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Sportfreunde Stiller: La Bum

(Universal)

Autor: schlimm / Wertung: 8 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Sportfreunde Stiller La BumErfolg ruft ja bekanntlich immer Neider auf den Plan. Demnach müssten die Sportfreunde Stiller LKW-Ladungen dieser Spezies davon voll haben. Und in der Tat, da waren sie wieder, die üblichen Vorwürfe, die der geneigte Indie-Hörer an dieser Stelle dann immer anbringt. Vermutlich aber vorher noch mal eben den ersten Nummer Eins Hit der Band „54, 74, 90, 2006“ mitgegrölt. Ja, der Song war immens erfolgreich (der Meistgedownloadete Song der deutschen Musikgeschichte), das Album „You Have To Win Zweikampf“ ebenso und ja, im Jahr 2006 gab es fast eine Überdosis Sportfreunde Stiller. Den Plattenvertrag mit einem Majorlabel hatten sie allerdings auch schon vorher in der Tasche und die drei Studioalben bis hier konnten auch den ein oder anderen Erfolg verbuchen. Es sollte vielleicht einfach mal ein Umdenken stattfinden und nicht direkt vom großen Ausverkauf die Rede sein. Qualität setzt sich halt doch durch. Und was Qualität ist kann auch von unterschiedlicher Auffassung sein – Geschmackssache eben. Puh, lange Vorrede für das neue Album „La Bum“. Aber den ein oder anderen Vorwurf an die Adresse der Band kann man einfach nicht mehr hören und wieso darf sie kein „Herzensalbum“ über Fußball aufnehmen? Andere Gruppen nehmen ganze Werke über Haare auf…

Kommen wir also zum Hier und Jetzt. „La Bum“ ist ein typisches Sportfreunde Stiller Album. Nein, die drei Jungs schmoren nicht im eigenen Saft, sondern besinnen sich auf sämtliche Stärken, aber auch Schwächen, die sie bisher auszeichneten – fast so, als hätte das WM-Jahr 2006 nicht stattgefunden. Da ist er wieder so manch holpriger Reim, aber dafür hat man die Sportfreunde Stiller ja auch ins Herz geschlossen. Geschichten, die jeder kennt, werden wieder mit klaren Worten artikuliert. Alles klar? „Alles Roger!“

Eröffnet wird die Scheibe mit Sirenengeheul, ein amtlicher Einstieg. „Der Titel Vom Nächsten Kapitel“ kommt schön rockig um die Ecke, mit einem dieser unwiderstehlichen Refrains aus dem Hause der Sportis. Inhaltlich dürfte sich so ziemlich jeder hier angesprochen fühlen. Kommunikationsstörungen und Missverständnisse werden im folgenden „Alles Roger!“ behandelt. Ein augenzwinkernder Text mit ernstem Hintergrund um den Fremdwörterwahn. Die ganze Chose wird dazu schön rockig vorgetragen. Wer genau hinhört, der wird eine kleine Neuerung im Bandkosmos feststellen. „995er Tief über Island“ haut doch tatsächlich das erste Gitarrensolo der Sportfreunde raus. „(Tu Nur Das) Was Dein Herz Dir Sagt“ erinnert an Tomte, allerdings auch nur wegen des Titels. Der Text stammt aus der Feder von Flo. Hier handelt es sich um eine Art Halbballade mit jeder Menge dick aufgetragener Streicher. „Ohne Deine Liebe“ knüpft danach hieran nahtlos an. „Eine Gute Nacht“ beendet die erste Albumhälfte dann aber wieder in Rockgefilden um im Refrain dann allerdings deutlich die Tür in Richtung NDW aufzuschlagen. Dazu noch ein gekonnter Schachzug, denn den Refrain kennt jeder, oder wer hat als Kind nicht auch „Da oben leuchten die Sterne, und hier unten leuchten wir“ gesungen?

Seite zwei eröffnet Bassist Rüde oder besser gesagt sein Text zu „In Umittelbarer Ferne“ Eine sehr gefühlvolle und sehnsuchtsvolle Ballade darüber, wie es ist, wenn man von seinem Partner gerade getrennt ist. „Mo(nu)ment“ tritt anschließend wieder mehr aufs Gaspedal – ein sehr solider Sportfreunde Stiller Song. „Anders als auf Ansichtskarten“ hat schon Züge von einem Aufzählreim, lockert die ganze Geschichte zum Ende und auf der Zielgeraden des Albums noch mal sehr schön auf. Eine weitere Neuerung gibt es bei „Sodom“ und mit Rüde am Mikrofon – jedenfalls im Mittelteil. Musikalisch scheppert es in bester Sportis-Manier. Abgeschlossen wird der elf Song starke Reigen mit dem Track „Legenden“. Ein Song, der bewusst allgemein inspirierenden Menschen und Vorbildern gewidmet ist. Zwischendurch meint man fast (und jetzt bitte nicht „schlagen“) Volker Lechtenbrink mit seinem „Ich mag“ zu hören, bevor „La Bum“ mit jeder Menge „Nanananas“ in „Hey Jude“-Manier ausklingt.

Fazit: Mit „La Bum“ ist den Sportfreunde Stiller wieder ein sehr nettes und solides Album gelungen. Einen Ausfall sucht man zwischen den elf Songs vergeblich. Damit dürfte sich der Dreier endgültig einen festen Platz im deutschen Musikhimmel gesichert haben. Auch 2007 kann somit wieder ein Jahr für Sportfreunde werden, auch wenn es vermutlich etwas Stiller wird als noch im Jahr 2006 – aber es ist ja auch nicht jedes Jahr WM, 2010 dann wieder, aber bis dahin genießen wir lieber ein paar andere Kapitel, einstweilen aus „La Bum“.

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