Tja, irgendwie ist es schon schade! Nun sind auch The Beautiful South endgültig Geschichte und haben sich aufgelöst. Wie es bei der Band so üblich ist, Verzeihung, war, wurden als Gründe „musikalische Ähnlichkeiten“ mit einem Augenzwinkern angegeben. In der Summe macht das dann fast 20 Jahre im Musikgeschäft, unzählig verkaufte Platten und viele Positionen an der Chartspitze. Gerade im vereinigten Königreich dürfte so ziemlich jeder Haushalt mindestens eine Scheibe von The Beautiful South im Schrank stehen haben.
Und wenn nicht von The Beautiful South, dann aber doch ganz sicher von The Housemartins. Aus den Trümmern der Housemartins entstand die Band ja schließlich erst. Auch wenn die Formation letztlich nur zwei Platten veröffentlichte, gab es in der zweiten Hälfte der 80er fast keine britische Mod-Band, die mehr begeisterte. Musikalische Differenzen ließen dann leider die einzelnen Bandmitglieder getrennte Wege gehen. Neben The Beautiful South ergab sich noch eine weiteres sehr erfolgreiches Unterfangen. Norman Cook wurde als Fatboy Slim in den 90ern weltweit gefeiert.
Mit „Soup – The Best Of“, der Titel verrät es schon, gibt es nun die Essenz der Housemartins und von The Beautiful South. Insgesamt umfasst die Scheibe satte 22 Tracks. Sieben davon stammen von den Sangeskünstlern der Housemartins. Diese Zusammenstellung verdeutlicht mit einem dicken, dicken Ausrufezeichen die Hitdichte. Davon können andere Bands nur träumen.
Schon die ersten Tracks „Flag Day“, „Happy Hour“ und „Think For A Minute“ stellen dies eindrucksvoll unter Beweis. Die Housemartins Interpretation von „Caravan Of Love“ dürfte so ziemlich jeder kennen, der in den 80ern jemals eine Schulparty besucht hat. Auch „Five Get Over Excited“, „Me And The Farmer“ und „Build“ waren treue Begleiter durch die Schulzeit und deren Feten (ja, so nannte man dies damals). Heaton und Cullimore hatten einfach ein Händchen für allerfeinste Popmusik, die man auch heute noch wunderbar hören kann. Ist für dieses Jahrzehnt in der Nachbetrachtung ja nicht üblich, dass man Musik daraus tatsächlich als zeitlos bezeichnen kann.
Bei The Beautiful South fand Heaton in David Rotheray einen weiteren kongenialen Songschreiber-Partner. Gibt es eigentlich irgendeinen musikhörenden Menschen der westlichen Rockmusik, der „Song For Whoever“ nicht kennt? Kann eigentlich nicht sein, da dieser Überhit auch heute noch ständig im Radio läuft. Mit diesem Track gaben The Beautiful South quasi ihren Einstand. Das Ding hat übrigens nun schon 20 Jahre auf dem Buckel. Feine und zum Teil feinsinnige Popmusik schließt sich dem Schlag auf Schlag an. „You Keep It All In“, „I´ll Sail This Ship Alone“, „A Little Time“, „Old Red Eyes Is Back“ – über die Jahre alles treue Begleiter geworden. Und wenn nicht auf LP oder CD in der heimischen Sammlung, dann zumindest im Radio. Irgendwo auf der Welt wird immer ein Song von The Beautiful South laufen. Böse Zungen sprechen vielleicht von seichtem englischen Rock. Trotzdem sind die Tracks durch die Hintertür einfach nette Melodien, mit bitterbösen Texten, die einem den Tag versüßen. In gewissen Dosen sicherlich sogar verschönern. Die Rockschiene wurde und wird aber auch bedient. Für The Beautiful South Verhältnisse ist 36D im Refrain schon ein amtlicher Rocker. Wer bei „Good As Gold (Stupid As Mud)“ keine gute Laune bekommt, dem wurde vermutlich die Sonne aus dem Herzen geklaut. Auch balladeske Nummern wie „One Last Love Song“ sind sehr schöne, getragene Momente, die nie peinlich wirken und den großen Kitschfaktor einfach außen vor lassen.
Fazit: Diese „Soup“ mundet ganz vorzüglich. The Housemartins und The Beautiful South haben ein untrennbares Schicksal, da war es nur konsequent, dass eine gemeinsame Best Of Zusammenstellung erscheint. Wer die beiden Bands erst jetzt für sich entdeckt, bekommt hiermit das perfekte Einsteigeralbum geliefert. Alle anderen dürfen noch mal in Erinnerungen schwelgen und staunen, was die beiden Formationen alles an Hits aus den Ärmeln geschüttelt haben!