Soul in deutscher Sprache ist erstmal gewöhnungsbedürftig. Viel zu sehr hat man da die ganz großen Klassiker in englischer Sprache im Ohr. Umso schwerer erscheint es, eben diese Klassiker in deutscher Sprache zu interpretieren und aufzunehmen. Stefan Gwildis rief im Jahre 2003 ein Projekt ins Leben, dass sich eben mit dieser Thematik befasst. Seine deutsche Neubearbeitung von Soul-Klassikern konnte mit dem Album „Neues Spiel“ Kritiker und Fans gleichermaßen beeindrucken. Auch die folgenden musikalischen Arbeiten konnten überzeugen – auch in kommerzieller Hinsicht.
Mit „Wünscht Du Wärst Hier“ geht es also in die nächste Runde. Fans werden hier wieder voll und ganz auf ihre Kosten kommen. Neuinterpretationen von Soul-Klassikern wechseln sich mit Eigenkompositionen ab, die sich nahtlos in das Album einfügen. Die Instrumentierung ist allererste Sahne. Jedes musikalisches Rädchen sitzt perfekt. Die Scheibe strahlt so eine wohlige und warme Atmosphäre aus. Der Gesang von Stefan Gwildis ist auf den Punkt gebracht und wenn er sich mit Reibeisenstimme zum traurigen Refrain in „Keines Menschen Auge (Caruso)“ aufschwingt, stellt sich das ein oder andere Körperhaar auf.
Trotzdem ist es schon seltsam, wenn man plötzlich Klassiker wie „Big Yellow Taxi“ (hier „Wenn Es Weg Ist“) von Joni Mitchell oder „Soul Man“ (hier „Soul Fan“) von Isaac Hayes in deutscher Sprache hört. Die Umsetzung ist dabei sogar recht gelungen und auch die gesangliche Interpretation weiß zu gefallen, aber irgendwie hat man manchmal das Gefühl, dass hier zusammengefügt wurde, was nicht zusammengehört. Ausgerechnet beim Marc Cohn Hit „Walking in Memphis“ (hier „Gestern War Gestern“) ist man allerdings endgültig überzeugt, dass Stefan Gwildis das richtige macht. Michy Reincke gebührt zudem noch ein besonderes Lob, der seinem Freund bei der gesamten Scheibe unter die Arme gegriffen hat.
Aber auch eine Eigenkomposition wie Muhammed Ali ist äußerst gelungen und nicht nur textlich eine Verbeugung vor einem Idol, sondern auch musikalisch vor den ganz Großen Soulkünstlern. Auch „Wünscht Du Wärst Hier“ oder „Wundervolles Wunder“ reihen sich da nahtlos ein.
Fazit: Stefan Gwildis ist mit „Wünscht Du Wärst Hier“ wieder ein Album geglückt, welches zeigt, dass Soul auch in deutscher Sprache funktionieren kann. Auch die Umsetzung Klassiker in unsere Sprache zu übersetzen ist sehr geglückt. Wer erstmals damit in Berührung kommt, hat vielleicht anfänglich noch Problem damit, aber letztlich überzeugt Gwildis mit seiner Stimme und einer tollen Band im Rücken. Eine Frage stellt sich aber: Was bitte hat denn die Covergestalter geritten? Junge Junge, das dürfte dieses Jahr nicht mehr zu unterbieten sein, dabei ist das Booklet ansonsten gar nicht so schlecht und die Damenwelt sollte schon mal die Lupe bereithalten, wer das Dingen genauer unter selbige nimmt, weiß bald warum…
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