Bevor sich jetzt einer verwundert die Augen reibt: Ja, Supergrass sind noch da! Eigentlich kann man auch von "sind wieder da" sprechen. Mit „Diamond Hoo Ha“ liefern sie nun eine Art Comebackalbum ab. Zählte die Band in den 90ern noch zur Sperrspitze der Britpop-Bewegung im weitesten Sinne, so sind sie mittlerweile fast schon wieder in Vergessenheit geraten. Jüngere Kollegen haben sie links und rechts überholt. Was für immer bleiben wird, sind sicherlich Meilensteine wie „I Should Coco“ aus dem Jahre 95 und besonders das gleichnamige Werk „Supergrass“ von 99. Wer erinnert sich nicht gerne an „Moving“ oder „Pumping On Your Stereo“?! Letzteres setzte auf dem Videosektor auch ein dickes Ausrufezeichen. In der Zwischenzeit ist viel passiert. Neben ein paar eher belanglosen musikalischen Ergüssen, einer Best Of Compilation ist Drummer Danny Goffey zu allem Überfluss auch noch ausgestiegen.
Die Band scheint sich gefangen zu haben und so liegt nun abermals ein neues Album vor. Aufgenommen wurde die Scheibe in den Berliner Hansa Studios. Sicher nicht die schlechteste Wahl, wenn man auf die lange und legendäre Geschichte des Studios zurückblickt. Der ein oder andere große Wurf der Musikgeschichte wurde ja hier schon aufgenommen. Dies ist „Diamond Hoo Ha“ nicht. Trotzdem ist Supergrass ein gutes und zugleich auch erstaunliches Album gelungen.
Die Band mixt hier ihren bekannten Popappeal mit einer gehörigen Prise Rock und das ergibt in dieser Supergrass-Kombination fast schon eine Art Glamrock mit aktuellen Einflüssen der ganzen The Bands Bagage. Schon die erste Nummer lässt einen ungläubig auf die Hülle starren. Ist das auch wirklich die richtige CD? Sind das Supergrass? Oder doch etwa The Hives? Kaiser Chiefs? „Diamond Hoo Ha Man“ haut gleich auf die sprichwörtliche Kacke. Einmal Fahrt aufgenommen, macht „Bad Blood“ auch keine Gefangenen und hält das Tempo weiterhin hoch. „Rebel In You“ ist bei den jungen Kollegen fast schon dreist geklaut, macht aber in Supergrass-Gewand trotzdem eine Menge Spaß. Ruhigere und melancholischere Töne gibt es freilich auch, man höre dazu bitte „When I Needed You“. Und wer sich schon immer gefragt hat, wie The Strokes wohl im Glamgewand klingen würden, der sollte unbedingt „The Return of…“ hören.
Fazit: „Diamond Hoo Ha“ kann an die ganz großen Meisterwerke von Supergrass sicher nicht heranreichen. Trotzdem ist die Scheibe eine erfreuliche Weiterentwicklung zu den eher langweiligen letzten musikalischen Lebenszeichen. Die Band ist so locker im Hier und Jetzt angekommen und dies, ohne sich dem Zeitgeist anzubiedern. Eine erfreuliche Scheibe, die sogar die Gabe besitzt, mit jedem weiteren Hördurchlauf zu wachsen. In dieser Form bleiben uns Supergrass hoffentlich noch ein Weilchen erhalten.