächlich hat die Scheibe keine Ausschussware zu bieten, sondern zum Teil auch recht gute Tracks.
Für den neuen Song „Tranquilize“ holte man sich keinen Geringeren wie Lou Reed ins Boot. Die Nummer entpuppt sich nach jedem Durchgang immer mehr zum zentralen Hammerstück der Scheibe. Da hat Mr. Flowers sehr gute Arbeit geleistet und auch Herr Reed liefert mehr als nur eine lästige Pflichtübung ab. Mit „Shadowplay“ von den Sam´s Town Sessions versucht die Band gar nicht erst musikalische Vorbilder zu verheimlichen und setzt mit der Joy Division Nummer dahingehend direkt ein Ausrufezeichen. Passenderweise folgt mit „All The Pretty Faces“ der selben Session ein eigener Song, der auch in diesem Fahrwasser angesiedelt ist und mit viel Schmiss und Schmackes daherkommt. „Leave The Bourbon On The Shelf“ hat nun gut und gerne fünf Jahre auf dem Buckel und ist ein ganz frühes von Gitarren dominiertes Stück, welches schließlich dieses Jahr vollendet wurde. Der Refrain ist sehr gefällig und bleibt gut im Ohr haften. „Sweet Talk“ ist zwar nicht ganz so alt, wurde aber ebenfalls erst dieses Jahr in Las Vegas beendet. Nette, typische Killers-Popnummer. Von den Hot Fuss Sessions ist „Under The Gun“ liegen geblieben und wurde ebenfalls dieses Jahr in Las Vegas beendet. Der Refrain ist ein weiteres Mal sehr gefällig, aber insgesamt hat der Song zu wenig zu bieten und fand seinerzeit folgerichtig nicht den Weg aufs Album. Für eine Raritätensammlung reicht dies freilich aus. Selbiges gilt auch für „Where The White Boys Dance“. „Show You How“ kommt anschließend mit schön schrägen Gitarren und nettem Pianothema genau richtig und hebt das Niveau wieder merklich an. Auch wenn hier eine schöne Popmelodie zu vernehmen ist, weht hier am ehesten Indiezugluft durch, die sich im anschließenden „Move Away“ zu einem kleinen Orkan vergrößert. „Glamorous Indie Rock“ hört sich zwar an wie von A bis Z zusammengeklaut bzw. gebastelt, aber letztlich hat diese Hymne alles für ein Stadion zu bieten und gewisse Ohrwurmqualitäten sind auch nicht von der Hand zu weisen.
„Who Let You Go“ ist Standard-Killersrepertoire – am unteren Ende der Skala und bei den Shala-Chören wird es dann schon fast unerträglich. „The Ballad of Michael Valentine“ ist leider nur unwesentlich besser. Die live während der BBC Sessions eingespielte Version des Mel Tillis Klassikers „Ruby, Don´t Take Your Love To Town“ kommt danach genau richtig. Dieser eher traditionelle Track und für The Killers eigentlich genrefremd lockert die Geschichte merklich auf, bevor es mit „Daddy´s Eyes“ in bekannter Manier weitergeht. Anschließend folgen mit dem sehr intimen „Sam´s Town“ und dem schönen Dire Straits Hit „Romeo And Juliet“ zwei Nummern der Abbey Road Sessions der Jahre 06 und 07, wobei letzterer zeitweise wie ein Lou Reed Hit vorgetragen wird. Zum guten Schluss gibt es das fast obligatorische „Mr Brightside“ in einer Remix-Version zu hören – wer es braucht.
Fazit: „Sawdust“ kann natürlich ein vollwertiges Album nicht gleichwertig ersetzen. Allerdings dürfte dies auch nicht der Ansatz für die Zusammenstellung sein. Als Zückerchen für die Phase zwischen zwei Alben ist sie aber mehr als gelungen und mit siebzehn Songs ist die Scheibe auch gut gefüllt und hat dabei sehr wenige Tiefpunkte zu bieten. Die guten bis sehr guten Momente sind hier deutlich in der Überzahl und dies ist ja nun schon wesentlich mehr, als man üblicherweise von solchen Zusammenstellungen erwarten darf und kann! Lohnenswerte Anschaffung!