Die Stereophonics haben eine Pause eingelegt und keiner hat es gemerkt. Das liegt mitunter allerdings nicht daran, dass keiner die Band vermissen würde, sondern weil die Jungs in den letzten Jahren fleißig wie kaum eine zweite Band waren. Album-Tour-Album-Tour war der natürliche Rhythmus der Drei. In acht Jahren brachten sie es somit auf respektable fünf Alben. Das Zweitwerk aus dem Jahre 99 „Performance And Cocktails“ katapultierte die Gruppe förmlich durch die Decke und ab da ging es so richtig rund. Fortan driftete über die Jahre besonders Kelly Jones immer mehr in typisches Rockstargehabe ab. Innerhalb der Band gab es auch die ein oder andere Spannung und Klippe zu umschiffen, was letztendlich zum Rauswurf von Drummer Stuart führte. Mit dem Argentinier Javier Weyler machte man sich frisch ans Werk. Nach dem Album „Language Sex Violence Other?“ aus dem Jahre 2005 legte man im folgenden Jahr die Band erstmal auf Eis. Anlass dafür war unter anderem ein Todesfall in Kelly Jones Familie. Dies lenkte anscheinend auch noch mal den Fokus darauf, was wirklich wichtig ist und so kamen die Stereophonics wieder zusammen und machten sich an die Arbeit von „Pull The Pin“.
Laut Jones sind die Drei mit der Energie der Anfangstage zu Werke gegangen. Richard ergänzt dazu, „Wir hatten keinen Druck, wir haben nur losgelegt und hatten unseren Spaß“. Zehn Songs in zehn Tagen! Nichts soll hier bemüht sein und angeblich ging alles wie von selbst. Unter dem Strich liegen nun zwölf Tracks vor, die sich über die Mini-Dramen unserer Zeit, aber auch Verlust und Sehnsucht drehen. Spannend dürfte die musikalische Umsetzung sein…
Und diese haut zu Albumbeginn mit „Soldiers Make Good Targets“ mächtig auf den Putz. Die Beine gespreizt, die Gitarre rein und los geht es. Langsam kommt der Song in Fahrt, um dann im Refrain einen wahren Ausbruch zu erleben. Holla, was für ein Auftakt. „Pass The Buck“ knüpft an die Rock-Attitüde nahtlos an, ist besonders vom Gesang aber noch eine Stufe lässiger und erinnert irgendwo fast schon an The Breeders. Die Stereophonics wären aber nicht die Stereophonics, wenn sie nicht auch wieder die für sie so charakteristischen Balladen und Halbballaden anstimmen würden. „It Means Nothing“ ist so ein solider Vertreter dieser Zunft. „Bank Holiday Monday“ macht dann aber wieder einen auf dicke Hose, bevor es mit „Daisy Lane“ in ruhigen Gefilden weitergeht - leider auch etwas belanglos, plätschert dann doch zu sehr gen große Langeweile. Wie es besser geht zeigt die Band mit dem anschließenden „Stone“ mit seinem langsamen und epischen Aufbau.
„My Friends“ startet die zweite Albumhälfte in rockiger Manier, nett, haut aber sicher keinen aus den Stiefeln. „I Could Lose Ya“ ist da leider nur unwesentlich besser. Nach dieser kleinen Durststrecke wird es dann mit „Bright Red Star“ wieder besser. Hier kommt die ganze Stärke und Kelly Jones feines Händchen für die ruhigen Momente zum tragen – sehr schön. Bei „Ladyluck“ packt die Band alles rein, was man unter typischen Stereophonics-Sound beschreiben könnte. Leise Töne bauen sich zur großen Rockkeule auf und enden in einem hymnenartigen Refrain. In dieser Konstellation macht den Jungs da so schnell keiner was vor. „Crush“ lässt „Pull The Pin“ ganz solide auf die Zielgerade einbiegen, bevor es mit „Drowning“ einen sehr schönen Abschluss der Platte gibt.
Fazit: Mit diesem Album haben die Stereophonics die Musik und sich selber sicher nicht neu erfunden. Allerdings hört man dem Werk schon an, dass die Aufnahmen der Band eine Menge Spaß gemacht haben müssen. Die ganzen guten Zutaten der Stereophonics sind hier auch wieder reichlich vorhanden, da fallen die paar schlechten sicher nicht besonders ins Gewicht. Unterm dem Strich ist „Pull The Pin“ so erfreulich solide geraten, die Band scheint mit sich und ihrer Umwelt im Reinen und hat ihren Platz gefunden – was will man mehr?