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The Fratellis: Here We Stand

(Universal)

Autor: schlimm / Wertung: 9 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

The Fratellis waren mit ihrem Debütalbum „Costello Music“ in aller Munde. Erstaunlich daran war so ziemlich alles – insbesondere die musikalische Qualität. Die Band war erst neun Monate zusammen, als sie das Werk einspielten und hatte die unglaubliche Anzahl von 25 bis 30 Gigs auf dem Bandkonto. Schneller kann man fast gar nicht in die erste Liga katapultiert werden. Die Single „Chelsea Dagger“ wurde allerorten rauf und runtergespielt und entwickelte sich nicht nur zu einem Ohrwurm, sondern bewies auch echte Steherqualitäten. Gefunden haben sich die drei übrigens per Aushang in einem Glasgower Musikgeschäft.

Nun folgt mit „Here We Stand“ also der nächste Streich. Man merkt The Fratellis und der Scheibe eine deutliche Weiterentwicklung an, klingen die zwölf Songs insgesamt doch nicht mehr so zerschossen. Die Drei scheinen nun zu wissen, wohin sie wollen und haben ihren eigenen Sound gefunden und mit dem Zweitling nun auch gefestigt. Wie äußert sich diese Entwicklung? Insgesamt ist alles etwas strukturierter und es klingt ein bisschen weniger betrunken. Dafür hat die Band nun die Rockoper für sich entdeckt. Natürlich sind die Schotten immer noch größenwahnsinnig und wollen die musikalische Weltherrschaft an sich reißen. Mit „Here We Stand“ schaffen sie es zumindest im britischen Indieallerlei um die vordersten Plätze mitzuspielen!

Natürlich haben sich The Fratellis ihr musikalisches Grundgerüst auch auf „Here We Stand“ beibehalten. Die ganze Chose rangiert irgendwo zwischen Pubrock, Punk, Britpop, den Kinks, den Beatles, den Beach Boys, Pop und jeder Menge wahnsinniger Melodien.

Eröffnet wird die Geschichte mit „My Friend John“ fast schon ein bisschen zu unspektakulär, nur um dann mit der guten Launenummer „A Heady Tale“ ordentlich einen rauszuhauen. Ja verdammte Axt, einen besseren Song für die Kneipe von nebenan hat man ja schon lange nicht mehr gehört. Erinnert irgendwie an eine Mischung von Primal Scream zu Zeiten von „Give Out But Don´t Give Up“ und den Rolling Stones der Marke „Let It Bleed“ und doch ist dies auch unverkennbar The Fratellis. „Shameless“ knüpft daran nahtlos an, nur um anschließenden mit dieser lässigen Melodie in „Look Out Sunshine!“ und diesem großartigen Refrain aufzuwarten. Hier werden mal eben die ganzen 60er Jahre zitiert und in das Jahr 2008 transferiert. Da verzeiht man der Band auch gerne eine etwas langweiligere Nummer wie „Stragglers Moon“. Macht auch nix, denn mit „Mistress Mabel“ geht es direkt wieder in die Vollen. Das Piano klimpert, dass man Angst um die Tasten haben muss. Jawoll, so funktioniert Rock and Roll britischer, Verzeihung, schottischer Prägung! „Babydoll“ ist mit seiner netten Melodie eine willkommene Auflockerung für zwischendurch, denn „Tell Me A Lie“ macht wieder auf dicke Hose und hat die ein oder andere Glamrockanleihe zu bieten. „Acid Jazz Singer“ ist vielleicht der heimliche Höhepunkt der Platte. Würden die Beatles heute so klingen? Wer weiß das schon, aber The Fratellis machen sowieso eine gute Figur. „Lupe Brown“ scheint auch schon mindestens vierzig Jahre auf dem Buckel zu haben und klingt doch so aktuell. „Milk And Money“ lässt die Scheibe ruhig ausklingen und setzt doch ein nachhaltiges Ausrufezeichen.

Fazit: The Fratellis haben an sich selber den Anspruch mit „Here We Stand“ weg von dem Indie-Band-Geschepper zu kommen. Dies ist ihnen in der Tat gelungen. Das Album klingt wie eine richtig gute Rock and Roll Scheibe, auch, oder gerade deshalb, weil man hier überall Zitate der britischen Musikgeschichte findet. Das Dingen hat Schmiss und Schmackes, macht Spaß und rockt mit einer großen Prise Pop. An dem Album hört man sich auch nicht so schnell satt, denn zuerst klingt es noch reichlich unspektakulär, aber es wächst mit jedem Durchgang – sicher nicht das schlechteste Zeichen!

www.the-fratellis.de

 

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