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Syd Barrett: Der „Crazy Diamond“ von Pink Floyd – Fotografien von Mick Rock Tipp

(Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag)

Autor: schlimm / Wertung: 11 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Syd Barrett Fotografien von Mick RockRoger Keith Barrett ist ein Mythos und eine Ikone zugleich. Eine Ikone der Rockmusik, eine Ikone als Songschreiber, eine Ikone als Boheme und nicht zuletzt die Ikone schlechthin der psychedelischen Musik. Der Mann, besser bekannt als Syd Barrett, ist nicht nur Namensgeber von Pink Floyd, sondern auch verantwortlich dafür, dass sie in den 60er Jahren einen größeren Bekanntheitsgrad erlangt haben. Er gab der Band nicht nur ihren Namen, sondern schrieb auch fast alle Songs für das erste Album „The Piper at the Gates of Dawn“ und die Singles „Arnold Lane“ und „See Emily play“, die der Gruppe zum Durchbruch verhalfen. In gewisser Weise ist er auch verantwortlich für „Wish You Were Here“ und „Shine On You Crazy Diamond“. Im Jahre 1974 traf er letztmalig in den Abbey Road Studios auf seine ehemaligen Bandkollegen, die ihn erst überhaupt nicht erkannten, dann aber eben diese beiden Lieder für ihn schrieben. Sechs Jahre zuvor war Barrett offiziell aus der Band ausgestiegen.

Der Versuch sich solo zu etablieren scheiterte, sicher nicht zuletzt auch an seiner Drogensucht. Er zog sich letztendlich gänzlich aus der Öffentlichkeit zurück und lebte bei seiner Mutter und war fortan wieder Roger Keith Barrett und wurde von der Welt fast vergessen. Die Kunstperson Syd Barrett lebte aber weiter und verschiedene Gerüchte rankten sich immer wieder um ihn, da war bis hin zum Tod alles dabei. Im Juli 2006 starb er schließlich zurückgezogen an den Folgen seiner Diabetes. Der Mythos Syd Barrett und seine Musik ist freilich ungebrochen, die Fangemeinde scheint heute größer denn je.

Durch den Tod ist der Künstler Syd Barrett auch wieder stärker in das Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit gerückt. Mal abgesehen von den posthumen Nachrufen hat das leider auch wieder eine Menge Leute auf den Plan gerufen, die einen schnellen Euro mit dem Namen verdienen wollten und so gab es doch die ein oder andere Veröffentlichung, die das Licht der Welt besser nicht erblickt hätte. Ganz anders sieht es allerdings mit dem vorliegenden Bildband aus. Wer, wenn nicht Mick Rock, hätte sonst das Recht etwas über Syd Barrett zu veröffentlichen? Gab es überhaupt außerhalb seiner Familie jemals einen Menschen der Barrett näher stand als der berühmte Rockfotograf? Die Frage dürfte wohl mit einem klaren NEIN zu beantworten sein. Jeder Textziffer und jedem Foto von „Der Crazy Diamond von Pink Floyd“ merkt man die besondere Beziehung der beiden Protagonisten an.

 

Auch wenn es sich hier in erster Linie um einen Bildband handelt, sollte dem geschriebenen Wort doch auch ein größeres Augenmerk gewidmet werden. Mick Rock berichtet wie er erstmals auf Barrett traf, welche Faszination von diesem ausging und wie letztendlich aus den beiden Freunde wurde. Ebenso gewährt Rock dem Leser Einblicke in diese Epoche der Musikgeschichte. Der Leser ist quasi mittendrin in dieser Zeit. Ein weiteres Schmankerl dürfte auch die ungekürzte(!) Fassung des letzten Interviews Barretts, das Mick Rock für den Rolling Stone geführt hat, sein. Nach diesem Text lechzen Fans ja schon seit Jahren, hier ist er. Insgesamt merkt man dem lebendigen Schreibstil die Begeisterung von Rock für diese Zeit und besonders für Barrett zwar deutlich an, aber nie verliert er eine gesunde Distanz zu dem Thema. Schnörkellos kommt Rock zum Punkt und erwähnt die wichtigsten Begebenheiten, andere würden dafür ganze Bücher brauchen und hätten vermutlich letztendlich weniger gesagt. Beeindruckend, wie es der Fotograf hier schafft, mit wenigen Sätzen die Dinge klar auf den Punkt zu bringen und dem Leser einen genauen Überblick zu verschaffen.

 

Die vorliegenden Fotografien spiegeln nicht nur das wieder, wer oder was Syd Barrett war, sondern sind im Grunde auch die ersten Gehversuche von Mick Rock als Fotograf. Beeindruckend, mit welcher Intensität er Barrett festhält. Bilder wie Gemälde, die eine solche Faszination auf den Betrachter ausüben und diesen nicht nur fesseln, sondern auch unweigerlich in ihren Bann ziehen. Über 150 Fotografien haben es in den Bildband geschafft. Davon sind neben bereits bekannten auch viele unveröffentlichte Bilder dabei. Die Fotos entstanden zwischen 1969 und 1971. Die erste Serie ist mit seinem auffälligen Cabrio der Marke Pontiac Parisienne entstanden. Barrett spielt mit der Kamera und gibt mal den entrückten Rockstar mit wirrem Blick und Haar, überrascht aber auch mit einem vereinnahmenden Lächeln. Die wohl berühmtesten Bilder zeigen Barrett und seine nackte Freundin in dessen Wohnung. Hier bekommt man auf dem Silber-Tablett die fragile Persönlichkeit serviert. Er wohnte in einem riesigen Zimmer, in dem es nur eine Matratze und einen Plattenspieler gab, Stühle waren nicht vorhanden. Genau diese Atmosphäre fängt Rock hier sehr genial ein. Auch die legendären, selbst angestrichenen Dielen kommen hier absolut phantastisch zur Geltung. Barrett selber scheint da schon nicht mehr auf dieser Welt zu wohnen, jedenfalls suggerieren einem dies die Fotos. Einen fast gänzlich anderen Menschen scheinen die Bilder im Garten der Mutter zu zeigen. Bevor sich Syd Barrett ganz aus der Öffentlichkeit zurück zog, sind diese im Jahr 1971 entstanden. Die Kamera hält fast schon einen gelösten und ungezwungenen Roger Keith Barrett fest. Daneben ist auch Mick Rock zusammen mit seinem Freund auf diversen Abbildungen zu sehen.

 

Fazit: Es gibt nicht viele Fotografen, die eine solche intime Atmosphäre erzeugen können wie Mick Rock. Die Fotos in diesem Bildband bestechen durch eine Intensität und eine Kraft, dass der Leser förmlich in einen Bann gezogen wird. Die Bilder scheinen im übertragenen Sinne eine Geschichte zu erzählen, eine Geschichte, die man mit vielen, vielen Worten nicht zu Papier bringen könnte – Bilder wie Kunstwerke. Dazu wird das Buch durch die knappen, aber essenziellen Erläuterungen ungemein bereichert. Insgesamt ein begeisterndes Werk, welches dazu noch die Geschichte von zwei Freunden wieder spiegelt!

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