Spätestens jetzt merkt auch der letzte Nostalgiker, dass die 90er nun dann doch schon länger vorbei sind. Das Jahrzehnt war geprägt von einer derart großen musikalischen Bandbreite, dass der heutige alternative Rock dagegen recht erbärmlich aussieht. Was waren das noch für Zeiten, wo Gluecifer, Backyard Babies, Hellacopters, Turbonegro, Flaming Sideburns oder die Spiritual Beggars die Welt aus Richtung Skandinavien eroberten? Man durfte endlich wieder ungehemmt seiner Vorliebe für Vinyl frönen und auf Jagd nach den kleinen schwarzen Scheiben gehen. Der Wahnsinn ging sogar soweit, dass die Bands untereinander auch gerne mal Split-Singles in kleiner Auflage veröffentlichten. Aus und vorbei! Gluecifer sind schon Geschichte und nun folgen auch noch The Hellacopters. Der klägliche Rest hat den Zeitpunkt der Auflösung schon längst verpasst und so wird der Skandinavien-Rock als Fußnote in die musikalischen Geschichtsbücher eingehen.
The Hellacopters werden definitiv eine große Lücke hinterlassen. Auf der anderen Seite wird ja immer beklagt, dass viele Künstler den richtigen Zeitpunkt für den Absprung verpassen. Ob die Hellacopters die berühmte Platte zu viel in den Knochen haben, darf bezweifelt werden, da es genug Leute und Fans gibt, die der Band nachweinen. Alles richtig gemacht also? Scheint so.
Mit „Head Off“ verabschiedet sich die Band jedenfalls standesgemäß! Was sie hier zwölf Songs lang wieder abbrennen ist schon vom allerfeinsten. Egal was The Hellacopters auch bisher immer angefasst haben, sie klangen stets authentisch und ehrlich. „Head Off“ bildet da keine Ausnahme. Umso erstaunlicher, da dies ein reines Coveralbum ist. Ob die Band hiermit ihren Helden huldigen möchte oder letztlich keine Ideen mehr für eigene Songs hatte ist dabei völlig zweitrangig, denn das Ergebnis kann sich sehen lassen.
Die Band röhrt wie eh und je durch die Prärie und Alters- und Auflösungserscheinungen machen sich überhaupt nicht bemerkbar. MC5, Stooges, Kiss, AC/DC oder Motörhead wären sicher die Bands, die man am ehesten nennen würde, wenn es um vermeintliche Coverversionen geht. Weit gefehlt, es werden vergleichsweise unbekannte Bands gecovert! Von „Electrocute“ (von den Demons) bis hin zu „Darling Darling“ (von den The Royal Cream) rocken sich die Hellacopters in ihrer rotzigen Mischung aus Punk und Rock (mit einer Menge Roll) durch ihre letzte Scheibe. Höhepunkte gibt es auf „Head Off“ viele. Das geniale „Midnight Angels“ (im original von The Peepshows) zählt ebenso dazu, wie „No Salvation“ welches im Hellacopters-Gewand sogar wesentlich besser ist wie die Version von The Turpentines. Dass die Band aber auch die melancholischen Zwischentöne beherrscht, stellen sie eindrucksvoll mit dem schon erwähnten „Darling Darling“ unter Beweis.
Fazit: „Head Off“ hört man mit einer großen Träne des Bedauerns im Knopfloch. The Hellacopters verabschieden sich mit einer würdigen Scheibe von der musikalischen Bildfläche und zeigen dem jungen Nachwuchs noch mal deutlich was Rock and Roll bedeutet. Macht es gut Jungs, wir werden euch und eure Musik vermissen!