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The Dead Weather: Sea Of Cowards Tipp
(Warner)


Autor: schlimm / Wertung: 10 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Die amerikanische Indie-Supergroup The Dead Weather legt mit „Sea Of Cowards“ nun schon den Nachfolger von „Horehound“ vor. Es ist nicht mal ein Jahr ins Land gegangen – in der heutigen Zeit sicherlich ein Novum. Die vier Bandmitglieder – Alison Mosshart, Jack White, Dean Fertita und Jack Lawrence sind damit eine wohltuende Ausnahme im Musikgeschäft. Hier wird Musik noch gelebt und wenn es etwas zu veröffentlichen gibt, dann muss es auch raus. Gut so! Workaholics ist wohl die treffendste Beschreibung – dazu braucht man sich ja nur den immensen Output der letzten Jahre angucken. Erfreulich und erstaunlich ist dabei immer wieder die hohe Qualitätsdichte. „Sea Of Cowards“ ist da – mal wieder – keine Ausnahme. Trotzdem wird das Album so manchen Zeitgenossen auch leicht verstören. Man hat es aber auch mit einem verdammten Brocken zu tun! Vorsicht beim Genuss und gut kauen, sonst verschluckt man sich glatt!

Die elf neuen Songs sind rauer und roher als das Debüt. Vielleicht sind The Dead Weather damit so nahe am Ursprung der Musik wie noch nie. Gleichzeitig sind sie derart weit vom Blues entfernt, dass man schon dreimal durchatmen muss, bis man dieses Werk überhaupt kapiert hat. Kann man es überhaupt verstehen? Wer weiß das bei diesen Besessenen schon? Zunächst ist schon der Umstand verwirrend, dass ein Song in den anderen übergeht. Die Grenzen sind fließend und dieser Ritt auf der Rasierklinge ist nichts für zarte Gemüter. Unaufhörlich peitschen die Songs durch die Sümpfe, die Prärie und die Wüste um schließlich am Abgrund zu landen. Dass sie dort nicht runterfallen ist das größte Wunder. Und da kommt dann tatsächlich die Extraklasse des Songwritings zum Vorschein. Hierbei haben sich übrigens alle vier ausgetobt.

Der Scheppersound ist fast etwas wie die tragende Säule der Scheibe und Jack White hat mittlerweile sowieso ein ganz eigens verschrobenes Spiel – hört man unter Tausenden heraus. Dass „Sea Of Cowards“ nicht so einfach zu packen ist, zeigt sich schon an den ersten beiden Tracks. „Blue Blood Blues“ mündet schließlich in „Hustle And Cuss“. Die Grenzen sind fließend und zunächst bemerkt man gar nicht, dass es sich eben um zwei Songs handelt. Und doch, unterschiedlicher könnten diese nicht sein. Der eine („Blue Blood Blues“) atmet nämlich ganz tief den Blues ein und aus und der andere („Hustle And Cuss“) klingt fast wie eine HipHop-Variante mit herkömmlichen Instrumenten. Alles klar? Dachte ich mir.

„The Difference Between Us“ zieht die Daumenschraube noch mehr an und plötzlich wähnt man sich dem kompletten Wahnsinn ausgesetzt. Was Frau Mosshart stimmlich an Düsternis verbreitet schafft ein ganzes Album von The Cure nicht. „I´M Mad“ setzt dem sogar nochmals eine gehörige Portion Weirdness oben drauf. Anscheinend wurde das komplette Equipment im Studio verbraten und mal an jedem Knöpfchen gedreht. Und dann bekommt man eine leichte Ahnung: Psychedelik trifft auf eine Prise Led Zeppelin. Puh! Was für ein Wahnsinnsritt. Die Single „Die By The Drop“ besticht durch einen gewissen Härtegrat und ist eigentlich komplett untauglich für die Radiostationen dieser Welt. Wunderbar! „I Can´t Hear You“ spielt geschickt mit verschiedenen Stilen und baut sich ganz langsam zu einem Psychedelik-Monster auf. „Gasoline“ hat dazu noch den Beat zu bieten. Die Struktur der Nummer ist nicht gleichförmig, sondern mit einigen Brüchen versehen. Und was bitte ist „No Horse“? Soul der Marke The Dead Weather? Unglaublich! „Looking At The Invisible Man“ ist dann die große Dancehall-Show. Auch dies gibt es auf „Sea Of Cowards“. Natürlich ist das alles nicht im jeweils klassischen Stil aufgenommen, aber das wollte ja auch bestimmt keiner von dieser Band hören. Was sie aber mit ihren Mitteln daraus machen ist verstörend und schön zugleich. „Jawbreaker“ sorgt dann erstmals für ein langes Gesicht, da dieses Stück irgendwie, ähm, langweilig ist. „Old Mary“ beendet die Scheibe dann fast so zerschossen, wie man es erwarten konnte. Muss man sich aber auch erstmal trauen.

Fazit: „Sea Of Cowards“ ist ein großartiges Album! Gleichzeitig stellen diese elf Songs aber auch besondere Anforderungen an den Hörer und man ist diesen nicht immer gewachsen. Hin und wieder wird man ungläubig und verstört auf seine Anlage gucken und dann doch wieder zustimmend und anerkennend nicken. Dieser Brocken wird die Gemüter mal wieder spalten. Rauer und roher als der Vorgänger und mit psychedelischen Elementen ist dieses Album insgesamt variantenreicher als das Debüt ausgefallen. Man muss sich in diese Scheibe reinwühlen, denn dann wird man auch belohnt werden. Ein Album, welches noch lange nachhallt und dies kann man durchaus zweideutig sehen!

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