Den Namen Marley braucht man sicher nicht mehr näher vorstellen. Wie kaum ein anderer hat dieser das Reggae Genre geprägt. Den berühmten Vater Bob kennt jeder der sich nur ansatzweise für Musik interessiert, unabhängig davon ob man dem Musikstil nun was abgewinnen kann oder nicht. Fünf Grammys konnte Marley schon gewinnen, so viele wie kein anderer Reggae-Künstler vor ihm. Hier ist jetzt im Übrigen nicht die Rede vom großen Bob, sondern von seinem Sohn Stephen Marley!
Mit „Mind Control“ bringt er nun endlich sein Debüt-Album an den Start. Wer sich jetzt fragt wie er dann schon so viele Auszeichnungen sein eigen nennen kann, dem sei gesagt, dass der Mann für seine Produktions-, Performance- und Schreibfertigkeiten bewundert wird und letztendlich auch den ein oder anderen Preis abräumen konnte. Jahrelang war er u.a. mit seinen Geschwistern als The Melody Makers unterwegs und konnte auch hier viel Aufmerksamkeit erregen.
Dies sollte ihm auch mit seinem Erstlingswerk unter eigenem Namen gelingen. Die elf Tracks von „Mind Control“ reihen sich nahtlos und spielerisch in das große Reggae Genre ein und brauchen sich auch nicht hinter den übermächtig erscheinenden Klassikern zu verstecken. Dieses Album dürfte Bob Marley irgendwo da oben mit mächtig viel Stolz erfüllen. Für Stephen Marley werden jetzt zwangsläufig wieder die Vergleiche mit seinem Vater kommen, eine schwere Bürde und sicher auch eine große Last. „Mind Control“ braucht den Vergleich aber nicht scheuen, genauso würde heute vielleicht Bob klingen und ein größeres Kompliment kann es eigentlich nicht geben.
Die Stimmen von Vater und Sohn gleichen sich in manchen Momenten so stark, dass man oftmals den Eindruck hat, man hat es hier mit bisher noch unveröffentlichten Tracks von Bob zu tun. Der gesellschaftskritische Albumopener und Titeltrack „Mind Control“ ist ein Beleg dafür, sowohl stimmlich, wie auch musikalisch. Bei Song zwei, „Hey Baby“ bekommt Stephen Unterstützung von der New Yorker HipHop-Legende Mos Def. Sehr entspannt und mit ganz dezent eingesetzten Hiphop Beats schält sich das Stück aus den Boxen. Diesen Track hat Stephen übrigens immer seinen Kindern als Schlaflied vorgesungen. Nach dem kurzen Interlude „Officer Jimmy“ geht es mit „Iron Bars“ mit treibenden Beats und einem Rappart im Mittelteil weiter. Julian Marley unterstützt dabei seinen Bruder. Bei „The Traffic Jam“ ist es wiederum Damian. Musikalisch mit Human Beat Box und im Ragga- und Rapstil sicher das außergewöhnlichste Experiment der Platte. Ob gelungen oder nicht muss jeder für sich selber entscheiden, meine Welt ist das nicht.
„You’re Gonna Leave“ ist nett, mehr aber auch nicht, plätschert ein bisschen so vor sich hin. „Chase Dem“ hat dann wieder alles was einen guten Marley Song ausmacht. Das hätte das berühmteste Familienmitglied sicher seinerzeit nicht besser machen können. Rootsreggae wie er besser nicht sein könnte, ganz groß! „Lonely Avenue“ schlägt in dieselbe Kerbe ist allerdings mit dem Chor im Rücken fast noch eine Spur intensiver. Eine sehr schöne Version des Ray-Charles-Klassikers. „Let Her Dance“ verbreite schon karibisches Flair, durchzogen mit dieser typischen Melancholie. Lediglich der Rappart hätte nicht sein müssen, stört doch etwas den Fluss des Songs. „Fed Up“ ist ein bunter Stilmix mit einer Flöte als tragendes musikalisches Element. Insgesamt sehr nachdenklicher Track. Den Abschluss der Scheibe gibt es dann mit „Inna di Red“. Gemeinsam mit Ben Harper sinniert er hier über den inneren Frieden des Menschen. Sehr ruhiger, aber doch eindringlicher Ausklang von „Mind Control“.
Fazit: „Mind Control“ ist in seiner Gesamtheit gesehen ein ganz tolles Werk. Stephen Marley kombiniert hier moderne Sounds mit Roots-Vibes und Klängen. Herausgekommen ist ein sehr feines Gemisch aus feinsten Reggaeklängen. Wer auch nur im Ansatz etwas für diese Musikrichtung übrig hat, der wird um dieses Album nicht herumkommen!