Vielleicht haben manche Stimmen ja doch recht, wenn sie immer wieder propagieren, dass in Zukunft ein Großteil der Musik im Online-Geschäft getätigt wird. Dieser Markt hat zwar auch einige Tücken und ist ganz sicher nicht die Lösung aller Probleme und schon gar nicht sollte ein liebloser digitaler Track einen physischen Tonträger ersetzen, aber das Internet bietet Bands natürlich auch jede Menge Möglichkeiten. Gerade jungen, noch unbekannten Gruppen eröffnen sich so ganz neue Chancen. Eine dieser aufstrebenden Bands waren The Bravery. Mittlerweile haben die Jungs natürlich einen Plattenvertrag in der Tasche, aber die Basis haben sie im Internet gelegt. Für viele vielleicht unvorstellbar, aber im Jahre 2003 steckte Myspace noch in den Kinderschuhen. Trotzdem nutzten The Bravery diese Plattform und schnell verbreitete sich deren Musik, immer mehr Leute wurden auf sie aufmerksam und besuchten ihre Konzerte. Danach startete die Band gnadenlos durch und machte sich auf die Welt zu erobern. Hinzu kam auch, dass sie genau zur richtigen Zeit auf den Plan traten und die Hörerschaft im Zuge von The Killers oder Hard-Fi nach genau dieser Art von Musik lechzte.
Nun folgt mit „The Sun And The Moon“ der Nachschlag. Wie so oft, haben auch The Bravery den Nachfolger des Debütalbums auf Tour geschrieben. Als Produzent holte man sich mit Brendan O´Brien eine Größe und einen Meister seines Fachs ins Boot. Das Ergebnis kann sich durchaus hören lassen und ist weit davon entfernt ein Schnellschuss zu sein. Das „schwierige“ zweite Album scheint den Jungs somit alles andere als schwer gefallen zu sein. Die elf recht kurzweiligen Tracks, verteilt auf knapp 40 Minuten haben wieder jede Menge (Hit-)Potenzial.
Eins muss man den Jungs lassen, eine Händchen für feine Ohrwürmer haben sie. Schon nach dem Intro setzt sich „Believe“ in den Gehörgängen fest. Große Melodien, große Gesten, großer Refrain und fertig ist der Hit. Wo es sich bei Kollegen allerdings nach Baukasten-Stadionrock anhört passt hier alles wunderbar zusammen und klingt alles andere als Gewollt. „This Is Not The End“ hat zwar auch ein feines Melodiechen zu bieten, ist in den Strophen aber wesentlich ruhiger und nicht so treibend und insgesamt durchzieht den Track eine melancholische Note. „Every Word Is A Knife In My Ear“ wird durch seine treibenden Drums und ein simples, aber effektives Gitarrenthema dominiert, dazu gibt es jede Menge Oh-Uhoooh-Chöre – insgesamt sehr tanzbarer Song. Pfeifend und fröhlich geht es dann bei „Bad Sun“ weiter, entwickelt sich aber doch in eine eher ruhige und melancholische Richtung. Danach dürfen die Stadientore wieder ihre Pforten öffnen und „Time Won´t Let Me Go“ in die Welt hinauslassen und der Konkurrenz zeigen, dass man solche Songs auch heute noch auf die Menschheit loslassen kann, ohne dabei in Peinlichkeit zu versinken. „Tragedy Bound“ beginnt mit einer gewissen Lagerfeuerromantik wird aber im weiteren Verlauf mit jeder Menge Streicher noch mal in eine andere Richtung gelenkt. Insgesamt aber ein sehr ruhiger, nachdenklicher Song, der zwar gerade so am Kitsch vorbeischrammt, aber The Bravery trotzdem ausgesprochen gut zu Gesicht steht. Mit „Fistful Of Sand“ schließt sich ein solider Song an, mehr allerdings auch nicht, das können die Jungs aber wesentlich besser. Den Beweis treten sie auch sofort mit dem ohrwurmartigen „Angelina“ an. Rockig beginnt „Split Me Wide Open“ entwickelt sich aber ziemlich schnell zu einem weiteren typischen und eher unspektakulären The Bravery-Song. Von einer reggaeartigen Gitarre wird „Above And Below“ im Grundthema dominiert, ändert zum Refrain hin die Richtung allerdings etwas in die typischen U2-Edge Ecke. Überzeugend! Mit dem ruhigen und sehr melancholischen „The Ocean“ wird der Hörer danach entlassen und kann seinen Gedanken nachhängen.
Fazit: Mit „The Sun And The Moon“ ist The Bravery ein würdiges und sehr schönes zweites Album geglückt. Ein Album zwischen Atlanta und New York. Ein Album zwischen fröhlich und melancholisch. Ein Album zwischen laut und leise. Ein Album zwischen zwei Coverfarben. Ein Album zwischen zwei Booklethälften. Dies ergibt allerdings kein Album zwischen den Stühlen, sondern EIN Werk wie aus einem Guss, welches das Niveau, bis auf eine ganz kleine Schwächephase erstaunlich hoch hält. Wer jetzt allerdings auf eine pure Fortsetzung des Debüts gewartet hat, der wird entweder enttäuscht oder begeistert sein. Vom New Wave des Erstlings haben sie sich ein gutes Stück verabschiedet und mehr Wert auf große, hymnenhafte Melodien gelegt. Und trotzdem oder gerade deshalb - mit The Bravery ist auch in Zukunft zu rechnen!
und einen schicken Albumplayer gibt es hier:
http://artists.universal-music.de/_player/thebravery/