Wie bringt man sich als Musiker nachhaltig in die Klatschpresse? Richtig! Man sorgt für einen gewollten oder ungewollten Skandal. Einstweilen reicht es völlig aus, wenn man sich dazu des einfachsten Stilmittels bedient und über Kollegen herzieht. Wenn es gut läuft, dann gibt es natürlich auch noch eine Retourkutsche. So kann man über einen längeren Zeitraum im Gespräch bleiben und das eigene Produkt, sprich die Musik, wird im besten Falle auch direkt noch interessant für die breite Masse. Das funktionierte schon bei den Rolling Stones und den Beatles, bei Oasis und Blur, Eminem und Everlast, Pete Doherty gegen jeden und und und. Zum Teil erreichten die Streitigkeiten auf ihren Höhepunkten Kultstatus, zum Teil war es einfach nur noch nervig. Entziehen konnten sich dem nur die Wenigsten. Lästern ist ja auch ein kleiner Volkssport geworden und in Zeiten von Big Brother und Konsorten braucht sich anscheinend auch keiner mehr für eine Portion Voyeurismus zu schämen.
„You Bitch! You Bastard!“ liefert nun einige der Streitigkeiten auf dem Silbertablett. Der Untertitel - Die größten Rock- und Popstars ziehen übereinander her – liefert im Grunde schon die Erklärung, worum es sich auf den knapp 200 Seiten dreht. Susan Black hat hier O-Töne von mehr oder weniger bekannten Stars über andere Stars zusammengetragen. Selbstredend handelt es sich dabei kaum um den Austausch von Nettigkeiten. Wer kennt sie nicht die tagtägliche Lästerei in unzähligen Büros, Fabrikhallen und Arbeitsplätzen dieser Welt? Rock- und Popstars sind da keine Ausnahme, wie man hier nachlesen kann.
Gegliedert ist das Buch in verschiedene Kapitel. Den interessantesten und polarisierendsten Personen ist jeweils ein eigenes gewidmet. Logisch, dass Oasis dabei sind und ja, die beiden Brüder Noel und Liam Gallagher haben schon für das ein oder andere Zitat für die Ewigkeit gesorgt, egal ob es sich um Kollegen dreht oder den eigenen Bruder. Der ein oder andere Schenkelklopfer ist schon dabei. Auch die Skandalnudel Nummer eins dieser Tage, Pete Doherty war für einen eigenen Abschnitt gut. Klar, dass auch Courtney Love, die sich schon mit allem und jedem angelegt hat, sowie Madonna oder auch z.B. Bono ganz besonders viel Aufmerksamkeit bekommen.
Andere Kapitel widmen sich den „Gesammelten Gemeinheiten“, den „Die Achtziger“, „Neue Helden“ oder auch den unsäglichen „Reunions & Comebacks“. Selten finden die hier zitierten Musikhelden ein gutes Wort für die Kollegen. Manche Dinge werden beim Leser für lautes Lachen sorgen, andere sind an Peinlichkeit fast schon nicht mehr zu überbieten. Ist immer eine Sache der eigenen Toleranz- und Schmerzgrenze.

Die gesammelten Zitate werden von vielen Illustrationen begleitet, was die ganze Geschichte noch zusätzlich auflockert. Wer von dem Buch allerdings mehr erwartet, wird enttäuscht werden. Eine Angabe, wann, wo und wie die einzelnen Statements entstanden sind sucht man hier vergeblich. Vieles ist so natürlich aus dem Kontext gerissen und für manche Sätze wären erklärende Zusammenhänge eventuell schon hilfreich gewesen, denn so macht es sich Susan Black vergleichsweise einfach Zitat an Zitat zu reihen.
Fazit: „You Bitch! You Bastard!“ liest sich hervorragend, wenn man die Seele einfach mal baumeln lassen möchte. Man wird als Leser bestens für ein paar Stunden unterhalten. Wer in der richtigen Stimmung ist, wird das Buch ganz sicher auch erst wieder aus der Hand legen, wenn die letzte Seite gelesen ist. „You Bitch! You Bastard!“ hat einfach einen ganz hohen Unterhaltungswert und ist im wahrsten Sinne des Wortes ein vorzügliches Lesevergnügen. Freilich, man sollte hier nichts hinterfragen. Wohin die Reise geht sollte aber schon der Buchtitel erklären und wer sich davon angesprochen fühlt, erhält einen etwas anderen Einblick in die Musikwelt. Auch mal schön!
Gibt es “You Bitch” auch in Englischer Sprache ?
Gruß Dieter
Comment by Dieter — March 24, 2008 @ 5:45 am