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Snow Patrol: A Hundred Million Suns

(Universal)

Autor: schlimm / Wertung: 7 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Snow Patrol sind eine der Bands, deren Mitglieder so herrlich unscheinbar sind, dass selbst die Fans vermutlich nicht mitbekommen, wenn sie in der Bahn neben ihnen sitzen. Nein, Snow Patrol entsprechen so überhaupt nicht dem Prototyp eines Rockstars und sie versuchen sich auch nicht gestenreich in Szene zu setzen. Snow Patrol lassen lieber ihre Musik in Form ihrer Songs und Alben für sich sprechen. Und diese Sprache ist mehr als deutlich, denn es gibt nicht viele britische Bands, die dem Fünfer das Wasser reichen können. Ihr letztes Album wurde weltweit über 4,5 Millionen Mal verkauft. Die Single „Chasing Cars“ berührte Millionen und lief im Radio den liebenlangen Tag rauf und runter.

Selbstverständlich weckt dies in der Musikbranche Begehrlichkeiten und manch einer zieht schon Vergleiche, die Snow Patrol weder erfüllen können, noch erfüllen möchten. Natürlich ist es unbestritten, dass die Erwartungen an das neue Album immens hoch sein dürften. Aufgenommen wurde „A Hundred Million Suns“ in den legendären Berliner Hansa Studios. Hier ist schon so manches Album entstanden, welches auf alle Ewigkeit Einzug in die Ruhmeshalle der ganz großen Meisterwerke erhalten hat. Weitere Aufnahmen entstanden in der Grouse Lodge in Irland. Als Produzent holten sie sich Jacknife Lee ins Boot und wenn man dies alles aufsummiert, dann kommt man fast zwangsläufig wieder zu einer anderen Band, die oftmals genannt wird, wenn ein Vergleich bemüht wird – U2.

„A Hundred Milllion Suns“ wird die Erwartungen der breiten Masse sicher nicht erfüllen, dürfte aber bei der treuen Anhängerschaft für wesentlich mehr Euphorie sorgen. Das Werk scheint nicht ganz so angepasst zu sein – die Radiotauglichkeit ist jedenfalls nicht durchgängig gegeben. Das war und ist ja auch bekanntlich noch nie eine Qualitätsmerkmal gewesen. Natürlich findet man auch auf diesem Album wieder sämtliche musikalischen Zutaten, die man von Snow Patrol kennt.

Schon „If There’s a Rocket Tie Me to It“ dürfte alle glücklich stellen, die diese Band ins Herz geschlossen haben. Die Nummer baut sich langsam auf, es schwingt diese latent melancholische Grundstimmung mit und zum Schluss hin mündet der Song wieder in einer kleinen Hymne. „Crack the Shutters“ ist auch in diesem Fahrwasser angesiedelt, hat aber noch eine Spur mehr Pathos zu bieten. Alles zwar nicht neu, aber auf dieser Spielwiese fühlen sich Snow Patrol anscheinend sehr wohl und die Tracks haben durchaus Klasse. Die solide Single „Take Back The City“ kommt dafür etwas rockiger daher und schneller auf den Punkt, kann aber nicht an die bisherigen Singles der Band anknüpfen.

Danach wird die Scheibe merklich ruhiger und somit leider auch etwas langweilig, weil einfach die guten und zündenden Ideen fehlen. „Lifeboats“ weiß zwar noch zu gefallen, aber spätestens bei dem einfallslosen „Golden Floor“ ist man als Zuhörer etwas ratlos. Dabei sind doch eigentlich gerade die leisen Zwischentöne eine der Stärken von Snow Patrol – nur irgendwie zünden diese hier nicht, da helfen auch elektronischen Stilmittel wenig. Irgendwie gefallen diesmal die schnellen Stücke besser. „Please Just Take These Photos from My Hands“ überzeugt da schon eher mit einem sehr schönen Spannungsbogen und auch „Engines“ oder „Disaster Button“ graben sich eher in das Gedächtnis ein, als der etwas uninspirierte und ruhige Rest.

Fazit: Mit „A Hundred Million Suns“ haben Snow Patrol zwar kein schwaches, aber ein zwiespältiges Werk abgeliefert. Diesmal sind ausgerechnet die schnellen und rockigen Songs das Faustpfand dafür, dass die Scheibe nicht im langweiligen Mittelmaß versinkt. Gerade die Stärken von Snow Patrol, die bisher eher im ruhigen und melancholischen Klang lagen, kommen diesmal nicht richtig zur Geltung oder wirken merkwürdig uninspiriert. Auf der anderen Seite muss man sich das Album auch erstmal erarbeiten, denn es wird sich ganz sicher nicht alles beim ersten Durchlauf erschließen und dies deutet ja auf ein langes Haltbarkeitsdatum hin! Die Jahreszeit scheint also wie gemacht für diese Band und dieses Album zu sein.

http://www.snowpatrol.com

 

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