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The Frames: mehr als nur U2s Söhne

Autor: schlimm / Kommentare: Bisher 2 Kommentare

Anderthalb Jahre nach ihrem letzten Besuch in Deutschland kehren „The Frames“ für einige Clubkonzerte zurück, um ihr neuestes Album „The Cost“ vorzustellen. Wir trafen uns mit Sänger & Songwriter Glen Hansard in Köln (01.02.2007) um mit ihm über Konzerte außerhalb Irlands, Musikerkollegen und Idole, die begeisterten Reaktionen auf seinen neuen Film „Once“ zu reden sowie ein wenig über den Mythos eines Künstlerlebens zu philosphieren.

Ihr habt gerade mit Eurer Europa-Tour begonnen. Fühlt es sich anders an in kleineren Clubs außerhalb Irlands aufzutreten?

Es ist anders. Wenn man auf dem Teppich geblieben ist und weiß wer man ist, ist es völlig in Ordnung. Wenn man hingegen etwas unsicher ist und nach Anerkennung sucht, dann kann es schwierig werden. Um ehrlich zu sein: Es ist manchmal schon etwas frustrierend, weil es in Deutschland viel langsamer vorangeht als überall sonst. Aber der Tourstart gestern in München war ein tolles Zeichen dafür, dass sich etwas bewegt. Der Club ist aus allen Nähten geplatzt und die Energie war großartig.

Die Kritiken, die Ihr für Euer neues Album bekommen habt, waren sehr gut und „Frames“-Konzerte sind bekannt dafür, einmalige Live-Erlebnisse zu sein. Hast Du eine Erklärung dafür, warum Ihr z. B. die Benelux-Länder, die Tschechische Republik oder England viel leichter erobern konntet?

Ich denke viel darüber nach, an wem sich Deutschland kulturell orientiert. Genau weiß ich es natürlich nicht, weil ich nie genügend Zeit hier verbracht habe. Allerdings denke ich, dass die englische Presse hier viel stärker beachtet wird als in anderen Teilen Europas. Ohne uns besonders hervorheben zu wollen - wir sind nur eine dieser irischen Bands, und die englische Presse hat generell ein sehr gemischtes Verhältnis zu Irland. Meist ein unterkühltes.

Ist es wirklich so schlimm?

Ganz ehrlich: Sie haben U2, die Cranberries und The Thrills wegen ihres Erfolgs in Amerika akzeptiert. Die Sache mit England ist die: Sie setzen sich in erster Linie für ihre eigenen Leute ein und nur für wenige europäische Bands. Es sein denn, sie können einen Durchbruch in Amerika vorweisen. Ich beobachte in Deutschland dieselben kulturellen Strukturen wie in England, wo alles von der öffentlichen Meinung beeinflusst wird. Die Leute vertrauen MTV und den Medien, sie vertrauen dem, was ihnen im Fernsehen vorgesetzt wird. Was schön und gut ist. Der Nachteil ist allerdings, dass kaum einer mehr seinen eigenen Ohren traut. Natürlich weiß ich, dass wir mit den Medien nicht konkurrieren können. Deshalb kümmern wir uns auch nicht weiter darum, sehen unsere Fans bei unseren Konzerten und geben einfach unser Bestes. Wir sind nicht Anti-Medien oder Anti-irgendwas. Für uns hat es auf diesem Weg nur nicht funktioniert.

Aber Eure Fans schätzen Euch sehr, was wesentlich wichtiger ist!

Ja. Anscheinend kommen wir eher aus einer Art „Untergrund“ was auch eine nette Art ist, um Erfolg zu haben.

Gerade ist Eure neue CD „The Cost“ erschienen. Verglichen mit den vorherigen Alben erscheint mir die Stimmung eher nachdenklich. Welche Gedanken hattest Du beim Schreiben der Texte?

Weißt Du - ich bin 36. Mit 36 sollte man mit dem Nachdenken anfangen (lacht).

Das stimmt – oder man fängt niemals damit an…

Genau! Ich finde es zunehmend schwierig mit 36 Jahren zu rechtfertigen, noch immer in einer Rockband zu sein. Ich liebe Musik und werde immer Musik machen – sei es alleine, in einer Band oder mit sonst jemanden. Aber „Rockband“ ist ein Begriff für junge Männer. In einer Rockband zu sein bedeutet, ständig in der Welt unterwegs zu sein und seine Musik zu spielen. Mir geht es vielmehr darum, meine Lieder zu spielen. Genau genommen sind die Lieder dazu da, um mit mir selbst klarzukommen. Sie sind eigentlich nur Hilfe zur Selbsthilfe. Daher kommt auch der Name „The Cost“.

Sobald ein Lied fertig geschrieben ist, hat es eigentlich keinen weiteren Zweck mehr für mich. Außer natürlich die Möglichkeit, es auf einem Album zu veröffentlichen.

Also hast Du heute andere Gefühle als Musiker? Du hast Dich vor fast 20 Jahren für dieses Leben entschieden. Wie fühlt es sich nach all den Jahren und unterschiedlichsten Erfahrungen an?

Eigentlich wurde ich Musiker, um meinen Onkel auf mich aufmerksam zu machen. Außerdem wollte ich, dass meine Mutter stolz auf mich ist. Daraus entwickelte sich meine „Karriere“ als Straßenmusiker und ich fühlte mich das erste Mal, als würde ich einer richtigen „Männerarbeit“ nachgehen indem ich draußen auf den Straßen mein Geld verdiene. Ich hab’ es immer getan, weil ich es schaffen wollte und das ist auch das Schlüsselwort: Wenn Du raus in die Welt ziehen willst, dann willst Du es schaffen. Inklusive Plattenvertrag und Welttournee.

Das hat sich im Laufe der Zeit verändert und ich befinde mich etwa im dritten Stadium meiner Karriere. Ich habe die Musik als Lebensinhalt gewählt, es ist ein gutes Leben und ich schätze es sehr. Außerdem bin ich mir bewusst, ein sehr erfolgreiches und priviligiertes Leben zu führen. Seitdem ich Musiker bin, kann ich davon leben. Was nicht zu unterschätzen ist!

Was bedeutet mir Musik heutzutage? Musik bedeutet Medizin für mich und das war schon immer so. Es hilft mir dabei, mich mit meiner Umwelt zu befassen und mit ihr umgehen zu können. Ich führe ein Künstlerleben, egal ob’s mir gut oder schlecht geht. Teil der Entscheidung für ein Künstlerleben bedeutet Momente großer Kraft und das Gefühl der Unbesiegbarkeit. Und dann gibt es Momente, in denen Du absolut am Boden bist und nichts zu geben hast. All diese Gefühle fließen in die Lieder ein.

Während Deiner Karriere hast Du mit Künstlern wie z. B. Liam O’Maonlai von den Hothouse Flowers oder Kila gearbeitet. Gibt es irgendwelche anderen Musiker mit denen Du gerne arbeiten würdest? Eventuell ein Idol von Dir?

Ich wollte schon immer ein Album mit Van Morrison machen. Das ist allerdings nur ein Wunschtraum und ich erwarte nicht, dass etwas daraus wird.

Hast Du jemals mit ihm darüber gesprochen?

Ja, habe ich. Vor etwa 10 Jahren wurde ich von einem gemeinsamen Freund zu Vans’ 50. Geburtstag eingeladen. Meine Freundin und ich fuhren also
zu diesem riesigen Landhaus und wurden einigen Leuten vorgestellt. Van war da, Jerry Lee Lewis und dessen Frau, einige Freunde und Kinder sowie ein paar Hunde (lächelt). Ein ganz intimer kleiner Kreis und eine einmalige Erfahrung. Irgendwann kam eine Frau auf uns zu und flüsterte „Kommt alle ins Wohnzimmer, Van singt ein paar Lieder.“ Also gingen wir alle rüber, Van und Jerry sangen und es war unglaublich bewegend.

Du musst Dich wie im 7. Himmel gefühlt haben.

Beide waren betrunken, sangen Countrylieder und ich WAR im Himmel! Etwas später am Abend fragte Van, ob irgendjemand ein bestimmtes Lied hören wolle. Ich war völlig unsicher, ob ich etwas sagen solle oder nicht und habe es sein gelassen (lächelt). Als er kurz darauf noch mal fragte, ob denn keiner einen Wunsch hat, nahm ich meinen Mut zusammen und sagte: „Hungry for your love“. „Hungry for your love“ ist ein Lied vom „Wavelength“ Album, das ich vergöttere. Van sah mich nur kühl an und sagte „Du kennst mich nicht!“ Ich drehte mich um und ging aus dem Zimmer. Das war genau das, was man niemals von seinem Idol hören will. Es war so grob und unhöflich.

Also ist er wirklich der ewig schlecht gelaunte Mann, für den man ihn hält?

Er ist oft schlecht gelaunt. Ein wenig später kam meine Freundin, um nach mir zu sehen und bewegte mich dazu, wieder mit rein zu gehen. Van sang noch immer und ich hatte meinen Spaß. Gleichzeitig war ich aber sehr verletzt. Er fragte, ob irgendjemand in der Runde etwas singen wolle und meine Freundin sagte „Glen wird spielen!“. Van sah sich um, ging auf mich zu, gab mir seine Gitarre und verließ den Raum. Es war ganz furchtbar. Ich spielte ein Stück und die Leute mochten es. Als ich ein zweites Lied spielte, kam Van zurück und fragte im Anschluss „Was wolltest Du noch mal hören?“ Ich antwortete „Hungry for your love.“ „Kennst Du es?“. Ich sagte „Ja.“ Und er konterte „Okay – dann sing es!“ Er hat mich tatsächlich aufgefordert sein Lied zu singen.

Dein Lieblingslied.

Mein Lieblingslied von ihm. Ich hab’s also tatsächlich auf seinen Wunsch hin gesungen. Als ich fertig war sind wir in anderes Zimmer gegangen. Van hat sich zu mir gesetzt, mir seine Gitarre überreicht und gesagt „Spiel für mich!“ Also spielte ich für ihn und wir haben dann die ganze Nacht dort verbracht und seine Lieder gesungen. Es war völlig unwirklich und eine Riesenherausforderung. Eine der Geschichten, aus der man einen Film machen könnte: Junger Mann trifft sein Idol, wird von ihm zurückgewiesen und gewinnt letztendlich doch seine Anerkennung. Es war fantastisch.

Wenn ich die ganze Sache zusammenfassen sollte: Ich saß in Gesellschaft eines großen Könners, beobachtete seine Finger, seinen Mund und die Art und Weise, wie er die Worte formte. Eine Lehrstunde der Extraklasse, dem Meister bei seiner Arbeit zusehen zu dürfen. Es ist schwer zu erklären, wie viel man dabei lernen kann, einem großen Künstler einfach nur zuzusehen. Aber es ist unglaublich wie viel man lernt. Ich habe die Informationen buchstäblich in mich aufgesogen. Ich war etwa 21 oder 22 Jahre alt, offen und nahm alles in mich auf. Und ich bin mir sicher, dass es ihm nicht bewusst war, wie viel er mir gegeben hat. Aber von dem, was er mir damals gab, zehre ich noch heute. Und „Ja“ – ich würde sehr gerne ein Album mit ihm machen.

Mit welchen Musikern würde ich außerdem noch gerne arbeiten? Ich würde gerne mit Jim White von den „Dirty Three“ etwas aufnehmen. Er ist ein großartiger Schlagzeuger. Mit einem anderen Helden von mir habe ich bereits gearbeitet – Craig Ward, der fantastische Gitarrist der belgischen Band dEUS. Außerdem würde ich gerne mit Tom Barman von dEUS arbeiten. Wir haben darüber schon geredet und hoffentlich wird was draus. Mit Frank Black von den Pixies durfte ich einige Tage verbringen. Wir haben einige Aufnahmen gemacht und es war eine tolle Erfahrung.

Ich hatte schon viel Glück im Leben, habe Leonard Cohen getroffen und bin mit Bob Dylan auf Tour gewesen. Irgendwie habe ich es immer geschafft die Bands zu treffen, die ich wirklich liebe und mit ihnen Musik zu machen. Was ein Segen ist und wahrscheinlich daher kommt, weil ich allen Möglichkeiten gegenüber offen bin. Denn genau darum geht’s bei Musikern. Sie sagen zwar, dass sie es für’s Geld oder die Karriere tun - oder um Frauen zu erobern. Worum es jedoch wirklich geht, ist die Gesellschaft von anderen Musikern und um den Gedankenaustausch.

Und darum herauszufinden, was passiert, wenn man zusammen ist?

Genauso ist es! Du hast nur eine begrenzte Zeit auf diesem Planeten, also solltest Du so viele Informationen für Dein nächstes Leben in Dich aufnehmen wie nur irgendwie möglich. Dann wirst Du in Deinem nächsten Leben besser vorbereitet sein. Wenn Du an diese Theorie glaubst - was ich tue. Nimm’ viele Informationen aus dem Jetzt mit, dann wird die nächste Runde nicht so schwierig.

Guter Ansatz! Wenn wir schon von Kollegen reden – Du hast in einem Interview mal gesagt „U2 sind in Irland wie die katholische Kirche. Wir fürchten und respektieren sie.“ Was ist die furchteinflößende Seite von U2?

Ich hab’ das wahrscheinlich in einem etwas leidenschaftlichen Moment gesagt (lacht). Aber ich erinnere mich daran, es gesagt zu haben. U2 sind eine sehr sehr mächtige Band. Sie sind nicht die Mafia und es ist nicht so, dass U2 vorbeikommen um jemandem die Knie zu brechen. Sie sind nur eine Rockband.

Wir respektieren sie aus einem Grund: Sie schreiben großartige Musik. U2 gehören zu den Bands, die, obwohl man sie gerne hassen möchte – und ich würde sie gerne hassen – mich immer beeindruckt haben. Sie haben mich stets emotional angesprochen. Wann immer ich sie live gesehen habe, haben sie es jedes Mal geschafft, mich zu berühren. Und sie haben Seele: eine gute und ebenso eine böse Seele.

Wenn ich heutzutage an U2 denke, sehe ich Strategen. Ich sehe eine Gruppe Männer mit Plänen – Schlachtplänen - in denen jede andere Band nicht ihr Freund ist, sondern Gegner. Es scheint fast so, als würden sich U2 nur auf einer ganz speziellen Frequenz bewegen und als ob sie nur noch Bands innerhalb ihres Radars wahrnehmen. Du wirst niemals Bono beim Gig einer Band in Dublin treffen, die gerade erst angefangen hat. Das passiert einfach nicht. Jeder unterhalb des U2 Radars wird ignoriert und sie fühlen nicht das Bedürfnis, irgendjemanden zu fördern.

Ich sage Dir, woher die Furcht kommt. Wenn Du Dich an eine Zeitung in Dublin wenden würdest und sagtest „ Meiner Meinung nach sitzt Bono’s Herz am rechten Fleck, seine Logik und seine Ambitionen zerstören aber alles Gute daran. Auf der einen Seite hat er ein wirklich gutes Herz, auf der anderen Seite glaube ich ihm kein Wort.“ Wenn Du das in der irischen Presse über U2 sagen würdest, schließen sich eine Menge Türen für Dich. Und genau darum hat jede Band Angst davor, sich kritisch über U2 zu äußern. Sie könnten eines Tages von ihnen auf Tour mitgenommen werden oder deren Lichtstrahl könnte eines Tages auf sie fallen. Was eine Lüge ist, das ist noch nie passiert. Es gibt nicht eine Band, an die ich mich erinnern könnte, die von U2 herausgepickt wurde und groß herauskam.

Was ist mit den Hothouse Flowers?

Nein, die Flowers waren schon groß bevor U2 an sie herantraten. Ich weiß das ganz genau weil ich dabei war. Die Sache mit U2 ist: Sie sehen, was in der Szene vorgeht, nehmen es wahr und sobald U2 etwas bewusst wahrgenommen haben, bekommen sie die Lorbeeren dafür. Macht es Sinn, was ich erzähle?

Ja, das tut es.

Ich erinnere mich an die Hothouse Flowers mit all ihrer unglaublichen Energie. Sie sind auf der Grafton Street (Anm.: Fußgängerzone in Dublin) als die „Benzini Brother“ aufgetreten. Liam (O’Maonlai) und Fiachna (O’Braonain) waren einfach brillant. Zwei große, starke irische Männer. Sie haben viele Konzerte gespielt und sich in kürzester Zeit eine große Fan-Basis geschaffen. Dann erst traten U2 auf den Plan, schenkten ihnen etwas Aufmerksamkeit und unterstützten sie.

Es ist dasselbe wie mit Snow Patrol. Sie haben sich jahrelang einen immensen Status erarbeitet und just als sie den Punkt erreicht hatten, an dem sie wirklich groß waren, nahmen U2 sie mit auf Tour. Das ist einer meiner Kritikpunkte: U2 riskieren gar nichts mit irgendjemandem. Sie nehmen nur die Bands mit auf Tour, von denen sie genau wissen, dass man durch sie Tickets verkauft. Sie würden niemals eine völlig unbekannte Band mitnehmen. Sie könnten es tun – und das sollten sie auch.

Lass’ uns über eine ganz andere Arbeit von Dir sprechen: Glückwünsche für Euren Film „Once“, der vor wenigen Wochen den Publikumspreis beim Sundance Film Festival gewonnen hat!

Dankeschön! Wir sind noch nicht lange aus Amerika zurück. Ich schlafe tagsüber noch immer viel und bin dafür die ganze Nacht wach (lacht). Wir (Anm.: Glen Hansard, die Hauptdarstellerin Marketa Iglova und Regisseur John Carney) haben diesen Preis gewonnen und sind noch immer völlig überwältigt, da wir diese Reaktion nicht im Entferntesten erwartet hätten. Wir sind mit diesem kleinen Film zum Sundance Film Festival geflogen und es stellte sich heraus, dass zwei der Mitglieder des Auswahlkomitees „Frames“- Fans waren. Eigentlich waren nur drei Vorführungen geplant, daraus wurden fünf und bis zum Ende des Festivals wurde „Once“ dann 10 Mal gezeigt. Wir sind zu allen Vorführungen gegangen, haben die Fragen des Publikums beantwortet und einige Lieder gespielt. Zu Hause in Irland hatten wir den Film einigen Freunden gezeigt, die ihn ganz nett fanden. Die Leute in Amerika hingegen haben sehr emotional auf „Once“ reagiert, was mich wiederum sehr bewegt hat. Er wird nur in kleinem Rahmen landesweit in die Kinos kommen. Aber allein der Gedanke, dass meine Lieder im Kino gespielt werden, ist wunderschön und irgendwie auch verrückt.

Es muss sich gut anfühlen, nicht mehr ausschließlich auf Deinen ersten Schauspieljob angesprochen zu werden.

Stimmt genau! Es soll nicht die einzige „große Sache“ in meinem Leben gewesen sein (lächelt). Ich habe bei „The Commitments“ wirklich sehr gerne mitgemacht und es war eine tolle Sache. Aber ich wollte nie groß in Interviews darüber reden um nicht den Eindruck zu erwecken, Kapital für meine weitere Karriere daraus schlagen zu wollen. Irgendwie hatte es nichts mit meinem eigenen Leben zu tun und damals konnte ich überhaupt nicht damit umgehen. Jedes Interview, das ich gab, jeder Journalist mit dem ich redete und eigentlich überhaupt jedermann wollte mit mir nur über diese Rolle sprechen.

Outspan Foster?

Stimmt, nicht Glen Hansard. Ich hab’ jedes Mal gebeten „Ich bin in dieser Band und wir sind richtig gut. Bitte lasst uns darüber reden.“

Und jetzt könnte „Once“ größer werden als es die „Commitments“ waren.

Nein! (lacht). Das Gute an „Once“ ist: Es sind meine Lieder. Außerdem steht mir der Typ, den ich jetzt spiele wesentlich näher und ich unterstütze ihn. Outspan Foster hingegen war ziemlich durchgeknallt. Das hat mich damals wohl am meisten genervt: Angesprochen zu werden, als seien er und ich dieselbe Person. Wenn man bei diesem Film denselben Fehler noch mal macht, liegt man wenigstens nicht ganz so falsch.

Eine letzte Musikfrage: Würdest Du einem Nicht-Muttersprachler bitte die Bedeutung des Wortes „Revelate“ erklären? Im Wörterbuch ist es nicht zu finden.

Ich hab’ das Wort erfunden.

Das ist eine dieser irischen Eigenarten (lächelt). Wir haben so wenig Respekt vor der englischen Sprache, dass wir sie ständig überarbeiten. Für lange Zeit haben Iren eine Menge Probleme bekommen, wenn sie ihre eigene Sprache sprachen. Sie wurden eingesperrt, getötet oder ihre Häuser wurden niedergebrannt. Also haben wir die Sprache der Eroberer akzeptiert und sie unseren Bedürfnissen angepasst. Und da wir keine rationale Beziehung zu der englischen Sprache haben, biegen wir sie uns einfach zurecht, um sie „irischer“ zu machen. „Revelate“ war genauso ein Wort. Ich habe ein Lied geschrieben und das Wort kam mir in den Sinn.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg für die Tour und „Once“!

Sound Base bedankt sich bei Annette Zang (Interviewerin) und bei Dennis Saia (Starkult Promotion) für die freundliche Unterstützung!

2 Comments »

  1. Der Mann spricht mir aus der Seele. Ich habe U2 in den 80ern vergöttert, sie waren für mich einer der wichtigsten Rockgruppen und endlich eine Band, die eine Message hatte. Und ich haben ihnen geglaubt. Aber heutzutage hat die Band jede Bodenhaftung verloren, wirkt unglaubwürdig und wird leider auch noch für schlechte Musik bejubelt. Hört Euch nur mal die Zusammenarbeit mit Green Day an. Fürchterlich. Und die letzte Platte war auch rausgeworfenes Geld. Auch wenn ich Bonos politisches Engagement schätze: Er sollte weniger Hände schütteln, sondern lieber einmal wieder mit seinen Jungs eine gute Platte veröffentlichen. Aber wenn Musik nur noch Nebensache ist, kann dies nicht gelingen.

    Comment by Bloody Sunday — March 2, 2007 @ 2:51 pm

  2. Also der Stil gefällt mir absolut gut und sogar für die Unterhaltungsmusik der Szene habe ich die Songs hergenommen. Meinen Geschmack hat man voll getroffen. Aber das ist es halt wie bei einem Essen. Die Geschmäcker sind verschieden. Deshalb trifft man auch nicht das breite Publikum, sondern eben eine Fangemeinde. Aber das passt schon so… weiter so

    Comment by Chrissi — May 24, 2008 @ 6:09 am

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