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Smashing Pumpkins: If All Goes Wrong

(Soundstage/Soulfood)

Autor: schlimm / Wertung: 9 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Junge Junge, da sind die Smashing Pumpkins gerade wieder zusammen und schon gibt es die Vollbedienung. Nach dem zum Teil mäßigen Album „Zeitgeist“ gibt es nun ein randvolles DVD-Paket. Fans der ersten Stunde dürften da etwas wehmütig werden, hätte man sich eine derartige Veröffentlichung doch von der Urbesetzung gewünscht. Die Band ist so leider weit von der Ursprungsformation entfernt. Gemeinsamkeiten lassen sich gerade auf dieser Produktion nur schwerlich finden. Der kleinste gemeinsame Nenner ist eben Billy Corgan und Jimmy Chamberlin. Der Rest? Schmuckes Beiwerk – das wird hier noch deutlicher. Was bleibt ist eben der Name, aber im Grunde ist dies ein Soloprojekt von Billy Corgan.

Trotzdem ist diese Doppel-DVD sehr sehenswert. Hier bekommt man nicht nur einen Einblick in die aktuelle Welt der Pumpkins, sondern einen Blick hinter die Kulissen, wie man ihn von dieser Band – von Billy Corgan – nicht gewöhnt ist. Der gute Billy hat mit seiner neuen Version der Smashing Pumpkins zumindest in Konzertform wieder Maßstäbe gesetzt. Wozu eine gewöhnliche Tour machen, wenn man doch direkt an einem Ort mehrmals hintereinander spielen kann? Sicher, die Idee ist nicht neu, in dieser Ausführung allerdings schon. Man spielte also neun Konzerte in Asheville/North Carolina und gleich elf an der Zahl in San Francisco! Logisch, dass da genug Material für eine DVD abfiel.

Also, DVD1 eingeschmissen und staunen. Staunen über eine Realsatire, die einem da entgegen flimmert. Ungläubig darf man dabei sein, wie Billy Corgan ein Großteil der 104 Minuten im Nachthemd auf dem Hotelbett sitzt und über das große Ganze sinniert. Mein lieber Herr Gesangsverein, ist der Junge jetzt ab von allem weltlichen?! Man ist als Zuschauer so hautnah dabei, wie er auf der akustischen Gitarre neue Songs komponiert, wie ihm das Frühstück gereicht wird – und wie er schläft. Richtig bizarr wird dann ein Zusammentreffen mit seinen Fans. Billy versucht hier bewusst keine Distanz aufzubauen, macht es aber trotzdem. Es ist aber auch nicht von dieser Welt, wenn zwei weibliche Vertreter ihrer Zunft einen modellierten Billy Corgan-Kopf mit sich rumschleppen. O-Töne von Corgan gibt es direkte oder indirekte viele. Und der Rest der Bagage? Kommt so gut wie nicht vor. Jimmy Chamberlin darf zwar auch den ein oder anderen Kommentar abgeben, wirkt dabei aber wie der nette Onkel von nebenan, der mit seinem schlichten Gemüt vom Rest der Welt nicht viel mitbekommt. Nein, dies ist einzig und alleine die Billy Corgan Show. Und sie ist sehr sehenswert! Diese kurzweilige Dokumentation muss man einfach gesehen haben – man muss das Gezeigte ja nicht unbedingt hinterfragen.

Toll ist auch schon das Bonusmaterial der ersten Scheibe. Neben 11 Minuten, die den Fans gehören, gibt es noch ein Interview mit Pete Townsend zu bewundern. Den The Who Gitarristen hätte man sicher nicht unbedingt auf einer Smashing Pumpkins DVD erwartet. Was der Mann hier wieder scharfzüngig von sich gibt ist schon eine Schau. Die komplette schreibende Zunft bekommt dann auch noch ihr Fett weg und hat bestenfalls sowieso keine Ahnung. Herrlich!

DVD 2 wartet dann mit Aufnahmen vom Fillmore Konzert auf. Fast zwei Stunden gibt es die Pumpkins-Vollbedienung. Wer allerdings ein Feuerwerk an Hits erwartet, der ist völlig falsch gewickelt und wird enttäuscht in die Röhre gucken. Gut so! Das kann ja schließlich jeder und warum auf das sichere Pferd setzen? Toll, dass die Band da einen anderen Weg geht und mal etwas wagt. Zudem gibt es auch gleich sechs Songs zu bewundern, die bisher unveröffentlicht waren.

Natürlich entspricht dies alles dem „Zeitgeist“. Der Ton ist selbstverständlich allererste Sahne und wer will, kann sich gepflegt von der Couch blasen lassen. Das Geschehen selber haben dann zwölf Kameras in High Definition aufgezeichnet. Dies entpuppt sich aber bei den schnellen Tracks als großer Nachteil. Leider ist der Schnitt da nicht besonders gut und man hat wohl versucht so viele Kameraperspektiven wie möglich reinzupacken. Dies wirkt dann teilweise sehr anstrengend für die Augen und die Übergänge sind einfach zu hart. Das war sicher nicht die beste Idee so der ganzen Kiste Dynamik zu verleihen. Ein anderes Stilmittel ist der geteilte Bildschirm, nennt sich wohl neumodisch Splitscreen. Zum Teil bekommt man so gleich ein viergeteiltes Bild geboten. Viele Hände gibt es ebenfalls zu sehen. Hände der Bandmitglieder, die ihre Instrumente bearbeiten. Der ein oder andere Schwenk ins Publikum fängt dann noch die Atmosphäre vor Ort ein. Schade, dass der zum Teil katastrophale Schnitt einiges wieder zerstört.

Die Show selber ist gespickt mit Raritäten und legt auch gleich mit drei unveröffentlichten, akustischen Tracks los. Besonders „99 Floors“ sticht dabei hervor. Hits? Sucht man vergeblich! „Lucy 13“ und „Starla“ kommen vielleicht vom Ansatz in die Nähe. Die Darbietung der Band ist stoisch bis ruhig. Ginger am Bass macht einen guten Job und der ein oder andere wird sich auch optisch gerne verzaubern lassen. Jeff Schroeder ist konzentriert, wäre aber schon aufgrund seiner Erscheinung besser bei Oasis aufgehoben. Lisa Harriton steht oder sitzt dann auch noch irgendwo auf der Bühne rum. Nein, der Fokus ist ganz auf Billy Corgan gerichtet und Jimmy Chamberlin darf sich auch das ein oder andere Mal präsentieren. Eine gewisse Komik schwingt dann sogar mit, wenn es Corgan mal wieder übertreibt. Wie er da „Death From Above“ mit ausgebreiteten Armen zelebriert und in seinem weißen Kostümchen im gleißenden Licht steht, ist schon ein ganz besonderer Moment. Auf der anderen Seite wird das wunderschöne „Winterlong“ völlig ohne Pathos dargeboten. „Untitled“ und das ebenfalls neue „No Surrender“ stechen heraus. Mit dem Progrockmonster „Gossamer“ darf man auch den nervigsten Pumpkins Song aller Zeiten bewundern. Fast eine halbe Stunde mäandert die Nummer durch die Prärie. Das Bonusmaterial ist auch auf der zweiten DVD sehr, sehr gut. Die Rehearsals von Filmore werden akustisch in voller Bandbesetzung vorgetragen und wenn Corgan Mundharmonika spielt, erinnert das entfernt an Dylan. Ganz großes Kino!

Fazit: „If All Goes Wrong“ ist ein tolles Doppel-DVD Paket mit kleinen Schwächen. Trotzdem ist der Inhalt nicht nur üppig, sondern sehr sehenswert. Für Fans ist das eine absolute Pflichtanschaffung. Freunde der alternativen Musik sollten das Werk auch antesten. Diese Billy Corgan Show muss man einfach gesehen haben!

http://www.smashingpumpkins.com

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