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Sönke Wortmann: Deutschland. Ein Sommermärchen. Das WM-Tagebuch von Sönke Wortmann. TIPP

(Tacheles! / Roof Music)

Autor: DJ / Wertung: 10.5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Bild von Sönke Wortmann - Deutschland. Ein Sommermärchen. Das WM-Tagebuch von Sönke Wortmann.Klappentext: Wenn Jens Lehmann den nächsten Schuss abwehrt, sind wir durch. Man sieht die Angst im Gesicht des Argentiniers. Er läuft an und schießt mit links. Der Ball fliegt halbhoch nach rechts, und Jens springt. Er hat ihn, wir reißen die Arme hoch und rennen los. Wir sind im Halbfinale. Und ich bin mitten in dem Traum, den gerade Millionen in Deutschland träumen, jubelnd auf den Straßen und Plätzen, in Kneipen oder daheim in ihren Wohnungen. Ich laufe auf die Traube von Spielern zu, mit denen ich unter einem Dach lebe, mit denen ich esse, ins Stadion fahre und in die Kabine gehe …

Inhalt: Was soll man noch groß über die Fußball-WM in Deutschland schreiben, das nicht eh schon geschrieben wurde. Wohl kaum jemand konnte sich der Fußballbegeisterung und –faszination in diesem Land entziehen – egal ob Fußballfan oder Fußballfeind. Vier Wochen Party bei sonnigen Temperaturen und ausgelassener Stimmung trieben die Brauereien in Engpässe und den Stolz auf das eigene Land ohne Scham für ein paar Augenblicke in die Höhe. Auf einmal hatten sich alle ganz doll lieb – und selbst in den dunklen Stunden des Halbfinal-Aus gegen Italien zeigte man sich noch als gute Verlierer. Und feierte den dritten Platz wie den Gewinner der Weltmeisterschaft.

Sönke Wortmann gelingt nicht nur mit seinem Film, sondern auch mit dem Tagebuch zum Dreh die Stimmung noch einmal für wenige Stunden neu aufleben zu lassen. Dabei geht das Tagebuch nicht nur auf die WM selber sein, steigt nicht nur hinter die Kulissen, sondern lässt einen auch an den Gedanken der Person Wortmann teilhaben. Und Wortmann selber beschreibt durchaus eine Distanz zum Land Deutschland, zur deutschen Kultur und Mentalität, die vielen in diesem Land vertraut sein dürfte.

Aber er stellt auch dar, wie sich diese Haltung im Verlauf seiner Arbeit und vor Allem im Rausch der WM gewandelt hat. Neben interessanten Einsichten in die Arbeit Wortmanns, einer Beschreibung der Ereignisse vor, während und nach der WM aus seiner Sicht, bekommt man teils auch noch kleine Weisheiten präsentiert. Diese sind nicht dick aufgetragen, nicht arrogant herausgehauen, sondern subtil in die Erzählung eingebaut. Und vielleicht liefert Wortmann eine gesunde Erklärung für das Phänomen der neu erwachten Vaterlandsliebe, die diese Form des Patriotismus nicht mehr als gefährlich, sondern äußerst sympathisch erscheinen lassen: Man kann sich selber nur lieben, wenn man auch die anderen liebt.

Deutschland. Ein Sommermärchen. Das WM-Tagebuch kann daher nicht nur Fußballjecken uneingeschränkt empfohlen werden. Es macht schlicht Spaß, den Gedanken Wortmanns zu folgen. Und Erzähler Stefan Gebelhoff nimmt einen dank charmantem Vortrag mit auf diese spannende Reise.

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