Mittlerweile haben sich ja so gut wie alle relevanten Boybands wieder zusammengefunden. Reifer sind sie alle geworden – keine Frage. Musikalisch ist vieles aber immer noch total irrelevant – mit einer Ausnahme! Take That überraschten mit ihrem Comeback-Album „Beautiful World“ nicht nur ihre (weiblichen) Fans, sondern auch die Kritiker. Die Scheibe wurde dann auch allerorten wohlwollend aufgenommen und konnte in Print- und Onlinemedien durch die Bank positive Reaktionen hervorrufen – zurecht! Die Tour zur Platte überraschte dann ebenso und überzeugte als ausgereifte Show mit einem tollen Konzept.
Mit „The Circus“ folgt nun die zweite Scheibe nach dem Comeback. Insgesamt ist das jetzt das fünfte Studioalbum. Wohin führt der Weg den Vierer nun? Wenn man Gary Barlow glauben darf, dann handelt es sich hierbei um das beste Album der Band. Aha. Gut, was soll er auch anderes sagen? Aufgenommen wurde „The Circus“ in L.A. mit Produzent John Shakes. Auf die Scheibe haben es letztlich elf Tracks geschafft – geschrieben von Take That. Ein weiterer Unterscheid übrigens zu den Boyband Kollegen, die sich die Songs immer auf den Leib schneidern lassen.
Im Grunde knüpft „The Circus“ dort an, wo „Beautiful World“ aufhört. Hauptsongschreiber und Sänger Gary Barlow nimmt sich diesmal aber noch mehr zurück und ein großer Teil der Hauptgesangspart übernimmt diesmal Mark Owen. Gary und Howard sind selbstverständlich auch stimmlich vertreten, keine Frage. Take That haben es wieder geschafft ein Popalbum aufzunehmen mit diesem gewissen Wohlfühlfaktor, auf den sie anscheinend das alleinige Patent besitzen.
Schon die erste Single „Greatest Day“ ist unverschämt poppig und eingängig. Im Hintergrund darf auch mal hinter einer dicken Wand an Streichern dezent eine Gitarre lärmen und die Gesangspart sind zuckersüß und melancholisch zugleich. In dieser Intensität beherrschen das auf dem Gebiet des Pop irgendwie nur Take That. Dies ist mittlerweile längst kein Teeniepop mehr - sondern Erwachsenenpop. Das tut sicher keinem weh, bisweilen der Seele aber gut. Manchmal sind es auch die einfachen Dinge des Lebens, die einen erfreuen können.
Das bombastische „The Garden“ ist auch so ein Prototyp des typischen Take That Songs nach der Reunion. Hier teilen sich Gary und Mark die Gesangsparts. Bei „Hello“ und „Up All Night“ sieht man Mark Owen wieder über die große Showtreppe stolzieren und tanzen, mittlerweile ist der Mann fest gebucht für diese Art von Songs. Selbstverständlich fehlt auch die Ballade nicht. „Said It All“ überzeugt trotzdem und wirkt durch den Einsatz einer kompletten Bandinstrumentierung sogar recht druckvoll. Danach darf bei „Julie“ wieder Herr Owen ran. In den Strophen ist das fast näher am Britpop dran wie an der eigenen Bandvergangenheit.
Mit „The Circus“ haben Take That wohl versucht ihren Beatles-Song zu schreiben. Gary Barlow darf zu Pianoklängen dann über den Zirkus sinnieren. Leider wirkt die Nummer insgesamt zu verkitscht. Macht aber nix, denn „How Did It Come To This“ kommt da doch wieder um einiges flotter aus den Boxen. „What Is Love“ trifft zwar vor Schmalz, kann aber in der richtigen Stimmung sicherlich auch gefallen. „You“ knüpft nahtlos daran an. Bevor die Scheibe dann aber komplett in der Kitschecke versinkt gibt es mit „Hold Up A Light“ einen Up-Tempotrack zum guten Schluss. Ach ja, danach noch nicht auf Stopp drücken…
Fazit: „The Circus“ knüpft an das letzte Album nahtlos an. Überraschungen gibt es hier nicht, die hat aber auch sicher keiner erwartet. Trotzdem oder gerade deswegen ist die Scheibe ein gutes Popalbum geworden. Zudem haben Take That mit der Scheibe nun endgültig ihre Boyband-Vergangenheit hinter sich gelassen. Vielleicht merkt so bald auch der Letzte, dass man jetzt auch ruhig mal zugegeben darf, dass einem der ein oder andere Song der Vier gefällt, tut auch überhaupt nicht weh! Und für die Geschmackspolizei: The Killers machen mittlerweile mehr auf Kitsch und Pop – ehrlich. So.
Das Album anhören und Clips angucken kann man hier: