Ein neues Album von Solea gleicht fast schon einer kleinen Sensation. Eben diese gibt es nun mit „Finally We Are Nowhere“ auf die Ohren. Führt man sich das Werk allerdings zu Gemüte, dann offenbart sich eine Sensation ganz anderer Natur: die Songs! Was die vier Bandmitglieder hier abliefern verdient nicht nur höchsten Respekt, sondern auch Anerkennung. Ein verdammtes Genremeisterwerk liefern sie ab und dies trotz aller Probleme und Schwierigkeiten, die es rund um die Entstehung der Scheibe gab. Oder sollte man besser sagen, gerade diese Hürden haben die Scheibe zu dem werden lassen, was sie letztlich ist – ein musikalisches Kleinod?
Die Vorzeichen für das Zweitlingswerk waren nicht gerade auf grün gestellt. Mit Bassist Joe Orlando stieg zeitweise ein Mitglied aus und Garrett Klahn (vormals Texas Is The Reason und New Rising Songs) verlor sogar komplett das Interesse musikalisch tätig zu sein. Songschreiber und Gitarrist Sergie Loobkoff lies sich allerdings nicht entmutigen und schnappte sich mit Scott McPherson, dem Ex-Drummer von Elliott Smith und aktuellem Livemitglied in der Band von Beck, einen weiteren wichtigen Bestandteil des Sounds von Solea und verschanzte sich im Studio. Was natürlich fehlte war die prägnante Stimme von Klahn. Die Aufnahmen mit ihm wurden dann doch noch im Frühjahr 2006 in Los Angeles fertig gestellt. Warum es letztlich so lange gedauert hat, bis das Dingen auch bei uns erscheint ist zweitrangig – Hauptsache es erscheint nun endlich überhaupt.
Das Album kommt nun mehr aus der Indieecke und hat mit Hardcore nur noch wenig am Hut. Solea schlagen ihre Zelte nun eher im gesitteten Emo-Rock auf. Selbstverständlich lassen sich die Punkwurzeln nicht verleugnen, aber das will die Band hörbar auch nicht. Solea klingen allerdings nicht wir so viele ihrer pubertierenden Genrekollegen, sondern wesentlich erwachsener. Die zehn Songs sind allesamt mit einer melancholischen Note durchzogen. Ein feines Händchen für Songwriting wurde hier bewiesen. „Sights Filled With Sounds“ oder „Miles and Miles“ sind verdammte Hymnen und dies ohne auch nur den Anflug eines Klischees. Wenn sich „Carry On“ in melancholische Gefilde aufschwingt und dabei ohne jeglichen Kitsch auskommt, ist das schon eine Kunst. Selbst eine balladesk angehauchte Nummer wie „Almost Innocent“ überzeugt mit einer simplen Genialität.
Fazit: „Finally We Are Nowhere“ ist nicht nur ein verdammt starkes Album für und von Solea, sondern für das komplette Emo-Genre. Ein so authentisches Werk hat man dort schon sehr lange nicht mehr gehört. Solea kommen ohne den Anflug einer Peinlichkeit bestens aus und die gesamten Probleme im Vorfeld hört man der Scheibe einfach nicht an, die klingt nämlich wie aus einem Guss!