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Sven van Thom: Phantomschmerz

(Warner)

Autor: schlimm / Wertung: 7,5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Sven van Thom gehört der neuen Generation der Internetsenkrechtstarter an. Sein Song „Trauriges Mädchen“ diente ursprünglich PRO7 nur für eine einfache Musikuntermalung eines Spielfilmtrailers. Daraus entwickelte sich dann ein regelrechter Hype. In wenigen Tagen wurde die Nummer bei Youtube über 100.000 mal angeklickt. MySpace konnte über 70.000 Besucher verzeichnen. Zu dieser Zeit gab es übrigens nicht mal ein Video für den Track. Das Duett mit der Hamburgerin Synje Norland war also schon ein Hit, bevor es offiziell veröffentlicht wurde. Sicherlich nicht die schlechteste Promotion und die Plattenfirma kam so auch ordentlich ans Rotieren.

Nicht nur die physische Single galt es schnell zu veröffentlichen, sondern auch das Album musste schnellstmöglich nachgeschoben werden. Mit „Phantomschmerz“ liegen nun dreizehn Songs des 30-jährigen vor. Aber wer ist dieser Sven van Thom überhaupt? Er wohnt in Berlin und hat nach eigener Aussage nur Ahnung von Musik und der Liebe. Fernseher und Radio hat und braucht er nicht und Zeitung liest er auch nur unregelmäßig. Aha. Blockflöte war dann eher nichts für ihn, dafür das Akkordeon umso mehr. Eine eigene Band hatte er auch schon und für Hip Hop konnte er sich eine zeitlang auch erwärmen. Und als er klein war, wollte er mal Sänger werden und mindestens so heiss wie Roland Kaiser und Roy Black. Soso.

Sänger ist er ja nun tatsächlich geworden, ob er so heiss wie Roland Kaiser und Roy Black ist, müssen andere beurteilen. Seine musikalischen Ergüsse haben bisweilen zwar einen schlageresken Einschlag, sonst aber nicht viel mit den beiden Helden des Schlagerfachs gemeinsam. Spätestens bei den Texten ist ein Vergleich dann nicht mehr gegeben. Humorvoll, ironisch und mit einer großen Prise Melancholie trägt uns Sven van Thom seine Geschichten über Liebe, die oftmals unglücklich verlaufen, vor.

Musikalisch bewegen sich die etwas mehr als 40 Minuten in Gitarrenpopgefilden. Angereichert wird die ganze Kiste mit ein paar Westernversatzstücken. Ennio Morricone kommt einem da als erstes in den Sinn. Der beigelegte Waschzettel spricht auch von Neil Young, Lee Hazlewood und Leonarad Cohen. Ja, irgendwie passt auch das. Insgesamt regieren hier die ruhigen Töne. Manchmal klingt das Gehörte nicht nur melancholisch, sondern regelrecht depressiv. „Ich könnte weinen“ wird sich vermutlich auch so mancher Hörer denken, der diese Nummer vernimmt. Genial wird es, wenn Schlager und Western („Terroristen aus Liebe“) miteinander verbunden werden. Andere Tracks leben natürlich von der Thematik. „Schatz halt´s Maul“ ist nicht nur lustig, sondern dürfte so ziemlich jedem Hörer bekannt vorkommen.

Wenn Sven van Thom Songs vom Schlage „Blender“ oder „Schlecht im Lügen“ vorträgt, dann ist das auf den ersten Blick wenig spannend, aber die sonore Stimme hebt das Gehörte dann doch wieder auf eine Stufe jenseits der Belanglosigkeit. Und stimmt: „Was ist eigentlich aus Jeannette geworden“? Luftig und beschwingte Popmusik – darf es durchaus auch mal sein. Am besten sind aber all´ die kleinen Alltagsbeobachtungen. Wenn Sven van Thom „Unsere erste Scheidung“ besingt ist das schon eine Kunst, von den sprachlichen Drehungen mal ganz abgesehen. Den standesgemäßen Ausklang gibt es dann mit „Wenn Du gehen willst“.

Fazit: Sven van Thom zeichnet sich auf seinem Debütalbum „Phantomschmerz“ in erster Linie durch seine Lyrik und Melancholie aus. Musikalisch ist dies meist in seichteren Gewässern angesiedelt, hat aber neben vielen netten Popmelodien auch einige interessante Versatzstücke von Country und Western zu bieten. Unter dem Strich ergibt dies ein sehr solides und okayes Werk, welches die große (Internet-)Fangemeinde sicher erfreuen wird.

www.sven-van-thom.de

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