Stieg Larsson hat mit der Trilogie „Verblendung“, „Verdammnis“ und „Vergebung“ eine immens erfolgreiche Buchserie hingelegt, die in den europäischen Bestenlisten ganz vorne zu finden waren. Mit seiner „Millenium-Trilogie“ wurde Larsson zu einem der erfolgreichsten Autoren der vergangenen Jahre. Alleine in Deutschland lockten die Romane weit über drei Millionen Käufer und man kann davon ausgehen, dass das Ende der Fahnenstange noch längst nicht erreicht ist.
Der erste Teil „Verblendung“ erschien im Jahre 2006 und eigentlich war eine filmische Umsetzung nur eine Frage der Zeit. In Deutschland lockte der Film schließlich 650.000 Kinogänger an und wenn man sich die Zahlen aus Skandinavien, Italien, Frankreich und Spanien anguckt, dann kann man „Verblendung“ durchaus als europäischen Blockbuster bezeichnen.
Der zweite Teil „Verdammnis“ der Trilogie kommt am 4. Februar in die Kinos und pünktlich zum Start steht nun auch die DVD des Auftaktes von „Verblendung“ in den Läden. Einem spannenden ersten Februarwochenende steht somit also nichts mehr im Wege. Aber Vorsicht, ein langes Nachhallen der Geschehnisse ist förmlich vorprogrammiert.
„Verblendung“ ist mit 147 Minuten recht lange und es braucht ein paar Minuten, bis die Geschichte an Fahrt aufnimmt und man gefesselt wird – dann aber richtig. Diese Anlaufzeit ist für den weiteren Verlauf aber genau richtig und für den Erzählstrang absolut förderlich. Als Zuschauer wird man so ganz langsam mitgenommen auf eine Reise in die Abgründe menschlichen Seins. Der Film brilliert mit einer unglaublichen Dichte und einer bedrohlichen Atmosphäre.
Worum geht es? Vor dreiundvierzig Jahren ist die sechszehnjährige Harriet Vanger während eines Familientreffens spurlos verschwunden. Die Ermittlungen der Polizei verliefen allesamt ins Leere und konnten keinen Anhaltspunkt liefern, was das Verschwinden des Mädchens erklären würde. Ihr Onkel, Henrik Vanger, erhält seitdem jedes Jahr zum Geburtstag eine gepresste Blume hinter Glas. Da kommt der Enthüllungsjournalist Mikael Blomkvist ins Spiel, der gerade zu einer Haftstrafe verurteilt wurde und vor seinem Haftantritt nun das Schicksal von Harriet Vanger untersuchen soll. Blomkvist selber ist im Visier der Ermittlerin und Hackerin Lisbeth Salander, die nach der Verurteilung des Journalisten ihr Netz seiner Überwachung aufrechterhält.
Daneben gibt es zunächst noch einen weiteren Erzählstrang, der schon erahnen lässt, dass Salander in ihrem Leben auch schon einiges durchmachen musste. Ihr neuer Vormund ist zudem alles andere als an ihrem Wohlbefinden interessiert und verfolgt ganz eigene Interessen. Letztlich kreuzen sich die Wege von Blomkvist und Salander und fortan versuchen sie gemeinsam die Geschichte der einflussreichen Industriellenfamilie Vanger zu entwirren. Sie stoßen dabei auf Grausames, Erschreckendes, Unerträgliches – kurzum ein Blick in die tiefsten menschlichen Abgründe.
Hört sich vielleicht auf den ersten Blick verworren und kompliziert an, ist aber grandios und brillant umgesetzt worden und keine der 147 Minuten ist verschenkt. Man ist als Zuschauer derart von der Geschichte gefangen, dass man auch eventuelle Logiklöcher nicht hinterfragt. Neben der dichten Atmosphäre überzeugt auch die Kameraführung. Was wäre eine Vorlage ohne die entsprechende Umsetzung auf schauspielerische Ebene? Auch in dieser Hinsicht lässt „Verblendung“ keine Wünsche offen und gerade Michael Nyqvist als Mikael Blomkvist und Noomi Rapace in der Rolle der Lisbeth Salander geben ihren Charakteren nicht nur ein Gesicht, sondern auch eine Seele. Nicht umsonst ist Noomi Rapace für den europäischen Filmpreis nominiert.
Das Bonusmaterial ist etwas dürftig ausgefallen. Neben Interviews mit den beiden Hauptdarstellern gibt es noch einen Teaser für den zweiten Teil „Verdammnis“, der eigentlich den Namen nicht verdient und doch mehr als kurz ausgefallen ist. Selbigen brauchte es aber auch nicht, denn wer sich „Verblendung“ angeschaut oder gelesen hat, der wird unter Garantie auch „Verdammnis“ sehen und lesen wollen.
Fazit: Die filmische Umsetzung des Erfolgsbuches „Verblendung“ ist als äußerst gelungen zu bezeichnen. Die nicht ganz einfache Vorlage wurde auch visuell geschickt in Szene gesetzt und kann in allen Belangen punkten. Die Geschichte wird man so schnell nicht wieder vergessen…Muss und sollte man gesehen haben!
