Willkommen meine Damen und Herren! Willkommen auf dem Jahrmarkt der Illusionen! Ja genau! Sie sind gemeint! Kommen sie ruhig näher und lassen sich von Gauklern und Artisten verführen und vergessen sie auch nicht unsere große Zirkusshow zu besuchen! Haben sie bitte keine Angst vor großen Gesten – wir haben es auch nicht! Treten sie ein zu „Losing Touch“ und lassen sich vom glamourösen Klang verzaubern und begrüßen sie mit uns Herrn David Bowie und die Herren von Roxy Music. Und? Sind sie neugierig geworden? Wir würden sie zur Auflockerung dann sehr gerne in unser Partyzelt einladen. Zwischen „Sie liebt den DJ“ und „Ein Stern, der Deinen Namen trägt“ halten wir mit „Human“ genau die richtige Nummer zum warm werden bereit. Bewundern sie zu den Klängen von „Spaceman“ den Aufmarsch der Artisten und auch unsere sexy Tänzerinnen aus Brasilien wollen wir ganz herzlich zu „Joy Ride“ willkommen heißen. Ruhen sie sich anschließend etwas aus und genießen sie zu „A Dustland Fairytale“ einen Blick in unser angrenzendes Stadion bei Feuerzeugatmosphäre. So viele Eindrücke machen natürlich hungrig, hierzu sei die Zuckerwatte „This Is Your Life“ empfohlen. Frisch gestärkt geht es dann tänzerisch mit „I Can´t Stay“ weiter, bevor bei „New Tiger“ endlich die wilden Tiere einmarschieren. Keine Angst, die wollen nur spielen und hier scheint sowieso nichts zu sein, wie es auf den ersten Blick aussieht. Die Welt der Illusionen und Gaukler ist eben sehr vielfältig! Genießen sie ein letztes Mal die zuckersüßen Klänge bei „The World We Live In“ und einen letztmaligen Aufmarsch aller Artisten. Jetzt ist es aber nun wirklich dunkel und zu eben solchen Klängen begleiten wir sie mit „Goodnight, Travel Well“ gerne nach Hause. Kommen sie bald wieder, wenn es wieder heißt: Vorhang auf für eine neue Show der Illusionen von The Killers!
Das dritte Studioalbum „Day & Age“ von The Killers ist definitiv anders. Viele wird es verschrecken, manche ratlos machen und wieder andere werden es lieben. Es wird ja immer eine Weiterentwicklung von Künstlern gefordert. The Killers haben dies mit jedem ihrer Alben geschafft. Inwieweit sich allerdings der eingeschlagene Weg als richtig erweisen wird, ist noch überhaupt nicht absehbar. Ein Vorbote für das Album war ja schon die fürchterliche Single „Human“. Man stelle sich die Musik mit einem deutschen Text vor und schon hat man die beste Partymusik für die nächste Mallorcaparty – obwohl, dieser Disco-Pop braucht gar keinen deutschen Text. Auf der anderen Seite machen The Killers natürlich wieder einen auf Glam, haben sie ja auch noch nie einen Hehl draus gemacht. „Losing Touch“ kann jedenfalls seine Herkunft nicht verleugnen. Mit den New Wave Klängen vom Debütalbum hat dies alles nur noch wenig zu tun, „Spaceman“ kommt vielleicht noch in die Nähe. Trotzdem kann man nicht leugnen, dass die Funkklänge von „Joy Ride“ richtig Spaß machen und selbst den größten Tanzmuffel von der Couch holen dürften. So Kram wie „A Dustland Fairytale“ ist fast schon unverschämt auf die großen Stadien angelegt. Jetzt noch Herrn Mercury ans Mikro und der Bombast kippt vorne über. Eins ist die Scheibe allerdings fast immer – zuckersüß. Man muss eben aufpassen, dass man kein Karies davon bekommt. Den düstersten Track ihrer gesamten Karriere gibt es wiederum auch hier zu hören. Dunkler als auf „Goodnight, Travel Well“ haben The Killers vermutlich noch nie geklungen.
Was bleibt von der Platte? Nach endlosen Durchläufen muss man der Scheibe schon bescheinigen, dass sie irgendwas hat. Man ist angewidert und fasziniert zugleich. Vieles entpuppt sich als riesengroße Zuckerwatte. Dies hat natürlich auch zur Folge, dass einiges kleben bleibt, ob gewollt oder nicht. Und die Killers wären ja nicht die Killers, wenn sie nicht diese unwiderstehlichen Momente kreieren würden, die sie eben so erfolgreich machen. Trotzdem beschleicht – zumindest mich – das Gefühl, dass The Killers hier, ähnlich wie Coldplay mit ihrem aktuellen Werk auch, auf ganz große Kunst machen woll(t)en und letztlich daran scheitern. Und wenn man hört, wie sich Brandon Flowers an seinem eigenen Gewäsch berauscht, wirkt das alles schon wieder eher unsympathisch. „Day & Age“ hat unbestritten tolle Momente, wie das Werk in der Zukunft einzuordnen ist, muss sich noch zeigen. Trotzdem kann man sich der Atmosphäre kaum entziehen und selbst wenn diese sich nur als große Luftblase entpuppt…Auf der Skala der großen Illusionen gibt das volle zwölf Punkte, im wahren Leben sind zumindest hier nur vorsichtige sieben drin.
“Zwischen „Sie liebt den DJ“ und „Ein Stern, der Deinen Namen trägt“ halten wir mit „Human“ genau die richtige Nummer zum warm werden bereit.”
LOOOOOOL! Passt.
Comment by mic — November 21, 2008 @ 2:31 pm