Jayceon Taylor hat die klassische Karriere vom Ghettokid zum Rapstar hingelegt. Aufgewachsen ist er in Compton in Long Beach, Kalifornien. Jayceon hat noch acht Geschwistern und seine Zukunft sah sicher alles andere als rosig aus. Seine Großmutter gibt ihm schließlich, wegen seiner immensen Energie, den Namen The Game. In den 80ern konnte natürlich noch keiner ahnen, dass unter diesem Pseudonym mal ein weltweit bekannter und anerkannter Rapper auf den Plan tritt.
Private Rückschläge und sonstige Probleme lassen Taylor auf die schiefe Bahn geraten. Autodiebstahl und Drogenhandel bestimmen den Tagesablauf. Es kommt, wie es kommen musste, er wird über den Haufen geschossen. Jetzt ist die Zeit gekommen um über das weiter Leben nachzudenken. Rap und HipHop bestimmen von nun an komplett selbiges. Ab jetzt kann man fast schon von einer klassischen Rap-Karriere sprechen, inklusive Ausschluss aus der Gang, Ärger mit Dr. Dre, Morddrohungen – das übliche Programm. Notfalls geht es halt East Coast gegen West Coast.
Und da sind wir auch im Hier und Jetzt angekommen. Das dritte Album von The Game bildet da keine Ausnahme und fährt die üblichen Zutaten auf. Der obligatorische „Parental Advisory Explicit Content“ Aufkleber darf natürlich nicht fehlen und gehört bei jeder guten Genrescheibe zum guten Ton. Die Bösen kommen natürlich von der anderen Küste und so gibt es natürlich wieder jede Menge Häme für die Kollegen aus dem New Yorker-Umfeld.
Damals wie heute nannte und nennt man das Gangsta-Rap. The Game ist da mittlerweile die dritte Generation, die diesen Stil, Verzeihung, Style pflegt. Aber mal ehrlich, hat sich denn was an der musikalischen Ausrichtung geändert? Ist nicht alles so wie es auch schon zum Ende der 80er und zu Beginn der 90er war? Einen gravierenden Unterschied gibt es allerdings: Die Väter des Gangsta-Rap hatten wesentlich mehr Substanz und lassen ihre Nachkommen immer noch wie eine billige Kopie aussehen. Da ist auch The Game keine Ausnahme.
Auf L.A.X. hat sich fast die gesamte Posse versammelt. Unter die Arme greifen The Game u.a. Lil Wayne, Ice Cube, Raekwon, Ludacris, Bilal, Ne-Yo, Common, Travis Barker, Keyshia Cole, Nas, Nottz, Scott Storch, Kanye West, Hi Tek, DJ Toomp, J.R. Rotem sowie Cool & Der. Holla die Waldfee, das nenn ich mal eine amtliche Latte an Gaststars. Die Produktion kann sich auch wirklich sehen lassen, aber unter dem Strich bleibt nicht viel mehr als guter Westcoast-Standard. Selbstredend wird hier wieder auf dicke Hose gemacht und so bewegen sich die Themen in bekannten Gefilden. Musikalisch ist es diesmal eine Spur ruhiger geworden und die neunzehn Tracks bewegen sich zum Teil schon in R & B Gefilden.
Insgesamt wirkt das Album etwas überladen, aber das ist in diesem Genre ja fast an der Tagesordnung. Der Beginn ist mit „LAX Files“ und „State Of Emergency“ (mit dem unverwechselbaren Ice Cube) recht viel versprechend. „My Life“ mit Lil Wayne ragt sicher auch heraus. Insgesamt verbreitet die Nummer eine recht chillige Atmosphäre. Leider hat die Scheibe aber auch viele Tracks ähnlicher Machart zu bieten und so unterscheiden sich z.B. „Cali Sunshine", „Gentlemans Affair" oder „Never can say goodbye" nur marginal oder anhand der Hooks. Besser ist da schon das beatlastige „YA-Heard“, welches mit seinen pumpenden und treibenden Rapparts den Song direkt auf den Punkt bringt. Überhaupt stehen die schnelleren Geschichten The Game immer noch besser zu Gesicht. „Touchdown“ in guter alter G-Funk-Manier erfreut da z.B. das Herz. Auch „Angel“ weiß zu gefallen, was allerdings auch an dem Sample liegen könnte, welches „Prayer“ von Curtis Mayfield entnommen wurde. Das bereits bekannte „Dope Boys“ bleibt aber insgesamt der härteste und beste Track der gesamten Scheibe.
Fazit: Das dritte Album von The Game ist zwar nett, kommt aber über gutes Standardrepertoire nicht hinaus. Man vermisst etwas die zündenden Ideen, die das gesamte Genre auch etwas in eine andere Richtung lenken. So sind die Urväter wie Dre oder N.W.A. immer noch das Maß aller Dinge.
Und hier noch ein schönes Album-Pre-Listening.
http://artists.universal-music.de/_player/thegame